Franz Wittmann ist Siebzig. Die Rallyelegende aus der Ramsau feiert coronabedingt seinen Geburtstag nur im engsten Familienkreis — und mit Sorgen!

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 08. April 2020 (01:00)
Der damals 51-jährige Franz Wittmann steuert bei der Waldviertel-Rallye mit Co Heike Feichtinger seinem zwölften Staatsmeistertitel im Toyota Corolla WRC entgegen.
APA/Raunig

Franz Wittmann ist mit einem Auto untrennbar verbunden: Audi Quattro! 1981 fuhr er nur acht Tage nach dessen Homologierung bei der Jännerrallye 21 Minuten Vorsprung heraus und in allen 33 Sonderprüfungen die Bestzeit — ein Rekord für die Ewigkeit! Dagegen verblasst selbst Wittmanns Triumph beim WM-Lauf 1987 in Neuseeland im Lancia Delta HF.

Der 51-jährige Franz Wittmann steuert bei der Waldviertel-Rallye mit Co Heike Feichtinger seinem zwölften Staatsmeistertitel im Toyota Corolla WRC entgegen.
APA, Raunig

Doch die ganz große WM-Karriere gelang Wittmann nicht. Hannu Mikkola erhielt als Mitentwickler der Allradtechnik das Einsercockpit im Quattro und zudem setzte Audi auf Michele Mouton. Eine Frau war als Herausforderin von Walter Röhrl, dem überragenden Piloten seiner Zeit, die besser zu vermarktende Story. „Zudem hatte ich einen Skiunfall, sodass ich pausieren musste und dann beim Comeback gab’s einen Reifenschaden“, erzählt Wittmann. Platz drei in Portugal war zu wenig, da Mouton den Sieg holte. In Finnland verletzte Wittmann zudem einen Zuschauer tödlich, weil er wegen der Menschenmassen übersehen hatte, dass er das Ziel einer SP bereits erreicht hatte. „Ich bringe es nicht mehr fertig“, gestand er danach, „mit 180 Stundenkilometern in ein Spalier von Zuschauern reinzufahren und darauf zu vertrauen, dass alle zur Seite springen.“

Wittmann hatte ab 1983 nur mehr Semiwerkseinsätze im Quattro und ab 1985 in einem Golf GTI. Herausragend in dieser Zeit war für ihn der achte Platz bei der Akropolis-Rallye 1984, ehe er dann 1987 mit Fiat-Lancia den sagenhaften Trip nach Neuseeland auf die Beine stellen konnte.

Als er sich vier Wochen auf den WM-Lauf in Übersee vorbereitete, ist er auch dem Golf verfallen. „Als Zeitvertreib habe ich nach dem Training im Hotel alle Golfübertragungen im Fernsehen geschaut“, erzählt er. Was lag dann näher, als in seiner Heimat selbst einen Golfplatz in die extrem hügelige Landschaft zu zaubern? Sein GC Adamstal sollte einer der schönsten Naturplätze der Welt werden. Und wer ihn besucht, kann hin und wieder Wittmann selbst am Traktor die Greens pflegen sehen, denn Adamstal ist ein Familienbetrieb, hinter dem Gattin Rolanda ebenso wie die Söhne Franz und Sebastian stehen.

Aus der Golfidylle wurde Wittmann nochmals gerissen. Kommerzialrat Fritz Frey von Toyota stellte Wittmann zunächst Celicas und dann Corollas zur Verfügung. 16 weitere Siege und ein paar Staatsmeistertitel folgten. Nach weltweit fast 80 Siegen kehrte Wittmann dem Rallyesport 55-jährig endgültig den Rücken, nachdem er im März 2006 zum Präsidenten von Österreichs Golfverband gewählt worden war.

Die Coronakrise trifft den Golfplatzbesitzer nun hart. Normalerweise hat Wittmann auf der Golfanlage 21 Angestellte, jetzt sind es nur sieben. „Lange darf es nicht so weitergehen“, sinniert er auf seinem Traktor.