Wienerwald-Piloten schnuppern ins Profigeschäft . Mit Benni Baumgartner und Nico Wannenmacher sind zwei Wienerwald-Piloten beim neuen Austrian Junior-Cup am Start.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 07. April 2021 (00:56)
Mit Benjamin Baumgartner und Nico Wannenmacher haben sich heuer gleich zwei Fahrer aus dem Wienerwald für den neuen Austrian Junior-Cup qualifiziert. Roll-out-Day war in der Karwoche.
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In der Karwoche wurden am Red-Bull-Ring in Spielberg bei Prachtwetter erstmals die Motoren des Austrian Junior-Cup gestartet. Chris Schipper, Chef von KTM Österreich, übergab die 46 PS starken Bikes persönlich an die Teilnehmer der neuen Rennserie. Im internationalen Fahrerfeld befanden sich mit dem Neulengbacher Benni Baumgartner und dem Maria Anzbacher Nico Wannenmacher gleich zwei Talente aus dem Wienerwald.

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Die Präsentation des AJC begann mit Aufnahmen vom Finale des GP von Österreich 2020, als Miguel Oliveira den ersten MotoGP-Sieg für KTM einfuhr. Irgendwann soll nun aber auch ein heimischer Pilot auf einer österreichischen Maschine am MotoGP-Stockerl stehen. Was dazu bislang fehlte? Eine Rennserie für Nachwuchstalente!

„In Österreich war es bisher nur schwer möglich, in den Motorradsport einzusteigen“, weiß AJC-Mastermind Andi Meklau. So musste sich Max Kofler, der zuletzt seinen ersten WM-Punkt in der Moto3 holen konnte, seinen Weg noch ohne Förderprogramme erkämpfen. Der AJC soll den Einstieg in den zweirädrigen Rennsport nun einfacher und günstiger machen. Dazu haben sich KTM, Projekt Spielberg (Red Bull Ring), BG-Sportspromotion, Dunlop, ÖAMTC und weitere Partner zusammengetan.

Ende 2020 erfolgte der Aufruf via KTM-Händler und diversen Online-Portalen für Motorrad-Freaks, dass junge Mädchen und Burschen zwischen 14 und 20 Jahren mit Motorsportbegeisterung gesucht werden. Beworben haben sich Fahrer mit Motocross-Wurzeln, ebenso wie solche von existierenden Rundstreckenteams oder einfach motivierte Talente. Die Schnellsten wurden im Jänner via Flattrack ausgesiebt. 18 fixe Startplätze plus ein paar vom Red-Bull-Ring vergebene Wildcards standen zur Verfügung. Zahlreiche Instruktoren sowie AJC-Riding-Coach Andi Meklau trafen die Entscheidung. Und ihre Aufgabe ist es nun auch, die Auserwählten in den professionellen Rennsport einzuführen.

Gefahren wird auf eigens entwickelten Motorrädern. Bei der RC4R hat sich KTM des hauseigenen Baukastens bedient und Erfahrungen der Moto3-Teams genutzt.

Trainingsmöglichkeit mit Spitzensportstatus

„Trainingsmöglichkeiten stehen uns AJC-Teilnehmern fast jederzeit zur Verfügung“, schwärmt Nico Wannenmacher. Mit 14 Jahren ist er der jüngste Pilot, der den Sprung in den AJC geschafft hat. Erfahrung hat er auf Enduromaschinen bei diversen Nachwuchsrennen gesammelt. Vor Covid-19 war er österreichischer Jugendmeister im e-Trial. Für den SV Pressbaum geht er auch gern in der U 15 auf Torjagd. Die Lockdown-Zeit verschiebt aber Prioritäten! Als AJC-Fahrer genießt Nico Spitzensportstatus und kann wie ein Sportprofi seinem Motorradhobby nachgehen.

Der Fuhrpark des Driving Centers in Spielberg bietet selbst die originalen AJC-Bikes und vom Training am Flattrack bis zur Rennstrecke ist alles möglich. Die Instruktoren um Meklau stehen den Trainees immer zur Seite. „Dass man aber zum Trainieren kommt, das liegt in der Eigenverantwortung“, sagt Meklau. „Der Wille, das Feuer sind entscheidend! Man muss den Motorsport leben.“ Und das Feuer habe er am Roll-out-Day schon bei einigen der jungen Racer in den Augen brennen gesehen. Denn nach einer ersten Begutachtung des neuen Arbeitsgeräts, Presseterminen und Fotoshootings durften auch gleich die ersten Runden gedreht werden.

Einer, der aufgrund seiner bisherigen Erfahrung zu den Favoriten der Rennserie zählt, ist Benjamin Baumgartner. Der 16-jährige Neulengbacher nutzte die ersten Runden im Driving Center am Red Bull Ring, um ein für sich optimales Set-up zu finden. „Aufgrund meiner Körpergröße von 1,84 Metern bedarf es einer besonders feinen Abstimmung“, nennt er gleich sein Handicap. Der „Schlacks“ ist unter den Fahrern ein echter Riese! Doch Meklau, selbst kein Zwerg, gab sofort wertvolle Tipps. „Die Möglichkeiten sind allerdings eingeschränkt, da alle Motorräder bei den Rennen gleich sein müssen und technisch nicht verändert werden dürfen. Lediglich das Fahrwerk und der Reifendruck dürfen angepasst werden“, erklärt Meklau.

Am zweiten Tag ging es auf der Rennstrecke dann erstmals richtig zur Sache. Hier zeigte Baumgartner sein Toptalent, war einer von sechs Fahrern, welche Meklau begeisterten. „Aber so richtiges Vertrauen habe ich in die RC4R noch nicht. Meine Sitzposition ist ungewohnt und ich komme nicht richtig in Schräglage“, weiß Baumgartner aber, dass Geduld gefragt ist. „Es braucht ein bisschen Zeit, um sich an das neue Bike zu gewöhnen!“

Baumgartner hing in Rijeka Trainingstage an

Daher hing Baumgartner gleich drei weitere Testtage im kroatischen Rijeka an. Dort herrschten am ersten Tag perfekte Bedingungen, wobei er sich auch gleich mit seinem oberösterreichischen Teamkollege Leo Rammerstorfer (Heating Factory Youngsters), der ebenfalls am AJC teilnimmt, messen konnte.

Die restlichen zwei Tage in Rijeka nützte Baumgartner allerdings für das Training auf seiner Yamaha R3, da sein nächster planmäßiger Einsatz bereits am kommenden Wochenende die Yamaha-Track-Days in Hockenheim sind. Die Professionalität der AJC taugt Baumgartner aber sehr. „Das ist keine Sonntagsliga auf zwei Rädern. Dass die Teilnehmer nicht nur Fahrtraining erhalten, sondern auch im Umgang mit den Medien, im Öffentlichkeitsauftritt, im Sportrecht und über relevante Medizin und Anatomie unterrichtet werden, ist vorbildlich!“ Und es wird auf den großen Strecken wie Red-Bull- und Salzburgring gefahren. Das Finale der Meisterschaft findet sogar mit der IDM in Spielberg statt.

Ausgelegt ist der AJC als langfristiges Projekt. In den nächsten fünf bis zehn Jahren sollen kontinuierlich junge Talente gefördert werden. „Ziel ist es, nach jeder Saison möglichst viele Teilnehmer in den Red-Bull-Rookies-Cup und den Northern Talent-Cup zu bringen“, weiß Meklau, dass diese zwei internationalen Nachwuchsserien schon das Trittbrett für viele Champions waren.