Philip Wieser: „Sinnkrise ist abgesagt“. Der Saisonabbruch wegen Covid-19 hat im Frühjahr Punkte gekostet und stört jetzt wegen erneuter Rennabsagen den Formaufbau, doch Traisens Philip Wieser bleibt fokussiert.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 21. Oktober 2020 (01:07)
Egal ob erstes Schneetraining in der Ramsau oder auf den Rollerskates daheim, der 19-jährige Traisener Philip Wieser gibt immer alles für den Erfolg.
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Philip Wieser gilt seit Jahren als eines der größten Langlauftalente des Landes. Der 19-jährige Traisner startet heuer das zweite Jahr in der U 20 und ist in Österreich da allein auf weiter Flur. „Nur im Sprint gibt es in Eisenerz noch Talente, von denen ich was lernen kann“, lacht der Ausdauerspezialist, der sich schon an die älteren Profis hält. Denn das heurige Jahr ist ein schwieriges, schließlich muss jetzt der Anschluss an die Besten in der Allgemeinen Klasse gefunden werden. Seine Zeit im Nordischen Ausbildungszentrum (NAZ) Eisenerz bei Trainer Andi Zelzer läuft ab. Nach abgeschlossener Maschinenbaulehrer hofft Wieser, entweder bei Bundesheer oder Zoll Aufnahme zu finden. Den Aufstieg ins B-Team (das ÖSV-Kadersystem wurde nach den Dopingskandalen abgeschafft) verhinderte die Covid-19-Pandemie.

„Nur im Sprint gibt es in Eisenerz noch Talente, von denen ich was lernen kann“

„Der vorzeitige Saisonabbruch hat mir die nötigen Punkte gekostet“, klagt Wieser, dass er deshalb noch eine Saison im Förderteam anhängen muss. Umso mehr will er heuer gleich bei den ersten Austrian-Cups und eventuell Europacups aufzeigen — wenn sie stattfinden!

„Covid-19 bleibt ein Problem“, ist eine erneute Absagenflut Wiesers größte Sorge. „Im April bin ich beim alleine Trainieren daher in eine kleine Krise geschlittert, aber jetzt bin ich wieder fokussiert“, dankt er seinen Freunden, mit denen er sich via App zusammenschloss. Nur eine Bänderüberlastung hat ihn noch zu einer Woche Pause in der Vorbereitung gezwungen.

Zwei Wochen Schneetraining in der Ramsau hat Wieser schon hinter sich, zwei weitere folgen. „Und wenn das Wetter oben nicht passt, dann wird unten mit den Rollerskates weitertrainiert“, erzählt er beim Besuch der Eltern in Traisen, wo auch nicht gefaulenzt wird. Die Garage ist zum „Skistall“ umfunktioniert, in dem zig Langlaufskier auf ihre Präparierung warten. Höchstpersönlich verpasst Wieser jeder Kante den richtigen Schliff. „Du kannst noch so viel trainieren, wenn der Ski nicht passt, hilft das nichts“, weiß er. Und auch, dass alle die Zeit ohne Wettkämpfe nützen. „Ausdauerathleten sind in der Form ihres Lebens, weil sie heuer so viel Zeit zu trainieren hatten, wie noch nie“, erklärt Wieser.

Noch ist unklar, wann die Saisonhighlights steigen. Die Junioren-WM Anfang Jänner in Zakopane wurde abgesagt und noch kein Ersatztermin oder Ort genannt. „Das macht den Formaufbau schwierig, aber zum Glück haben alle dasselbe Problem“, hat sich Wieser, der bei den 10 und 30 Kilometer starten will, damit abgefunden.