Rückblick: Skandalwertung für Celo-Sisters bei EM

Die 47. Karate-Jugend-Europameisterschaften in Budapest endete nur mit den Plätzen 5 und 7 für die Neulengbacher Celo-Sisters.

Erstellt am 28. Dezember 2020 | 05:00
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Die erst 8-jährige Hilal ist die jüngste des Sister-Acts aus Neulengbach. Bei den E-Turnieren bezwang sie im U-10-Bewerb Gegnerininnen aus Indien, Russland oder Großbritannien reihenweise.
Foto: privat

Für die beiden SLZ/HASL-Athletinnen aus Neulengbach ging der wichtigste Bewerb des Jahres im Februar, also noch gerade rechtzeitig vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Szene. Und die Titelkämpfe in Budapest begannen für den Sister-Act auch programmgemäß: Isra (Kata U 16) gewann die erste Runde ihres Pools sehr deutlich und erreichte auch locker die Runde der besten Acht durch einen zweiten Platz in Vorrunde zwei.

Im Semifinale, das auf einer anderen Kampffläche mit anderen Kampfrichtern abgewickelt wurde, tauchte ihr Name dann für Bundestrainerin Marianne Kellner in der Ergebnisliste dann aber überraschenderweise nur als Nummer vier auf. „Damit war sie von den Medaillenkämpfen ausgeschlossen, konnte ihr Vorjahresbronze nicht verteidigen und wurde nur Siebente, obwohl ihre Performance top war“, staunte auch Erhard Kellner nicht schlecht.

Staatsmeisterin und Schwester Funda Celo (Kata U 21) dominierte dann beide Vorrunden mit deutlichen Punktevorsprüngen, erlebte aber dann auf zwei Raten Ähnliches wie ihre jüngere Schwester. Trotz tadelloser Top-Vorstellung wurde sie im Semifinale von den Kampfrichtern nur auf den dritten Platz gesetzt, hatte aber wenigstens das kleine Finale der Bronzeduelle erreicht. Dort wurde sie hinter eine italienische Konkurrentin aber auch nur auf Rang fünf gesehen.

Gleiche Leistung und Gegner, anderer Platz

Zwei Wochen zuvor hatte Funda bei einem Turnier in Slowenien gegen dieselben Konkurrentinnen mit ähnlichen Leistungen ganz klar gesiegt. „Sowohl die Bundestrainerin als auch viele ausländische Trainer haben mir bestätigt, dass ich meine bisher beste Leistung präsentiert habe. Das ist für meine sportliche Zukunft wichtiger als ein einmaliger Erfolg“, hakte Funda, die bei zwei Jugend-Weltmeisterschafen Silber (2017) und Bronze (2019) erreichen konnte, das enttäuschende Ergebnis sofort ab.

Erhard Kellner: „Wir erleben immer die gleichen Szenarien: Zu Beginn eines EM-Bewerbs scheinen unsere Athletinnen auf Siegkurs zu sein. Wenn es aber – nach Wechsel der Kampffläche mit anderen Kampfrichtern — um Medaillen geht, werden ungeachtet der Leistungen die Athleten immer derselben Nationen plötzlich hoch genug bewertet, um die Finali bestreiten zu können. Das ist höchst unbefriedigend!“

Tatsache ist, dass von den weiblichen Karateka aus dem St. Pöltner Leistungszentrum bei drei Jugendweltmeisterschaften der Jahre 2015, 2017 und 2019 zweimal Silber und viermal Bronze errungen wurden, in derselben Zeitspanne aber nur einmal Jugend-EM-Bronze (Isra Celo 2019).

Bei internationalen E-Turnieren fulminant

Not macht erfinderisch, die Corona-Krise schuf ein neues Wettkampf-Format mit Zukunft: Das E-Tournament. Die teilnehmenden Athleten hatten an den Wettkampftagen neu aufgenommene Kata-Videos einzusenden, die von internationalen Kampfrichtern gemäß WKF-Reglement bewertet wurden. Im K.o.-System ging es wie bei einem normalen Wettkampf vom Sechzehntel-Finale über Achtel-, Viertel und Semifinale bis zur finalen Begegnung. Bei der historisch erstmals international durchgeführten Turnier-Variante waren drei Celo-Sisters mit zweimal Gold und einmal Bronze erfolgreich. Da Kampfsport in Covid-19-Zeiten nicht ausgeübt werden kann, hat sich diese Wettkampfform längst etabliert und die Funda und Isra zählen zu den internationalen Stars.

Einen Rückblick auf weitere sportliche Höhepunkte des Jahres 2020 findet ihr in der NÖN-Printausgabe und im ePaper vom 30. Dezember 2020.