Ein „Höllenritt“ für die Geschichtsbücher. Christian Steinhammer holte mit Marathon-Team Bronze, schrieb mit mentaler Meisterleistung nicht nur Vereinsgeschichte.

Von Alexander Wastl. Erstellt am 15. August 2018 (02:55)
Sensations-Trio. Lemawork Ketema, Christian Steinhammer und Peter Herzog (v.l.) jubelten über den dritten Platz.
ÖLV/Jean-Pierre Durand

Aus österreichischer Sicht war es sicherlich die größte Überraschung bei der Leichtathletik-EM in Berlin, als das ÖLV-Team im Marathon-Teambewerb zu Bronze lief. Lemawork Ketema, Peter Herzog und ULC Riverside Mödling Athlet Christian Steinhammer schrieben damit österreichische Leichtathletik-Geschichte. Zum ersten Mal überhaupt wurden im Marathon-Teambewerb EM-Medaillen vergeben – und Österreich stand gleich am Podest.

Doch der Weg zu Bronze war ein beschwerlicher. Temperaturen um die 30 Grad Celsius: wahrlich keine guten Bedingungen für einen Langstreckenbewerb. Das bekam auch ÖLV-Athlet Valentin Pfeil – Trainingspartner von Steinhammer – zu spüren. Nach seinem Achillessehnenriss im Dezember kam das Rennen unter diesen Voraussetzungen zu früh – Pfeil musste w.o. geben. Damit war klar: Steinhammer musste durchkommen, damit das Ergebnis in die Wertung eingeht (die Leistungen von drei Athleten zählen). Vorne sorgten Ketema und Herzog für ganze Arbeit. Der 2015 eingebürgerte gebürtige Äthiopier Ketema war bis Kilometer 27 in der absoluten Spitze dabei, auch Herzog legte zügig los.

Steinhammer holt erste EM-Medaille für ULC

Der große Druck lag nun also auf Steinhammer, der im April beim Vienna City Marathon unter ähnlichen Bedingungen einen schweren Rückschlag hinnehmen musste. Da war aufgrund von Krämpfen bei Kilometer 35 Schluss. „Höhepunkt und Tiefpunkt zugleich“, erinnert sich der 29-Jährige.

Eisspray, Netzkäppchen mit Kühlpads, Kälteverbände und Löcher im Trikot zur Kühlung: In der Hitze Berlins wurden unter den Athleten alle Geschütze aufgefahren. Ein wahrer „Höllenritt“, bei dem sich Steinhammer diesmal aber nicht den Erfolg nehmen ließ: In 2:20:40 Stunden überquerte der ULC-Athlet als 41. die Ziellinie. Zusammen mit Ketemas 8. Platz (2:13:22) und Herzogs Platz zehn (2:15:29) reichte es für Österreichs erste EM-Marathon-Medaille. Zugleich war es die erste EM-Medaille des ULC Riverside Mödling (und Vereinsrekord) in der Allgemeinen Klasse.

Kühlung als oberstes Gebot. Der Marathon in Berlin verlangte Christian Steinhammer und den restlichen Athleten alles ab.
ÖLV/Jean-Pierre Durand

Steinhammer konnte es kaum fassen: „Wir haben uns eine Top-Ten-Platzierung erhofft, Platz acht wäre super gewesen. Bronze für Österreich ist unvorstellbar. ‚Marathonnation Österreich‘, das hört sich komplett irre an. Saugeil!“.

ULC-Obmann Klaus Ondrich war stolz: „Unglaublich, was sich da in Berlin abgespielt hat. Als Laufbegeisterter freue ich mich unglaublich, dass gleich zwei Österreicher bei einer EM unter die Top-Ten gelaufen sind. Dass wir mit Christian einen unserer Athleten in diesem Team stellen konnten, macht uns besonders stolz.“