Marlies Männersdorfer: Eine Weinviertlerin schreibt Geschichte

Als erste Österreicherin qualifizierte sich die Obersdorferin Marlies Männersdorfer für ein WM-Finale im Kunstturnen.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 04:04

Ihr Grinsen wollte gar nicht mehr aus dem Gesicht verschwinden – kein Wunder, schrieb doch Kunstturn-Ass Marlies Männersdorfer am vergangenen Donnerstagabend im japanischen Kitakyushu ein Stück österreichische Sportgeschichte. Als erste rot-weiß-rote Kunstturnerin löste sie das Ticket für ein Finale bei einer Kunstturn-Weltmeisterschaft.

Diese historische erste Finalteilnahme begann hervorragend: Männersdorfer, als 24. und Letzte für die Entscheidung qualifiziert, absolvierte ihre Küren am Boden, Sprung und Stufenbarren ausgezeichnet. Zwischenzeitlich lag die 24-jährige Wahl-Vorarlbergerin sogar an der 17. Stelle. Zum Abschluss am Schwebebalken passierte ihr dann allerdings bei der Pirouette der selbe Fehler samt Sturz wie in der Qualifikation. Das bedeutete schließlich den 22. Endrang.

Große Lust auf mehr

„Ich konnte das Finale sehr genießen“, betonte die gebürtige Weinviertlerin nach dem Wettkampf: „Es war einfach unglaublich, mit den Top Turnerinnen der Welt gemeinsam auf der Bühne zu stehen und dazuzugehören. Dass ich mich verbessern konnte, freut mich umso mehr. Es war einfach unbeschreiblich und es hat mir große Lust auf mehr gemacht. Ich danke allen, die mich auf diesem Weg unterstützen, ich hätte es ohne sie nicht so weit geschafft.“

Auch Wolfgang Lehner, ihr ehemaliger Obmann beim SV Gymnastics Gänserndorf, wo sie ihre Karriere begann, und heutiger NÖFT-Präsident war mehr als nur begeistert: „Unglaublich, das sollte für die nächste Generation unserer Talente Motivation genug sein. Auch in Gänserndorf. Einen kleinen Anteil haben wir auch dazu beigetragen, das macht mich unheimlich stolz.“

Für Österreichs neuen Nationaltrainer, den US-Amerikaner Daymon Jones, war es ein voller Erfolg: „Es ist etwas ganz Besonderes, dass sich Marlies nicht nur als erste Österreicherin für ein WM-Finale qualifiziert hat, sondern in diesem sogar zwei Plätze nach oben klettern konnte. Das war das Tüpfelchen auf dem i.“

Das beste Ergebnis seit über 70 Jahren

Aber zurück zum Wettkampf: Den Weltmeisterinnen-Titel gewann Russlands Olympiasiegerin Angelina Melnikova mit 56.632 Punkten vor den beiden US-Amerikanerinnen Leanne Wong (56.340) und Kayla di Cello (54.566).

Männersdorfer scorte im Finale 48.595 Punkte, knapp weniger als in der Qualifikation (48.798). Nichtsdestotrotz gelang der Staatsmeisterin die bessere Platzierung, da ihre direkte Konkurrenz in der Entscheidung ebenfalls patzte. Ihr 22. Platz ist das zweitbeste österreichische Turnerinnen-WM-Mehrkampfergebnis nach der Bronze medaille von Gertrude Kolar 1951, vor 71 Jahren (damals noch ohne separates Finale ausgetragen).