Erstellt am 10. Februar 2015, 11:05

von Wolfgang Wallner

Langmann ‚rollt‘ zu Gold. 17-jähriger Shootingstar holt sich in der Südstadt „Schliff“ für Paralympics.

Nicolas Langmann  |  NOEN, privat
Schon als Knirps mit knapp acht Jahren wollte Nico Langmann mit dabei sein, als Papa und Bruder den Schläger schwangen. Im normalen Rollstuhl hämmerte er die ersten Bälle über‘s Netz. Heute gehört der beim RTC Fontana gemeldete Bursche zu den besten Junioren der Welt. Im Mai steht die Matura an: „Wenn das geschafft ist, will ich mich voll auf Tennis konzentrieren“, sagt der 17-Jährige. Denn mittlerweile gibt‘s auch im Rollstuhltennis Profis, der Turnierkalender umfasst Grand Slams wie Wimbledon und Roland Garros. „Das klingt gut, dort will ich auch mal hin“, schmunzelt Langmann.

Als Baby hatte er einen Unfall, ist seither vom Bauchnabel abwärts gelähmt. „Ich kenn‘s nicht anders“, nimmt der Schüler das Handicap an. Und kämpft umso verbissener am Tenniscourt. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften in der Nähe von Toulouse holte Langmann in der Vorwoche Doppel-Gold mit Spaniens Martin de la Puente. Ein „Trostpflaster“ nach dem Halbfinal-Aus im Einzel. Nach einer souveränen Vorrunde „war ich mir in der Runde der letzten Vier selbst im Wege“, seufzt Langmann. „Eine ganz schwache Leistung.“ Aber der Shootingstar weiß: „Vor allem aus Niederlagen lernt man. Und zumindestens im Doppel hab‘ ich den ersehnten Titel geholt.“

Täglich trainiert Langmann in Wien beim TC LaVille. Als einziger „Rollifahrer“ hat er kein Problem. Kein Wunder bei seiner Erfolgsstory. Im Ranking der Herren hat sich der 17-Jährige bereits 45 Plätze nach vor katapultiert. Als Weltranglisten-52. darf er sich Chancen auf die Paralympics-Qualifikation ausrechnen. „Es schaut ganz gut aus“, schätzt Langmann, „um dabei zu sein, muss ich noch zwölf Plätze weiter nach vor kommen.“ Rio 2016 winkt!

Was danach kommt „ist noch ein weißer Fleck“, räumt der junge Tenniscrack ein. Ob er weiter um die Welt tourt oder studiert – „das weiß ich noch nicht. Momentan taugt‘s mir ungemein. Tennisspielen und Reisen: Was gibt‘s Besseres!“

Hintergrund

• Der 17-jährige Schüler Nicolas Langmann (im Bild) gehört zur Junioren-Weltelite im Rollstuhltennis. Bereits als achtjähriger Knirps schwang der Wiener, der für den RTC Fontana an den Start geht, den Schläger. Trainiert wird vorwiegend beim TC LaVille in Wien unter der Ägide von Ex-Daviscup-Spieler Werner Eschauer.
• Die Qualifikation für die Paralympics, also die Spiele für Sportler mit körperlichem Handicap, steht ab Mai an. Um dabei zu sein, muss Langmann unter die Top 40 im Ranking. Momentan rangiert er auf Position 52.
m Rollstuhltennis hat ähnliche Regeln wie „normales“ Tennis. Auch dieser Sport ist schneller geworden. Der beste Rollifahrer serviert mit 186 Stundenkilometern. Und obwohl der Ball theoretisch zweimal aufkommen darf, wird dieser „Bonus“ in der Weltspitze kaum mehr genutzt.