Lachendes & weinendes Auge für Hirscher-Trainingspartner Rudolf

Erstellt am 29. Juni 2022 | 02:37
Lesezeit: 5 Min
Der Altlengbacher Dieter Rudolf schafft mit Platz elf sein bestes Erzberg-Resultat ohne die Finisherflagge zu sehen.
Werbung

Dieter Rudolf hat alles, was es braucht, um beim härtesten Ein-Tages-Rennen des Enduro-Kalenders ins Ziel zu kommen. Das hat der 33-jährige Altlengbacher schon mehrfach bewiesen. „Für das Erzberg-Rodeo braucht man erstklassiges technisches Können, jede Menge Mut und Kondition auf Top-Niveau“, sagte er richtig voraus.

Doch die Kondition sollte sich heuer als schwächstes Glied in der Kette erweisen, weshalb Rudolf angesichts des starken elften Platzes nicht in Jubel ausbricht: „Das ist zwar mein bisher bestes Ergebnis am Erzberg, aber ich wäre viel lieber bis ins Ziel gekommen und hätte noch eine der Zielflaggen mitgenommen, die man nur als Finisher bekommt.“

Fünfmal hat er bereits am Erzberg die Zielflagge gesehen, was ihm im Amateurbereich einen Legendenstatus einbringt. „Aber es wird immer schwieriger, dies zu schaffen“, weist Rudolf auf die Ziele der Organisatoren des Erzbergrodeos hin. „Die wollen mit Exklusivität glänzen und möglichst keine Amateure im Ziel sehen, um die Einzigartigkeit zu unterstreichen.“

Dazu änderten sie auch die Bedingungen, „No help“ lautete das Motto heuer. Bisher konnten Helfer an der Strecke die Maschine hochziehen, was nicht mehr erlaubt ist.

„Es war ein harter Erzberg, doch ich bin überzeugt, dass ich unter normalen Umständen bis ins Ziel gefahren wäre.“ Dieter Rudolf Hardenduro-Pilot aus Altlengbach

Trotzdem wurde Rudolf zweitbester Österreicher hinter Michael Walkner (6.). Noch stolzer ist er, dass er bester Amateur unter den Profis wurde. Gewonnen hat der Deutsche Favorit Manuel Lettenbichler. „Vor mir liegen nur Profis, die täglich trainieren können, während ich meiner Arbeit in der Firma Wurmb nachgehe.“

Beim Prolog, in dem die Startaufstellung für das eigentliche Rennen am Sonntag ermittelt wird, hat Rudolf Rang 16 unter 1500 Startern geholt. Nur 500 dürfen dann den Kampf mit dem Berg aufnehmen. Aber als die vierstündige reguläre Rennzeit am Sonntag zu Ende war, hatte „der Mann mit dem Hammer“ bei Rudolf zugeschlagen und ihn konditionell angezählt. Er blieb auf der kraftraubenden Geröllhalden-Passage „Carl’s Diner“ hängen.

Verletzung vor dem Rennen kostete zu viel Substanz

Rudolf sucht keine Ausreden, findet aber auf der Suche nach den Ursachen, warum er diesmal den Berg nicht weiter hinauf gekommen ist, einen plausiblen Grund: „Beim Enduro Panorama Anfang Mai in Rumänien hatte mich ein heftiger Sturz ins Spital befördert“, schildert er. Die Verletzungen seien nicht schwer gewesen, aber schmerzhaft. Wegen des Trainingsrückstands ließ er das zur WM zählende „Xross Hard Enduro“ in Serbien aus, fühlte sich zuletzt aber fit genug, um am Erzberg zu starten.

Das Wochenende begann vielversprechend. Schon im ersten Prolog-Lauf am Freitag überraschte Rudolf mit dem 16. Quali-Platz. So schnell war er noch nie: „Beim Prolog wollte ich es nur in die Top 50 schaffen, um aus der ersten Reihe zu starten, aber Platz 16 war für mich selbst eine Sensation.“

Das eigentliche „Red Bull Erzberg-Rodeo“ am Sonntag begann für alle Spitzenpiloten dann mit einer „extralangen Schrecksekunde“ (O-Ton Rudolf). Die Streckenmarkierung war lückenhaft, der Streckenverlauf unklar. „Es war gefährlich“, schildert Rudolf. „Niemand hat sich ausgekannt, wir sind dann eigentlich gegen die Richtung gefahren. Man hat gar nichts gesehen, man muss aber trotzdem voll riskieren, wenn man vorn mitfahren will.“

Nach der Hektik zu Beginn konnte Rudolf aber Platz um Platz gutmachen, fuhr bis Checkpoint 18 ohne Probleme. „Aber bei ‚Carl‘s Dinner‘ habe ich gleich gemerkt, dass ich das nach der Verletzungspause nicht packe. Dieser Abschnitt hat mich komplett fertig gemacht. Die Hitze hat ihr Übriges getan. Und wenn die Kräfte am Ende sind, dann macht man Fehler und stürzt.“

Zweimal ist ihm auch die Kette rausgesprungen, was viel Zeit gekostet hat. „Es war ein harter Erzberg, doch ich bin überzeugt, dass ich unter normalen Umständen bis ins Ziel gefahren wäre. Platz 11 ist super, die Zielankunft nehme ich mir aber für nächstes Jahr fix wieder vor.“

Zuvor mit Marcel Hirscher fürs Rennen trainiert

Medial bekam dieses härteste Rennen der Welt noch eine zusätzliche Attraktion. Denn Skiausnahmekönner Marcel Hirscher stellte sich der Herausforderung. Und es war Rudolf, der mit Hirscher am Erzberg trainierte. Ein Geheimnis, dass der Altlengbacher nun lüftete.

Er zeigt sich von den gemeinsamen Trainingsfahrten beeindruckt. „Dass so ein Ausnahmesportler auf meinen Rat hört, ist schon ein besonderes Highlight meiner Karriere“, sagt er stolz. Und er hat dabei offenbar ganze Arbeit geleistet, denn Hirscher schaffte es bei seinem ersten Erzberg-Auftritt immerhin auch bis zu „Carl‘s Dinner“ und belegte Rang 110.

„Ich ziehe den Hut vor dieser grandiosen Leistung von Marcel“, meinte Rudolf. Er selbst will bereits Anfang Juli beim „Red Bull Abestone“ in Italien wieder am Start stehen Auch dieses Rennen zählt zur „FIM Hard Enduro World Championship“. Und natürlich startet Rudolf bei den Red Bull Romanics. „Mein Saisonhighlight“, sagt er.