Kristina Glöckler: Ein „Tennisfreak“ auf Erfolgskurs. 2019 stieg die Großengersdorferin Kristina Glöckler (26) in die Tennisschule eines Freundes ein. Heute bewegen sie 500 Personen.

Von David Aichinger. Erstellt am 12. Mai 2021 (00:07)
Vier Freaks, ein Ziel: Kristina Glöckler, Florian Rabl, Alexander Kadnar und Michael Grandinger (v.re. oben, im Uhrzeigersinn) wollen die Tennisplätze beleben. 
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Kristina Glöckler (26) ist ein Tennisfreak – seit 2019 auch offiziell. Da schloss sich die Großengersdorferin der Tennisschule ihres Wegbegleiters Alexander Kadnar an. Der 33-Jährige stammt aus Marchegg (Bezirk Gänserndorf), wuchs neben der städtischen Tennisanlage auf, seine ganze Familie schwingt das Racket. Schon mit fünf Jahren jagte auch er erstmals der gelben Filzkugel nach – der Beginn einer persönlichen Liebesbeziehung. Kadnar trainierte bald regelmäßig, gab mit 18 Jahren erste Trainerstunden, organisierte Turniere. An solchen nahm auch Glöckler teil, als sie gerade mal zwölf Jahre alt war.

Kadnar widmete sich später einem Studium der Technischen Chemie an der TU Wien, Trainerstunden gab er weiterhin – am Ende sogar im zeitlichen Verhältnis 50:50, womit am Ende der Ausbildung, im Frühjahr 2017, eine „Entscheidung zwischen den zwei Welten“ anstand, wie es der March egger formuliert. Das Rennen machte der Sport: „Am 30. März habe ich meine Diplomprüfung gehabt, am 1. April habe ich die Tennisschule gegründet und mich selbstständig gemacht.“ Die „Tennisfreaks“ waren geboren.

„Am 30. März habe ich meine Diplomprüfung gehabt, am 1. April die Tennisschule gegründet.“ Mit seinem Studium der Technischen Chemie fing der Marchegger Alexander Kadnar bis dato nicht viel an

Die Anzahl der Kinder, die er zu diesem Zeitpunkt betreute, schätzt Kadnar auf „irgendwo zwischen 30 und 50“. Vier Jahre später ist sein Projekt nahezu explodiert: Aus einem Freak sind bis heute rund 500 Spieler und Spielerinnen geworden, die auf zehn Standorten von elf Trainern und Trainerinnen betreut werden. Die jüngsten Schützlinge sind vier, die ältesten um die 60 Jahre alt.

Eine Entwicklung, die den Gründer doch überraschte: „Uns war nicht klar, dass wir damit so viele Kinder und Erwachsene auf den Tennisplatz holen werden.“ Doch das Projekt sei einfach „ständig gewachsen“.

Speziell, als 2019 Glöckler ins Boot sprang. Nach den ersten Berührungspunkten hatten die beiden auch bereits gemeinsam die Ausbildung zum staatlich geprüften Tennislehrer absolviert und sich auch immer wieder im Rahmen von Tenniscamps beim jeweils anderen Verein unterstützt. Dass Glöckler, die im TC Auersthal beheimatet ist und dort auch schon mit 17 Jahren zu coachen begann, der zweite „Haupt-Freak“ werden könnte, hatte Kadnar deshalb schon früh im Hinterkopf. Und auch sie war und ist Feuer und Flamme: „Wir machen das einfach, weil wir eine Leidenschaft dafür haben.“

Die geht übrigens so weit, dass auch Glöckler ihren Lebensplan überarbeiten musste. Den Bachelor in ihrem Lehramtsstudium hat sie in der Tasche, den Master absolviert sie parallel zur Tennisschule. Statt in einem Klassenzimmer sieht sie sich Stand jetzt aber weiterhin auf dem Tennisplatz. Den Kindern von Grund auf etwas beizubringen und ihre Entwicklung zu beobachten, sei der Reiz an der Sache, beschreibt Glöckler.

