Serbische Hooligans sorgen für Skandal in Krems

Aktualisiert am 04. Dezember 2022 | 16:31
Lesezeit: 4 Min
Es war ein schwarzer Tag des Sports, als die Kremser Handballer in der dritten Runde des EHF-Cups auf Vojvodina Novi Sad trafen. Rund 70 serbische Hooligans hatten zuvor schon in der Altstadt der Wachau für Unruhe gesorgt, ehe deren aggressives Verhalten während des Spiels beinahe zu einem Spielabbruch geführt hätte.
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FÖRTHOF UHK KREMS – VOJVODINA NOVI SAD 27:29 (16:14). Für Stirnrunzeln sorgte schon vor dem Anpfiff die Aufforderung eines "serbischen Fans", das Fotografieren ihres Sektors zu unterlassen. Zu Beginn der ausgeglichenen Partie begnügte sich die schwarz gekleidete Gästetruppe noch mit Sprechgesängen. Danach wurden die beiden Kremser Flügelspieler Julian Pratschner und Benjamin Rudischer von den Serben, die nahe am Spielfeldrand standen, bespuckt. Die Situation eskalierte endgültig, als einige Gegenstände Richtung des heimischen Anhangs flogen und ein Übergreifen der aggressiven Vojvodina-Anhänger auf den Kremser Sektor drohte.

Die anwesenden Polizisten nahmen rund um den Gästesektor Aufstellung. Die Hooligans zogen sich Schals und Kapuzen über den Kopf und begannen auch die Ordnungsorgane zu attackieren. Harald Merkl, der wieder als Mannschaftsbetreuer für das gegnerische Ensemble fungierte, wollte kalmierend eingreifen und bekam sofort ein paar Schläge ab. Am ärgsten erwischte es den Kremser Funktionär Thomas Mayer, der ein Cut im Gesicht und ein blaues Auge abbekam. Auch der Einsatz von Marko Simeks Mutter, die aus Serbien stammt, fruchtete nicht.

Nach einer über zehnminütigen Pause wurden die Randalierer aufgefordert, die Halle zu verlassen, sonst werde die Partie mit 12:0 für die Wachauer gewertet. Einige Spieler der Gäste versuchten „ihre Fans“ zu beruhigen, andere beklatschten deren Abgang. Die dritte Halbzeit gestalteten die Chaoten dann auf der Ringstraße der Wachau-Metropole, wo nur ein erhöhtes Polizeiaufgebot, unter anderem verstärkt mit einer Hundestaffel, die Randalierer in den Griff bekam.

Vojvodina Novi Sad kann sich bezüglich der Vorkommnisse nicht "abputzen"

Die Kremser werden die Abläufe des Eklats der EHF detailliert darlegen und überlegen, ob sie überhaupt zum Rückspiel in Novi Sad antreten sollten. „Wenn die Serben kein schlüssiges Sicherheitskonzept für diese Partie auf den Tisch legen, werden wir nicht anreisen. Ich will unsere Spieler und das Betreuerteam dieser möglichen Gefahr nicht aussetzen“, gibt UHK-Obmann Alexander Hofmann den nächsten Schritt vor. Für Trainer Ibish Thaqi waren die Vorkommnisse in der Kremser Sporthalle ein abgekartetes Spiel: „Novi Sad  kann sich nicht abputzen und behaupten, dass sie vom Verhalten ihrer Fans überrascht gewesen seien. Das Bedrohungsszenario gegen unsere Mannschaft und die UHK-Familie war wohl akkordiert. Ein Verein sollte das im eigenen Umfeld unterbinden." Im Vorfeld hatte die Vojvodina-Klubleitung die Kremser sogar aufgefordert, beim Spiel politische Botschaften zu unterlassen. Daran hatte bei den heimischen Fans ohnehin wohl niemand gedacht.

Im Hooligan-Sektor prangte dann aber eine serbische Flagge mit dem Umriss des Kosovo. Chefcoach Ibish Thaqi sah diese Aktion auch klar gegen sich gerichtet, hat er doch kosovarische Wurzeln: „Diese Leute haben sich genau unseren Kader und das Funktionärsumfeld angeschaut.“ Ein weiteres Indiz der abgekarteten Eskalation: Der Fan-Beauftrage der Gäste wurde während des Tumults aufgefordert, beruhigend einzuschreiten, rührte aber keinen Finger. Die nächste Chuzpe: Der UHK hatte auf Anfrage der Klubführung aus Novi Sad für deren „Fans“ noch die Tickets bereit gelegt.

„Ein Skandal! Wenn wir gewusst hätten, was da auf uns zukommt, hätte es natürlich keine Eintrittskarten für diese Typen gegeben“, so Hofmann, der froh ist, dass die Polizei vor Ort war: „Dadurch konnte eine mögliche Massenpanik verhindert werden.“ In der Pause hatte der Delegationsleiter der Gäste gegenüber dem Schreiber dieser Zeilen zugegeben, dass sich auch einige Unruhestifter mit serbischen Wurzeln aus Wien in die Gruppe gemischt hatten, die tags zuvor in der Bundehauptstadt nach dem Ausscheiden ihres Teams bei der Fußball-WM für einen umfangreichen Polizeieinsatz gesorgt hatten.

Eine harte Strafe wäre im Sinne des Handballsports 

Einen ähnlichen Vorfall hat es in der nun 69-jährigen Geschichte des UHK Krems noch nie gegeben. Match und Resultat mutierten anschließend zur Nebensache. Der griechische Delegierte zögerte lange und entschied sich gegen einen vielfach geforderten Abbruch der Partie. Nun ist man im Lager der Kremser gespannt, wie die EHF auf die dokumentierten Vorfälle reagieren wird. Ein Ausschluss der Serben vom Bewerb steht im Raum.