Mödling und die „Marie“. Der SC Mödling ist auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. Trotz trister finanzieller Lage denkt der Verantwortliche des Ligaletzten nicht an eine Lizenzrückgabe.

Von Jakob Kahl. Erstellt am 19. Mai 2015 (10:04)
NOEN, Patrick Bauer

„Wir bekommen 1.000 Euro im Jahr und das Stadion zur Verfügung gestellt, aber das reicht nicht einmal um die Schiedsrichter zu finanzieren“, skizziert Michael Kanyka, der SC Mödling Obmann und Trainer in Personalunion, die aktuelle Situation.

Die Kosten der Referees belaufen sich in einer Saison nur für die Kampfmannschaft auf 2.300 Euro. Deshalb müssen bei den Nachwuchs- und Reservespielen vereinsinterne Personen zur Pfeife greifen, um dem Sportclub Geld zu sparen. Der ehemalige Gemeinderat Kanyka sollte doch seine guten Beziehungen zur Politik nutzen können, um dem SCM das Taschengeld aufzubessern? „Die Politik will, dass wir uns über Sponsoren finanzieren. Nur wenn du in der letzten Klasse ganz unten herumkrabbelst, dann wirst du dir niemanden finden“, resümiert Kanyka.

„Mit der schwierigen Sponsorensuche ist Michael Kanyka bestimmt nicht alleine.“ Hans Stefan Hintner, Bürgermeister Mödling.

Mödlings Bürgermeister, Hans Stefan Hintner, glaubt eine größere Summe in den Verein zu stecken: „Die Subventionen sind als Unterstützung gedacht. Sie können die Gesamtkosten nicht abdecken. Wir haben über fünfzig Vereine, die wir fördern.“ Die Großsponsoren, die Gönner und Freunde des Vereins, können und wollen auch nicht mehr als 400 Euro zahlen.

Einen Geldgeber, wie früher Herold, gibt es in der Bezirkshauptstadt nicht mehr. Damals hieß Mödling noch VfB und nicht SC, der nach der Fusion mit Admira Wacker 1997 entstand. Kanyka findet die monetäre Unterstützung peinlich: „Sogar in den kleinsten Dörfern wird mehr Geld in die Fußballklubs investiert.“

„Wir könnten ein weibliches Fußballteamaufstellen. Dann kommen bestimmt 8.000 Leute ins Stadion.“ Michael Kanyka, Trainer und Obmann des SC Mödling.

In der 20.600 Einwohner zählenden Stadt offenbar nicht: „Wir sind eine Europastadt und haben einen Fußballverein, der komplett pleite ist. Das ist einer Stadt, wie Mödling, nicht würdig.“ Sogar Vereine aus der Beletage des österreichischen Kicks kommen aus kleineren Städten: Altach, Ried und Grödig. Ein Ausstieg kommt für den Clubobmann nicht infrage: „Wir setzen 50 Kinder nicht auf die Straße.“ Auch beim Mitgliedsbeitrag von 70 Euro will er nicht den Hebel ansetzen: „Wir haben alleinerziehende Mütter, die ihre zwei Kinder zu uns ins Training schicken, da kann und will ich mit den Beiträgen nicht raufgehen.“

Die einzige zukunftsweisende Idee, die dem Obmann augenzwinkernd einfällt, ist eine Frauenfußballmannschaft. Was Michael Kanyka bei aller Kritik vergisst, Mödling hat mit der Admira einen Bundesligisten. Der wird der Südstadt zugerechnet, die wiederum zur Gemeinde Maria Enzersdorf gehört. Mit Geld überschüttet wird die Admira auch nicht, 36.000 Euro per annum sollen es sein.