Bronze für den Sister-Act. Bei den Titelkämpfen in Chile lassen sich die Celo-Schwestern aus Neulengbach auch von Straßenschlachten nicht beirren. Beide werden in ihren Klassen Dritte.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 29. Oktober 2019 (01:00)
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Funda Celo (l.) freute sich über U-18-Bronze und für Isra gab‘s ebenfalls Rang drei in der U 16.

Die Jugend-Weltmeisterschaften in Santiago de Chile waren von den schweren politischen Unruhen mit Massenprotesten und auch handfesten Auseinandersetzungen der Polizei mit Demonstarnten überschattet.

Die Celo-Sisters aus Neulengbach ließen sich davon allerdings nicht beeindrucken. Sowohl die 16-jährige Isra wie auch ihre 18-jährige Schwester Funda holten in ihren Klassen jeweils nach vier Rundensiegen die Bronzemedaille. Betreut wurden sie dabei von Bundestrainerin Marianne Kellner, für welche die Bronzenen allerdings wie Gold glänzen: „Beide erzielten im kleinen Finale um Bronze deutlich mehr Punkte als die Siegerinnen im großen Finale“, betont sie, dass die Bestwertung des Tages jeweils die Neulengabcherinnen bekommen haben.

Die Weltranglisten-Dritte Funda Celo fegte im Bronzekampf mit der Kata Papuren ihre belgische Kontrahentin Younmi Novo um fast zwei Punkte von der Matte, gewann letztlich mit 25,46:23,48. Für die amtierende österreichische Staatsmeisterin in der allgemeinen Klasse ist es nach U-16-Silber bei den letzten Titelkämpfen 2017 bereits die zweite WM-Medaille. „Ich habe mein Ziel, wieder eine Medaille zu erringen, erreicht und das strebe ich auch 2021 an“, bedankte sie sich bei Eltern, Trainern sowie der ganzen Schule (SLZ) in St. Pölten.

Beste Tageswertung für Isra, aber „nur“ Bronze

Isra Celo bezwang im kleinen Finale, ebenfalls mit der Kata Papuren, Shahd Abdelrahim aus Ägypten mit 25,42:24,40 Punkten. Für Isra wäre alles andere als eine Medaille doch eine Enttäuschung gewesen. „Als ich im Frühjahr bei der Jugend-EM Bronze erreicht hatte, wurde mir klar, dass noch viel mehr drinnen ist. Für mich zählt eigentlich nur Gold“, meinte sie. Auch sie lobte das ausgezeichnet abgestimmte System aus Eltern, Trainern, Schule und Sportlern. „Bei uns ziehen alle an einem Strang!“

Beide Athletinnen werden erst am Montag (nach Redaktionsschluss) aus Chile heimkommen, obwohl ihre Kata-Bewerbe bereits in der Nacht auf Donnerstag stattgefunden haben. Wegen der Unruhen mussten die Bewerbe sogar unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten werden. „Aber wir fühlten uns sicher, haben von den Unruhen nicht viel mitbekommen, weil diese ausschließlich im Zentrum stattgefunden haben und bleiben daher wie geplant bis zur Abschlussveranstaltung“, betont Kellner. „Das ÖKB-Team hat klugerweise an der Peripherie gewohnt, weil sich auch das Stadion nicht in Zentrumsnähe befand. Die Veranstaltung war auch nie in Gefahr abgesagt zu werden!“

Ungemütlich war es nur für die Top-Funktionäre der WKF und für die Kampfrichter im Headquarter-Hotel, das im Zentrum lag. Da auch einige nationale Verbände wie Luxemburg und die Schweiz dort logierten, hat es auch für einige Sportler Stress gegeben. Auch um das Erlebnis einer Eröffnungsfeier sind die Athletinnen umgefallen, sie musste abgesagt werden. „Da nur Aktive und Betreuer bei den Wettkämpfen in der Halle waren, hat es eine recht komische Stimmung gegeben. Auch Supermärkte und Restaurants sind ganztags zu. Mein Frühstück vor dem Wettkampf war ein Cookie vom Vortag, weil Essen in der Stadt gerade generell Mangelware ist“, erzählt Funda Celo. „Und ab 17 Uhr dürfen wir unser gut bewachtes Hotel nicht mehr verlassen, weil es auf der Straße dann zu wild wird“, ergänzt Isra.

Der Wettkampfzirkus geht dann flott weiter: Anfang November geht’s zur Wado-EM nach Budapest, in der Woche drauf beginnt mit den Hungarian Open die Qualifikation für die Jugend-EM 2020. „Regenerationswochen und Zeit zum Feiern wird’s erst im Dezember geben“, erklärt Kellner streng.