UHK Krems: Der Aufstiegstraum platzte in der Schlusssekunde

Die Kremser lieferten den Schweizern im EHF-Cup-Rückspiel einen bemerkenswerten Fight, der beste Werbung für den Handballsport war. Das Ende gestaltete sich aus Sicht der Wachauer jedoch besonders bitter: Jochmann & Co verließen nach der Schlusssirene mit hängenden Köpfen das Parkett, obwohl sie das zweite Duell gewonnen hatten: Ein irregulärer Treffer in der Schlusssekunde sicherte den Schweizern aufgrund der Auswärtstorregel den Aufstieg.

Erstellt am 24. Oktober 2021 | 16:36

UHK KREMS – HSC SUHR AARAU 29:27 (13:13). Wie schon im Auswärtsspiel ging es gleich zu Beginn richtig zur Sache. Beiden Teams gelang es vorerst nicht, sich abzusetzen. In den letzten Minuten vor der Pause kam es zu einem Déjà-vu der ersten Auseinandersetzung, als die „Gelb-Roten“  die erstmalige Führung mit drei Toren Differenz (12:9) bis zur Pause wieder aus der Hand gaben.

Nach dem Wechsel nahm der Handball-Krimi vor 1000 begeisterten Zuschauern noch mehr Fahrt auf. Fabian Posch ließ die Fans mit dem Treffer zum 19:16 (39.) abermals vom Aufstieg träumen. Dann machte Aaurau-Keeper Marin Durica, der erst wenige Tage vor dem Spiel in der Wachau-Metropole von den Schweizern engagiert wurde, dem Heim-Ensemble einen Strich durch die Rechnung. Der Newcomer vereitelte mehrere Topchancen der Kremser, darunter zwei (beinahe) „Hundertprozentige“ von  Kreisläufer Kenan Hasecic, der – offensichtlich aus Respekt vor dem Aarauer Schlussmann –  das gegnerische Gehäuse zu genau anvisierte und dann die Torumrandung abschoss. In der Defensive machte der 20-jährige Manuel Zehnder dem UHK mit seinen ansatzlosen Hüftwürfen  zu schaffen. Der Youngster war für dieses Match in die Stammelf aufgerückt, nachdem sich  Tim Aufdenblatten beim Abschlusstraining in der Kremser Sporthalle einen Mittelhandknochenbruch zugezogen hatte. Zehnder feierte seinen Einstand gleich mit 14 Volltreffern.

„Grande Finale“ ohne Happy End

Die Schlussminuten waren an Dramatik nicht zu überbieten: Nikolic stellte auf 26:23, die Gäste verkürzten auf 26:24. Im Gegenzug brachte Fabian Posch per Nachschuss noch einen Führer-Fehlwurf zum 27:24 unter. Die Schweizer hielten weiter dagegen (28:26). Trainer Ibish Thaqi nahm ein Timeout, setzte völlig nachvollziehbar alles auf eine Karte und beorderte den siebenten Feldspieler auf das Parkett. Der Plan schien aufzugehen, als Jakob Jochmann zehn Sekunden vor dem Ende die Kugel zum 29:26 im Aarauer Gehäuse platzierte. Lukas Domevscek, der übrigens wieder ein fabelhafte Vorstellung im Tor geliefert hatte, schaffte es aber nicht mehr rechtzeitig ins Tor, sodass der schnelle Anwurf der Schweizer zum Entsetzen der Kremser Fans noch im Netz baumelte. Dem „Golden Goal“ der Gäste hätte die Anerkennung versagt gehört, denn zwei Aktionen waren beim Anwurf nicht regelkonform. Erstens befand sich ein Flügelspieler der Gäste beim Anwurf bereits in der gegnerischen Hälfte, und zweitens war Manuel Zehnder, der den Anwurf ausgeführt hatte, nicht auf Höhe der Mittellinie positioniert. Ein Faktum, das die TV-Bilder auch eindeutig bewiesen. Die Proteste der Kremser verhallten ohne Wirkung. Dennoch soll die herausragende Leistung von Jochmann & Co als Mut-Injektion für die nächsten schweren Meisterschaftsspiele dienen.

Tore UHK Krems: Jakob Jochmann (7), Matthias Führer (5), Sebastian Feichtinger (4), Fabian Posch (4), Romas Kirveliavičius (3), Kenan Hasecic (2), Tobias Auß (2), Gašper Hrastnik (1), Lukas Nikolic (1)

Ibish Thaqi (Trainer UHK Krems): „Das war zweifellos unser bestes Saisonspiel, für das wir aufgrund einer Referee-Fehlentscheidung leider nicht belohnt wurden. Wir müssen jetzt das Positive aus unserem Europacup-Einsatz mitnehmen. Es war eine geile Partie, in der meine jungen Spieler viel Erfahrung sammeln konnten. Der Fokus liegt jetzt bereits wieder auf dem schweren Auswärtsspiel am Dienstag in Hard.“