„Ich hasse Laienarbeit bei wichtigen Dingen“. Der Innermanzinger Tenniscoach Günther Bresnik über Dominic Thiem, die US Open, den Daviscup und die ÖTV-Jugendarbeit.

Von Ernst Klement. Erstellt am 08. September 2014 (10:56)
Günther Bresnik nimmt sich wie gewohnt in Sachen ÖTV kein Blatt vor den Mund.
NOEN, CS
NÖN: Am Dienstag haben Sie noch Thiem in New York betreut, am Samstag ihre jüngste Tochter Antonia (9 Jahre) bei den Highlandgames in Innermanzing. Was macht mehr Spaß?
Günther Bresnik: Meine drei älteren Töchter sind als fanatische Thiem-Fans oft auf der Tour dabei, nur Nesthäckchen Antonia kommt zu kurz, daher gehört Ihr dieser Samstag und es macht riesigen Spaß! Mir imponiert, was für ein tolles Event der FC Innermanzing um Obmann Steinmair da organisiert!

Und wie imponiert haben Sie Ihre Tennisschützlinge Thiem und Gulbis bei der US-Tour?
Bresnik: Gulbis erreichte dreimal nur die zweite Runde — das ist zu wenig. Thiem hatte mit dem Achtelfinale bei den US Open sein Karrierehighlight bislang, doch konnte er nie sein Vermögen voll abrufen.

Trotzdem hält selbst Legende John McEnroe viel von Thiem …
Bresnik: Dominic war vor einem Jahr bei den US Open Nummer 256 der Weltrangliste und steht nun als einziger Ungesetzter im Achtelfinale. Solche Geschichten lieben die Amerikaner. Meine Trainerkollegen begrüßen mich schon mit „Coach of the Year“, da ich heuer Gulbis von 40 auf 10 und Thiem von 250 auf 40 in der Weltrangliste geführt habe. Was mir noch fehlt, ist aber ein Grand-Slam-Titel.

Bevor er zu Ihnen kam, hat Gulbis als untrainierbar gegolten. Verneigen sich deshalb alle vor Ihnen?
Bresnik: Man kann sich auf der Welt für Geld alles kaufen, nur nicht Respekt. Den muss man sich hart erarbeiten. Gulbis hat nur vor zwei Menschen Respekt — vor seinem Vater und mir. Das erklärt, warum unsere Zusammenarbeit funktioniert.

Der ÖTV lässt oft den Respekt Ihnen gegenüber vermissen. Lassen Sie als Retourkutsche nun Gulbis gegen den ÖTV spielen?
Bresnik: Am Montag wird Gulbis wieder in Wien trainieren, denn wir bereiten uns auf die Asientour vor. Er wird definitiv nicht in Riga Daviscup spielen!

Die Daviscupabsage von Thiem ist aber nicht gut angekommen. Können Sie die Kritik nachvollziehen?
Bresnik: Ich wusste, dass Gulbis nicht spielt, der beste Lette nach ihm ist jenseits der 700 in der Weltrangliste. Diese Daviscuppartie ist nicht zu verlieren und Thiem braucht eine Pause. Kommentare von Leuten, die nicht wissen, warum man absagt, sind entbehrlich.

Ist nicht auch der Streit zwischen Thiem und dem Verband bezüglich Fördergelder entbehrlich?
Bresnik: Tennis in Österreich lebt von Ausnahmeathleten wie Muster, Melzer und Thiem. Aber der Verband hat nichts Besseres zu tun, als Thiem anzuschwärzen — das ist unglaublich!

Sehen Sie es als Retourkutsche, da Sie ja auch sehr oft den Verband wegen dessen Unprofessionalität kritisieren?
Bresnik: Ich hasse Laienarbeit bei wichtigen Dingen. Am Unterbau mangelt es gewaltig. Und seit Ewigkeit werden die falschen Spieler gefördert. Es gibt keine Ideen, keine Visionen, kein Konzept in der Jugendarbeit. Der Verband hat nie Tennisspieler hervorgebracht — Muster, Koubek, Melzer und auch Thiem gingen alle auf Privatinitiative hervor. Da fragt man sich doch, was falsch läuft!

Wie sehen Sie Thiems Zukunft?
Bresnik: Ich hoffe, dass seine Karriere weitergeht, wie bisher, doch drohen schlechte Auslosungen, Formschwankungen, etc. Hinunter in der Weltrangliste geht es leichter, als hinauf! Nach einer Erholungspause geht es für Thiem nach Tokio und Shanghai. Nächster Höhepunkt ist das Stadthallenturnier ab 12. Oktober in Wien.