Peinlich verrechnet. Funktionäre haben sich verkalkuliert: Willi Rabl wähnte sich schon als Staatsmeister, wurde am Ende aber doch nur "Vize".

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 01. Dezember 2014 (08:49)
Seit einem Jahrzehnt im Rallyesport unterwegs ist der Mauterner Willi Rabl (im Bild mit Co-Pilotin Uschi Breineßl).
NOEN, Robert May

Der Meistersekt war schon eingekühlt, der Platz im Regal für die Titeltrophäe schon freigeräumt. Bis ein lapidarer Anruf den Mauterner Rallye-Crack Willi Rabl aus allen Titelträumen riss – und das nur einen Tag vor der offiziellen Ehrungsveranstaltung. Staatsmeister bei den „historischen Fahrzeugen“ sei nicht er, sondern Kontrahent Kris Rosenberger. Sorry, man habe sich verrechnet. „Da hat‘s mich aus den Socken gehaut“, schildert Rabl.

Hintergrund: Bei der Auswertung der Schneebergland-Rallye hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Im Reglement ist vorgesehen, dass bei weniger als zwei Startern in einer Klasse bei den Historischen Fahrzeugen nur halbe Punkte vergeben werden. Tatsächlich wurden aber bei dieser Rallye die Gesamtpunkte (!) halbiert. Die Neuberechnung ergab 123 Zähler für Rosenberger, nur 115 für Rabl. Die Oberste Nationale Kommission für den Motorsport (OSK) sprach damit Rosenberger den Titel zu.

„Auch international um Siege mitfahren“

„Diesen Fehler zu korrigieren“ sei die „sicherlich fairste Entscheidung im Sinne des Sports“, ließ die OSK verlauten. Rabl legte Protest ein, blitzte damit allerdings ab. „Offenbar hat die OSK eine ganze Saison lang ihr eigenes Reglement falsch interpretiert“, ärgert sich das Rallye-Urgestein. Ihm selbst sei die Punktevergabe schon während der Saison „spanisch“ vorgekommen: „Die OSK hat auf meine Anfrage hin beruhigt, es sei eh alles in Ordnung.“ Bis das Klassement im Nachhinein korrigiert wurde.

Mittlerweile ist der Zorn ein wenig verraucht. „Wir sind  Vizestaatsmeister geworden, so schlecht ist das mit einem 40 Jahre alten Porsche ja auch nicht“, schmunzelt Rabl. Mit dem nunmehrigen Meister Rosenberger habe er „absolut kein Problem, er hat mich sogar bei meinem Einspruch unterstützt.“

Rabls 911er wird kommendes Jahr vorwiegend auf internationaler Ebene zu sehen sein. „Nach dieser Saison sind wir überzeugt, auch international um Siege mitfahren zu können“, freut sich Rabl auf die Historic-Europameisterschaft.
 

Hintergrund

Seit einem Jahrzehnt im Rallyesport unterwegs ist der Mauterner Willi Rabl (im Bild mit Co-Pilotin Uschi Breineßl). In den 80er-Jahren war er im Porsche auf der Rundstrecke unterwegs und gewann im VW-Werksteam die Dieselwertung bei den 24 Stunden von Bahrain und Dubai (2006, 2007). Mit seinem Porsche 911 fuhr er heuer zum Vize-Staatsmeistertitel bei den historischen Fahrzeugen.

Die Zukunft: 2015 will Rabl einige Läufe der Historic-Europameisterschaft in Angriff nehmen. Dort drehen u. a. Evergreens wie Carlos Sainz am Volant. National werden sich nur zwei Starts im Rennkalender wiederfinden.
 

Mehr zum Thema: