Ein Urgestein mit PS. Beruflich ist Unternehmer Manfred Strebel mit 68 Jahren längst in Pension. Auf den Trabrennbahnen des Landes fuhr der Maria Enzersdorfer Amateur den Profis aber 2020 noch um die Ohren.

Von Clemens Kuzminski. Erstellt am 02. Dezember 2020 (01:11)
Dragon Darche ist aktuell der Top-Traber im Hause Strebel, brachte Fahrer Manfred Strebel und Enkel Manuel auch dieses Jahr Schleifen ein.
Sonja Rasche/shutterstock.com

Fast versteckt im Gewerbegebiet von Maria Enzersdorf, hart an der Grenze zu Mödling, mit Blick auf die Backsteinkirche von St. Gabriel, verbergen sich neben Betriebs-und Lagerhallen Traberkoppeln, eine Führmaschine und der Stall des Gestüts Nottingham: Das ist das Refugium des 68-jährigen Traberbesitzers und Amateurfahrers Manfred Strebel, den man für viel jünger schätzen würde.

Strebel, ein „Ur-Maria Enzersdorfer“, kam schon als Kind im Weinviertel mit Pferden in Berührung und sie ließen ihn zeitlebens nicht mehr aus: Durch den früheren Amateurchampion Ludwig Fischer aus Brunn kam er zu den Trabern, wurde Besitzer und machte die Amateurfahrerprüfung. Schon bei seinem ersten Start mit seinem ersten Pferd Blanche Intact wurde er Zweiter und nunmehr ist er seit mehr als 40 Jahren im Sulky aktiv.

Dragon Darche ist aktuell der Top-Traber im Hause Strebel, brachte Fahrer Manfred Strebel und Enkel Manuel dieses Jahr Schleifen ein.
NOEN

Vor vielen Jahren hospitierte er einmal bei dem deutschen Rekordchampion Heinz Wewering, sonst ist er ein Traberautodidakt, der seine Pferde immer selbst vorbereitet. Seine aktuelle Bahn zum Langsamfahren hat er zwischen den Weinstöcken in Brunn am Gebirge, in Sichtweite von der Südbahn, selbst gebaut, zum schnellen Training fährt er zweimal in der Woche in die Wiener Krieau. Er selbst bezeichnet sich als konsequenten, fleißigen Trainierer, der bei jedem Wetter seine Pferde bewegt. Er mag keine Peitsche, aber er ist hart zu sich selbst. Mit enormem Fleiß hat er aus dem Nichts ein profitables Transportunternehmen aufgebaut, das er zwischenzeitig seinem Sohn Michael übergeben hat (der früher auch als Amateurfahrer aktiv war). Wenn er auch nicht mehr die rund 500PS-starken Schwer-LKW fährt, so ist ihm die Liebe zu PS-starken fahrbaren Untersätzen geblieben.

Besonderer Derbysieg mit Nottingham 1994

Lange ist die Liste seiner erfolgreichen Zuchtrenncracks und „Internationalen“: Boeing in den 80er Jahren, der Derbysieger Nottingham 1994 (als erster Amateur nach 1945), Europgill Traber des Jahres 2003, Montserrat Jet, Rekordsieger im Bürger-Memorial in 1.15,7, Ganador, der 2013 Zweijährig in Straubing gegen die europäische Konkurrenz siegte und der aktuelle Crack Dragon Darche, der bei 50 Starts 29 Rennen gewonnen hat, meist gegen die besten Pferde Österreichs, um nur einige wenige Highlights zu nennen und immer mit Manfred Strebel als Amateur im Sulky. Die übliche Strebel-Taktik ist ein eher ruhiger Start, aber möglichst bald ein Angriff an die Spitze, denn er möchte keinesfalls innen „eingesperrt“ werden.

Auch in einem Alter, wo sich andere schon längst zur Ruhe gesetzt haben, fährt er den jüngeren Profis oft „um die Ohren“ und will das auch noch einige Jahre weiter tun. Mit seinem Enkel Manuel, einem WU-Studenten, der schon bei den Mini-Trabern aktiv war und dieses Jahr die Amateurfahrerprüfung abgelegt hat, hat er eine wichtige Unterstützung im Rennstall. Neben seinem Star Dragon Darche, El Moko und Hacker the Best, die alle aus Frankreich stammen, hat er auch einige Jungtraber aus Österreich im Stall: Belvedere, Gold Eagle und Jeux Mystique. Mit der eigenen, erfolgreichen Zucht hat er aufgehört, aber an ein Aufhören im Sulky denkt er noch lange nicht, denn seine Traber sind irgendwie Familienmitglieder.