Nussbaum zu Wechsel: „Der UHK bleibt mein Herzensklub“. Langzeit-Obmann Josef Nussbaum spricht kurz vor dem Wechsel an der Klubspitze über seine „Amtszeit“ beim Kremser Traditionsverein.

Von Bert Bauer. Erstellt am 16. Juni 2021 (02:34)

Er hatte entscheidenden Anteil an der Rückkehr des UHK Krems zu einer rot-weiß-roten Top-Adresse im Handball. Am 30. Juni wird Josef Nussbaum nach 15 Jahren erfolgreicher Obmannschaft das Zepter an seinen Nachfolger Alexander Hofmann übergeben. Die NÖN sprach mit dem scheidenden Langzeit- Klubchef über dessen Wirken beim UHK Krems.

NÖN: Wie kam die Verbindung zum Handball zustande, zumal Sie aktiv diesen Sport ja nie ausgeübt haben?

Josef Nussbaum: Als gebürtiger Weißenkichner habe ich in meiner Jugendzeit beim dortigen SC gekickt, später dann auch noch kurz in Stadlau, aber ich war schon immer ein regelmäßiger Besucher der UHK-Spiele. Dann hat mich der damalige Präsident Hans Penz angesprochen. Er suchte für den wirtschaftlich in Turbulenzen geratenen Klub einen neuen Obmann mit profunder Erfahrung aus der Wirtschaft.

Hatten Sie da nicht Bedenken, da Sie auch bezüglich der sportlichen Verantwortung keine Erfahrung aufweisen konnten?

Mit Günter Chalupa und Herbert Gruböck standen mir zwei ausgewiesene Experten zur Seite, ohne die ich diese Aufgabe nie angenommen hätte.

Der sportliche Aufschwung war auch eng mit der wirtschaftlichen Erholung des Vereins verbunden.

Der Quantensprung in der Weiterentwicklung des Klubs war der Einstieg von Moser Medical als Hauptsponsor, der über meine persönlichen Freunde Karl und Werner Moser zustande gekommen ist und uns zehn Jahre lang die Treue gehalten hat. Dafür bin ich den beiden noch heute dankbar. Inzwischen hat sich unser Budget verfünffacht.

Als Obmann steht man oft auch zwischen verschiedenen Interessen der Mitglieder und Funktionäre. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich sah mich nie als aalglatter Manager. Die familiäre Atmosphäre war mir stets sehr wichtig, sei es mit Spielern, Trainern oder Funktionären. Ich glaube, dass wir durch die bei uns gelebte Handschlagqualität eine interessante Anlaufstation für Spieler wurden. Wir können zwar keine Top-Honorare zahlen, aber das, was ausgemacht war, wird pünktlich überwiesen.

An welche sportlichen Highlights denken Sie gerne zurück?

Zuerst einmal an den Cupsieg in Hard 2011, als wir nach 33 Jahren Durststrecke als krasser Außenseiter endlich wieder einen Titel in die Wachau holten. Und natürlich dann das Double 2019 mit einer jungen Mannschaft, bei der punkto Zusammenhalt kein Blatt Papier zwischen die Spieler passte.

Die größte Enttäuschung?

Das verlorene Cup finale gegen Schwaz 2012 in unserer Heimhalle. Wir waren Favorit, die Tiroler hatten die Fivers im Semifinale eliminiert, und alles war für den Titelgewinn vorbereitet, so auch eigene Cupsieger-Trikots. Das Kuriose dabei: Wir haben zuvor und auch danach lange kein Spiel mehr gegen die Tiroler aus der Hand gegeben.

Ein kleiner Trost war, dass Sie die Enttäuschung nicht live vor Ort miterleben mussten …

Ja, das war das einzige Heimspiel, das ich unter meiner Obmannschaft versäumt habe. Ich war in Deutschland bei meinem Sohn Daniel zu seiner Hochzeit eingeladen.

Sie haben in den 15 Jahren jede Menge Kraft und persönliche Freizeit in den Klub gesteckt. War es das im Rückblick wert?

Der UHK Krems bleibt auch in Zukunft mein Herzensklub mit dem ich eng verbunden bin. Zu großem Dank bin ich meiner Lebensgefährtin Andrea verpflichtet, die die letzten zwölf Jahre diesen Weg gemeinsam mit mir beschritten hat und inzwischen selbst ein glühender UHK-Fan geworden ist.

Wo sehen Sie sich in Zukunft in der großen Handballerfamilie des UHK Krems?

Natürlich werde ich dem Verein weiter die Treue halten und ins Präsidium wechseln. Alle sportlichen Entscheidungen, die die Mannschaft betreffen, liegen nach dem 30. Juni bei meinem Nachfolger Alex Hofmann und dem Sportlichen Leiter Werner Lint. Ich werde mein wirtschaftliches Netzwerk weiter nutzen, um den UHK für zukünftige Sponsoren noch attraktiver zu machen.