Ulrike Swoboda: Die Frau in der Männerdomäne. Seit zehn Monaten ist Ulrike Swoboda Obfrau der Mistelbach Mustangs. Die NÖN bat die 53-Jährige zum Interview.

Von David Aichinger. Erstellt am 07. April 2021 (00:22)
Anpacken für die Mustangs. Nach zehn Monaten an der Spitze des Mistelbacher Basketballvereins ist Ulrike Swoboda immer noch voller Motivation.
Mustangs

NÖN: Sie sind seit zehn Monaten Obfrau der Mistelbach Mustangs. Die verschobene Wahl fiel letztlich schon in die Zeit nach Ausbruch der Corona-Pandemie in Österreich, die entsprechenden Pläne gab es aber schon davor. Wie sehr haben sich diese zehn Monate unterm Strich von dem unterschieden, was Sie sich anfangs erwartet haben?
Ulrike Swoboda: Da gibt es an und für sich gar keine Unterscheidung. Wir stellen uns den Herausforderungen und arbeiten einfach super zusammen, mit gutem Schwung und sehr konstruktiv. Wir nehmen die Herausforderung an.

Abgesehen von Elisabeth Swarovski, der Präsidentin der Swarco Raiders Tirol, sind die führenden Vereinsfunktionäre in den höchsten zwei Ligen allesamt männlich. Sind Sie in einer Männerdomäne gelandet?
Swoboda (lacht): Naja, schon, nicht? Aber ich muss sagen, ich merke das nicht. Das ist für mich nicht spürbar.

Wünschen Sie sich weitere Frauen an den Spitzen der Basketball-Vereine?
Swoboda: Unbedingt. Eine Frau bringt durch die weibliche Intuition möglicherweise schon das Gefühl hinein, im Speziellen bei Verhandlungen und Entscheidungen. Also wäre es wünschenswert. Wobei es bei uns im Vorstand schon jetzt so ist, dass wir sehr ausgewogen sind in den Funktionen. Unsere Schriftführerin Martina Kruder-Kornek ist eine ganz Sensationelle, die großartig Konzepte visuell aufbereiten kann. Johanna Weissenböck (Kassier-Stellvertreterin, Anm.) ist auch super, sie ist die Zuständige für die Action, etwa die Organisation sämtlicher Veranstaltungen. Wir haben unsere Teilbereiche benannt und neu organisiert. Dafür gibt es fünf Zuständige – drei Damen und zwei Männer.

Wie sehen diese Teilbereiche aus? Worauf wollen Sie und der Verein Wert legen?
Swoboda: Das Wichtigste ist uns der Nachwuchs, unsere Future-Gruppe. In diesem Bereich wollen wir versuchen, eventuell einen Spielertrainer zu installieren (einen Kampfmannschaftsspieler, der sich parallel dazu intensiv um den Nachwuchs kümmert, Anm. d. Red.). Ziel ist, den Nachwuchs von der Pike auf so aufzubauen, dass es uns gelingt, aus den eigenen Reihen, also aus dem Weinviertel und Niederösterreich, Herren für eine zweite Mannschaft zu haben. Das Leistungszentrum BORG Basketball, das mit unserem Martin Weissenböck als Trainer bestückt ist, ist hier ein weiterer Meilenstein. Es gab schon lange das Bemühen, so ein Projekt zu installieren. Dank toller Zusammenarbeit mit – wieder einer Frau – Direktorin Isabella Zins ist es jetzt gelungen. Das ist eine weitere Bestärkung des Ballsports in Mistelbach.

Wie lauten die weiteren Eckpfeiler?
Swoboda: Dann haben wir natürlich unser Zugpferd, die Bundesliga-Mannschaft. Das wollen wir nutzen. Eine Damenmannschaft aufzubauen, ist ein weiteres Ziel. Und sonst haben wir uns vorgenommen, den Verein unbedingt noch populärer und bekannter zu machen, weil man immer wieder entdecken darf, dass Leute in Mistelbach beziehungsweise im Weinviertel gar nicht wissen, dass wir so eine tolle Mannschaft haben. Wir wollen durch gezielte Promotion und regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit Familien, Unternehmen und Nachwuchssportler auf unser tolles sportliches Angebot aufmerksam machen und sie dafür begeistern. Und es braucht natürlich auch Kontakte mit ausgewählten Unternehmen, woraus sich Partnerschaften und Kooperationen ergeben können.

