Ehemaliger Schüler berichtet über Misshandlungen. Ein ehemaliger Internats-Schüler berichtet über Misshandlungen. ÖLSZ-Leiter Wolfgang Moser zeigt sich „betroffen“, Gunnar Prokop zu Vorwürfen: „Unmöglich“.

Von Alexander Wastl. Erstellt am 20. Dezember 2017 (02:05)
Baldauf, ÖLSZ, ÖHB/Pucher, privat
Ex-Südstadt Leiter Gunnar Prokop, ÖLSZ-Leiter Wolfgang Moser, Katrin Engel und Benny Wendt (v.l.).  

Am Montag trat der Leiter des ÖLSZ (Österreichisches Leistungssport Zentrum) Südstadt, Wolfgang Moser, seinen wohl bisher schwersten Gang in die Schule seit seiner 2007 währenden Amtszeit an.

Der Grund: Ein ehemaliger Schüler erhob gegenüber der Tageszeitung „Die Presse“ anonym Missbrauchsvorwürfe, die sich während seiner Zeit im Südstadt-Internat um die Jahrtausendwende ereignet haben sollen. Gürtelschläge der älteren Schüler für die Neuankömmlinge als Willkommensritual, bei dem Erzieherinnen und Erzieher weggesehen beziehungsweise nicht ausreichend durchgegriffen haben sollen, so die Anschuldigung.

„Ich habe nicht gut geschlafen“, zeigte sich Moser betroffen. „Ich bedauere, sollte etwas vorgefallen sein, hoffe aber gleichzeitig, dass sich der konkrete Anschuldigungsfall nicht erhärtet.“ Auch wenn sich die Vorfälle vor seiner Zeit als ÖLSZ-Leiter ereigneten, sei man „bemüht, das aufzuarbeiten“. Das soll in den kommenden Tagen und Wochen mit den Sportlern und dem entsprechenden Team passieren. Was seine Arbeit anbelangt, habe Moser „ein gutes Gewissen“. Bis auf Einzelfälle, wie etwa Mobbing unter den Schülern, sei nichts vorgefallen. Und diese Vorfälle wurden dementsprechend sanktioniert.

"Kann Vorwürfe nicht glauben"

„Leistungszentrum Südstadt“-Initiator Gunnar Prokop, bis 2007 Leiter des ÖLSZ, kann die Vorwürfe nicht glauben: „Ich halte es für absolut unmöglich.“ Einen Vorfall mit zwei Judokas habe es gegeben. „Das war eine Art Ritual, die wurden am nächsten Tag rausgeworfen.“

Von einer Tradition könne aber keine Rede sein. „Wir waren damals so ein eingeschweißtes Team. Jeden Tag um 16 Uhr gab es eine Besprechung, ich habe alles erfahren. Auch, wenn jemand ein Pornoheft im Besitz hatte“, so der 77-Jährige.

Weggesehen habe man nie, wie Prokop verdeutlicht: „Ich habe einen Freund von meinem Buben rausgeworfen, weil wir ihn zweimal beim Rauchen erwischt haben.“ Ehemalige Südstadt-Absolventen geben Prokop Rückendeckung.

Benny Wendt, Fechteuropameister 1992 und Internat-Schüler von 1975 bis 1979: „Es war sehr familiär und liebevoll, von meiner Seite kann ich nichts Negatives sagen. Wir wurden auch tagtäglich betreut, da wäre etwas rausgekommen. Aber ich kann natürlich nie meine Hand ins Feuer legen, dass es so etwas bei einzelnen anderen Gruppen auch nicht gab.“

Katrin Engel, mehrfache Handballmeisterin mit Hypo NÖ und Torschützenkönigin bei der WM 2009, besuchte zur Zeit der angeblichen Vorfälle das Internat (bis 2003): „Ich höre das zum ersten Mal. Im Handballbereich war das definitiv nicht so. Vielleicht bei den Jungs.“