Günther Fuchs: Ein Leben für den Sport

Der Gollinger Günther Fuchs feierte seinen 80. Geburtstag. Der Ski- und Radrennfahrer blickt auf eine bewegte Karriere zurück.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 04:20
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„‚Ich kann nicht mehr‘ dachte ich 1966, ‚Aus!‘ meinte ich 1985, ‚Niemals aufgeben‘ sage ich heute.“ Günther Fuchs kann auf ein wahrlich bewegtes Leben zurückblicken. Die Versehrtensportlegende aus Golling feierte vor kurzem ihren 80. Geburtstag. Zeit, um seine Karriere mit der NÖN Revue passieren zu lassen.

Wie hat alles begonnen? „Ich bin immer schon gerne Ski gefahren“, lacht Fuchs beim NÖN-Besuch. Früh wurde es im Leben des Gollingers aber ernst. 1966 musste Fuchs nach einem Arbeitsunfall der linke Unterschenkel amputiert werden. Zu diesem Zeitpunkt war er 24 Jahre alt und hatte zusammen mit seiner Ehefrau Elfriede ein 17 Monate und ein zwei Monate altes Kind.

„Das Erste, an das ich gedacht habe, war Verzweiflung“, blickt Fuchs zurück. Der erste Gedanke wich aber schnell seinem Ehrgeiz – eine der Eigenschaften, die Ehefrau Elfriede an „ihrem Günther“ so bewundert: „Er ist ein Kämpfer, durch und durch, und kein Jammerer. Er war immer zuversichtlich, hat immer nach vorn geschaut.“ So auch bei seinem zweiten Rückschlag: 1985 erlitt Fuchs bei einem schweren Autounfall unter anderem einen offenen Schädelbruch und drei gebrochene Rückenwirbel. Von seiner Lebensfreude und seiner Liebe zum Sport büßte das „Stehaufmandl“, wie Elfriede ihn gerne nennt, aber nichts ein.

Fernsehübertragung war der Anlass

Anfang der 1970er verfolgte Fuchs im Fernsehen ein damals noch selten übertragenes Versehrtenskirennen. „Da habe ich mir gesagt: Da melde ich mich jetzt an“, schmunzelt der Gollinger. 1977 bestritt er in St. Corona sein erstes Rennen. Und was folgte, war ein kometenhafter Aufstieg. 1985 kürte sich Fuchs zum Österreichischen Meister in Riesentorlauf und Abfahrt, insgesamt glänzte er neunmal als niederösterreichischer Landesmeister, 16 Mal als Österreichischer Seniorenmeister und neunmal als Sieger im Austriacup. Dazu gewann er internationale Rennen in Kanada, der damaligen Tschechoslowakei, Polen und Italien.

Über die Ski zum Radrennsport gefunden

Bei den Pisten dieser Welt sollte es aber nicht bleiben. Durch einen Skirennfahrkollegen kam Fuchs zum Versehrtenradrennsport. „Die Grundkondition hatte ich mir schon in der Installateurlehre geholt, als ich jeden Tag mit dem Rad von Golling nach Ybbs gefahren bin“, lacht Fuchs. So spulte er ab 1980 zusätzlich zum Skifahren jährlich an die 15.000 Kilometer auf dem Rad hinunter.

Der erste Triumph ließ nicht lange auf sich warten: 1983 und 1984 setzte sich Fuchs in St. Johann (Tirol) die Krone als Weltpokalsieger auf, bei den Europaspielen in Paris und St. Etienne in den Jahren 1984 und 1985 erradelte er jeweils Silber und 1989 gelang ihm bei den Internationalen Meisterschaften in New York Rang zwei. Dazu gesellten sich Siege in ganz Europa und Fuchs wurde mehrfach Österreichischer Meister und Österreichischer Seniorenmeister.

Fuchs beließ es aber nicht bei seinen sportlichen Erfolgen, sondern engagierte sich auch gesellschaftlich. 15 Jahre lang gestaltete er als Versehrtensportreferent im NÖ Landesskiverband den Versehrtensport mit, wobei er stets ein großes Augenmerk auf die Nachwuchsarbeit legte. Hinzu kamen über zwei Jahrzehnte Obmannschaft der Kinderfreunde, 15 Jahre Obmann-Stellvertreter und 16 Jahre Obmann des Gesangsvereins sowie zwei Jahrzehnte Einsatz als Geschäftsführender Gemeinderat der Marktgemeinde Golling.

Für seine Verdienste wurde Fuchs mehrfach ausgezeichnet: 1993 würdigte ihn die niederösterreichische Landesregierung mit dem Sportehrenzeichen in Gold, 2017 bekam Fuchs die Goldene Medaille des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich verliehen.

Und hängt er mit 80 Jahren Bretter und Fahrrad nun an den Nagel? Fuchs schüttelt den Kopf: „Nein, aber ich fahre jetzt keine Rennen mehr, nur noch privat und bei Schönwetter.“