Die Mustangs haben sich im Dezember für den vorzeitigen Ausstieg aus der Saison in der 2. Bundesliga entschieden. Ist es im Rückblick immer noch die richtige Entscheidung?
Swoboda: Es ist die beste Entscheidung, die wir überhaupt treffen konnten. Weil es um die Gesundheit gegangen ist, von Spielern, Trainern und Betreuern. Dass wir diese Spieler schützen. Wir sind der Meinung, dass Spitzensport in dem Fall gar nicht zutreffend gewesen wäre, und ein viel zu hoher Risikofaktor. Die ganze Testerei, und auch den wirtschaftlichen Aspekt darf man nicht vergessen.

Normalerweise würde die Saison erst jetzt in etwa zu Ende gehen, sportlich war also alles anders. Ist auch die Arbeit im Hintergrund stark verändert? Was beschäftigt Sie und den Verein momentan?
Swoboda: Am aktuellsten ist die budgetäre Arbeit für die nächsten zwei Saisonen. Da sind wir auf der Suche nach Kooperationen, Partnern und Sponsoren. Da sind wir massiv dahinter, weil da nämlich ganz viel Arbeit dahinter steckt. Dann versuchen wir natürlich auch, unsere aktuellen und tollen Sponsoren, die uns glücklicherweise schon bis jetzt begleitet haben, zu aktivieren und am Ball zu halten. Da muss man ja auch immer mit Fingerspitzengefühl vorgehen und ausloten, ob Sponsoring überhaupt weiter möglich ist. Für all das bedarf es wöchentlicher Besprechungen und das Arbeiten an Konzepten. Es gibt eigene Zuständige mit eigenen E-Mail-Adressen.

Sie sprechen die wirtschaftlichen Folgen der Krise an, die quer durchs Land die Menschen beschäftigten. Wie sind die Mustangs bis dato finanziell gesehen durch die Krise gekommen?
Swoboda: Der Verein ist wirtschaftlich konsolidiert und gut aufgestellt. Man kann sagen, unterm Strich geht es uns gut.

Ist es möglich, relativ normal eine Mannschaft für die kommende Saison zu planen?
Swoboda: Selbstverständlich ist das unser Ziel. Es wird am ursprünglichen Konzept festgehalten, das heißt, wieder eine sehr gute Mannschaft in der Zweiten Liga aufzustellen und auch wieder das Viertelfinale zu erreichen.

Die Kinder durften zuletzt eine Zeit lang trainieren, im Freien und mit Abstand. Mit der gesetzlich verordneten „Osterruhe“ ist das nun fürs Erste wieder verboten. Wie beobachten Sie die Situation?
Swoboda: Ja, wir haben in der Gartengasse am Hartplatz und im Bundesschulzentrum trainiert. Da haben wir am Dienstag und Donnerstag ein Fenster zwischen 16 und 20 Uhr. Unsere Jüngsten, die Zwergerl- und Ballspielgruppe, haben wir rausgenommen, da ist es momentan nicht passend. Trainiert wurde von der U14 bis zur U19, bei Letzterer sind noch alle unter 18. Die, die das machen durften, freut es natürlich sehr. Und manche Eltern haben auch gesagt, na bin ich froh (lacht). Wie es nach der „Osterruhe“ weitergeht, wird sich weisen. Wir werden situationsbedingt handeln.

Hätte man Ihnen vor einem Jahr gesagt, dass diese Krise immer noch andauern würde – hätten Sie sich zur Obfrau wählen lassen?
Swoboda: Selbstverständlich! Ich liebe Herausforderungen.