Von Mödling bis Alaska: Porträt von Mathias Weinberger. Fünf Jahre lebt der ehemalige Mödling Rangers-Coach Mathias Weinberger mittlerweile in Alaska. Der Footballsport hat ihn allerdings nicht verloren – ganz im Gegenteil.

Von Max Kolodej. Erstellt am 03. Februar 2021 (01:11)
Seit 2018 ist Mathias Weinberger Head-Coach der Redington Huskies.
MatSuSports.net

2015 stellte der damalige Headcoach der Mödling Rangers sein Leben auf den Kopf. Kurz vor den Play-offs der heimischen AFL entschied sich der gebürtige Wiener dafür, sein Glück in Alaska zu suchen. Die Liebe zum größten und am dünnsten besiedeltsten US-Bundesstaat hat allerdings schon früher begonnen, wie Weinberger erzählt: „Schon seit 2011 sind meine Frau und ich immer wieder drüben gewesen, um meine Schwägerin zu besuchen. So lange wollte ich aber auch nicht ohne Football aushalten und hab deswegen einigen Coaches geschrieben, ob sie Unterstützung brauchen können.“

Unterstützung war erwünscht und aus diesen Kontakten ergaben sich Freundschaften, die bis heute halten sollten und Weinberger schlussendlich auch zu seinen Redington Huskies führten: „2015 wurden die Schule und das Football-Programm neu aufgezogen, ein Coach hat mich gefragt, ob ich nicht als Defensive Coordinator übernehmen möchte.“

Weinberger sagte zu und übernahm 2018 selber als Head Coach, seitdem leitet er das Footballteam mit Begeisterung: „Natürlich sind das Jugendliche, körperlich ist dadurch ein großer Unterschied gegeben, aber hier kannst du deine Schüler und das Umfeld allerdings täglich sehen und interagieren, das macht auch einen großen Teil des Reizes aus. Und natürlich sind die Voraussetzungen auch wesentlich besser“, schwärmt Weinberger von den Möglichkeiten, die die Mannschaft, aufgrund des hohen Stellenwertes des Sports in den USA, hat: „Kunstrasen, Kraftkammer, Videotechnik, ein eigenes Department für die Footballabteilung, uns fehlt es eigentlich an nichts.“

„Ein bisschen könnte man es sogar mit Mödling vergleichen.“ Mathias Weinberger über seine neue Heimat Alaska

Nicht nur aus sportlicher Sicht würde Weinberger den Schritt ins Ausland jederzeit wieder wagen: „Wir fühlen uns hier sehr wohl. Kontakt mit den Leuten in der Heimat hat man natürlich auch noch, vor allem Social Media ist da bei zehn Stunden Zeitunterschied sehr hilfreich.“
Eisfischen oder Bergwanderungen, das Leben und Umfeld haben sich drastisch geändert: „Es ist nicht vergleichbar. Natürlich sind Europa und die USA auch zwei unterschiedliche Gesellschaftsmodelle, aber darauf haben wir uns ja eingelassen. Außerdem ist hier alles noch wesentlich naturverbundener und weitläufiger bei allerdings sehr guter Infrastruktur. Aber leider gibt es keinen IKEA, den vermiss ich“, scheint Weinberger einzig mit den Möbelhäusern in der Ortschaft Wasilla nicht zufrieden zu sein.

„Werde nicht gegen Schaffer wetten“

Wasilla, rund 40 Meilen von Alaskas größter Stadt Anchorage entfernt, gibt Mathias Weinberger dann aber doch wieder ein Gefühl von Heimat: „Mit den 10.000 Einwohnern und den vielen Schulen ist es fast mit Mödling zu vergleichen. Oder ein bisschen so, als würdest du kleine Alpengemeinden zusammenlegen.“ Ein weiterer ehemaliger Ranger hat sich ebenfalls um die selbe Zeit herum aufgemacht, um den amerikanischen Traum Wirklichkeit werden zu lassen – Thomas Schaffer.

Der Defensive Liner und ehemalige Schützling von Weinberger hat nach fünf Jahren in Stanford bekannt gegeben, am diesjährigen Draft teilzunehmen. Ob der Traum von der NFL in Erfüllung gehen wird, steht allerdings noch in den Sternen. „Natürlich sind beim NFL-Draft die Besten der Besten vertreten. Aber Thomas hatte immer viele, die an seinen großen Zielen gezweifelt haben, ich muss gestehen auch darunter gewesen zu sein, aber er hat es mit seinem Einsatz und Willen so weit geschafft. Ob im Draft, Practice Squad oder sonst irgendwie, eines ist klar: Ich werde nicht gegen einen Thomas Schaffer wetten“, glaubt Weinberger an seinen ehemaligen Schützling.

Die, die es bereits in die NFL und noch viel weiter geschafft haben, treffen am Wochenende im Superbowl, dem Endspiel der National Fotball League, aufeinander, ein Event, das in den USA weniger Party ist, als man glauben möchte: „Das ist eher in Europa so. Hier ist das ein Familienevent, wo alle gemeinsam vor dem Fernseher sitzen. So werden wir das auch machen“, so Weinberger, der sich keinen Tipp für das Endspiel herauskitzeln lässt: „Wenn das Spiel bis zur Pause eng bleibt, hat Tampa Bay eine Chance. Da haben Schaffer und Tom Brady etwas gemeinsam. Gegen Tom Brady sollte man nie setzen, schon gar nicht in einem Endspiel.“