„Nicht nur anfangen, sondern dabei bleiben“

Um die Leitung der Tennisschule kümmert sich das Duo nun gemeinsam, beide sind auch Teil des vierköpfigen Teams an Haupttrainern, dem noch der Protteser Florian Rabl (24) und der Wiener Michael Grandinger (26) angehören. Auch die weiteren sieben Trainer stammen allesamt aus dem Bezirk Gänserndorf, mit dem Lasseer Armin Aichinger – er ist Sportlehrer an einem Gymnasium – haben die Freaks auch einen Spezialisten in Sachen Konditionstraining an Bord. Gemeinsames Ziel: so viele Kinder wie möglich für den Tennissport zu begeistern. Und sicherzustellen, „dass sie nicht nur anfangen, sondern auch dabei bleiben“, wie Glöckler ergänzt.

Ganz generell sind der Zielgruppe aber keine Grenzen gesetzt. „Ob jung oder alt, Anfänger, Fortgeschrittener oder Leistungsspieler – jeder ist willkommen, für jeden wird ein maßgeschneidertes Trainingspaket erstellt“, versprechen die Tennisfreaks. Möglich sind Einzel-, Paar- und Gruppenstunden.

Ab September: Neues Projekt in Gänserndorf

Apropos Leistungsspieler: Für die ist unter dem Namen „Tennisheroes“ ein neues Angebot in Vorbereitung, Standort ist die Halle von SportZeit Stindl in Gänserndorf. Der Leistungszweig soll Kinder und Jugendliche, die professionell und leistungsorientiert spielen wollen, ansprechen. Geleitet wird das Projekt von Michael Grandinger, der sich im letzten Jahr als Trainer im Leistungszentrum Südstadt unter Günther Bresnik, dem ehemaligen Trainer von Dominic Thiem, sehr viel neue Erfahrung holen durfte.

Alle anderen wollen die Tennisfreaks wie gewohnt in die Breite gehend fördern. Neben Marchegg, Breitensee, Lassee, Auers thal, Bockfließ, Groß- Schwein barth und Ollersdorf tut man das seit heuer auch an den neuen Standorten Prottes und Schönkirchen-Reyersdorf. Speziell Letzterer erlebt dieser Tage einen gewaltigen Boom.

Den generellen Drang auf die Tennisplätze sehen die Verantwortlichen nicht zwingend bei den Erfolgen von Aushängeschild Dominic Thiem. Paradoxerweise hätte ausgerechnet die Pandemie geholfen, die Leute wieder zum Tennis zu bewegen, glaubt Kadnar. Und was die Jüngsten betrifft, sieht Mitstreiterin Glöckler vor allem eine Kettenreaktion: „Bei den ganz Kleinen, die beginnen, ist es interessanterweise so, dass ihnen Dominic Thiem wenig sagt. Aber wir gehen in die Schulen, holen die Kinder auf den Tennisplatz, machen ein Programm mit ihnen. Genauso bei unseren Sommercamps. Die schauen sich das an, und es macht ihnen Spaß. So sind immer mehr hängengeblieben.“

Stellt sich die Frage, wie lange man diese enorme Nachfrage auch bedienen wird können. „Die Grenze des Machbaren gibt leider das Personal vor“, sieht Gründer Kadnar kein ewiges Wachstum. Man hätte auch schon einzelne Anfragen – etwa für ein Mannschaftstraining oder einen potenziellen Standort – ablehnen müssen, auch, weil eines oberstes Gebot sei: „Die Qualität darf nicht verloren gehen. Da sind wir schon darauf bedacht, dass wir Leute auf den Platz stellen, wo es auch passt.“

Comeback in der Chemie nicht in Sicht

Ein schnelles Comeback in der Chemie ist für Kadnar jedenfalls nicht in Sicht. Auf die Frage, ob das Wissen nach vier Jahren schon etwas verblasst sei, lächelt der Marchegger zum Abschluss: „Ganz noch nicht. Meine Freundin und mein Vater sind eh Chemiker, und ich habe genug Freunde, die in der Branche arbeiten – da kriegt man immer etwas mit.“

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