Race Around Austria: Irrer Ritt in Rot-Weiß-Rot. Der Siegersdorfer Philipp Reiterits kam nach gut 83 Stunden und 1.500 Kilometern quer durch Österreich ins Ziel – und übertraf seine kühnsten Träume.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 23. August 2017 (02:11)
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1.000 Kilometer abgespult, noch 500 zu fahren: Philipp Reiterits saß mehr als 83 Stunden auf dem Rad, erreichte mit einer starken Zeit das Ziel beim Race Around Austria.
NOEN, privat

Letzte Woche setzte sich bei einem der härtesten Ultra-Radrennen Europas, dem Race Around Austria, erstmals auch die kleine Ortschaft Siegersdorf bei Asperhofen auf die Sportlandkarte.

Philipp Reiterits, der beim „Irrsinnsrennen“ rund um Österreich, mit Start und Ziel in St. Georgen in Attergau, rund 1500 Kilometer nonstop am Rad zurückgelegt hat, wurde dabei im Pacecar von Vater Felix und den Brüdern Tobias und David begleitet.

„Mehr als 8.500 Kilometer habe ich in den acht Trainingswochen abgespult.“ Philipp Reiterits über die Vorbereitung auf das „Race Around Austria“

Die Erwartungen waren groß, schließlich hatte sich Reiterits auf diese Challenge, bei der auch Qualifikationsplätze für das Race Across America vergeben wurden, das große Ziel des Siegendorfers, akribisch vorbereitet. „Ich habe mehr als 8500 Kilometer im Training in nur 8 Monaten abgespult, habe jede Woche rund 21 Stunden trainiert“, schildert er.

Zwar war das Zeitlimit vom Veranstalter mit 100 Stunden inklusive Schlafpausen vorgegeben, doch Reisterits hatte deutlich mehr vor. „Trotz der vielen Berge, darunter auch den Großglockner, wollte ich diese Vorgabe wesentlich unterschreiten.“

Doch der Start verlief dann gleich alles andere als vielversprechend. „Es begann gleich stark zu regnen, dann hatte ich nach nur 300 Kilometern um drei Uhr früh eine Reifenpanne und auch eine Magenverstimmung stellte sich ein“, zerrten gleich drei Faktoren an seinen Kräften. Doch Reiterits behielt die Nerven und fasste noch in der Nacht beim „Ritt“ durch Mühl- und Waldviertel wieder Tritt.

Erste Pause nach über 500km

Erst nach 534 Kilometer am Donnerstag um 15 Uhr gönnte er sich dann in Hohenau, in unmittelbarer Nähe seines neuen Wohnorts Hausbrunn, eine längere Pause. „Hier warteten auch über 50 Fans und es wurde Energie in Form von Nudeln nachgetankt, die erste feste Nahrungsaufnahme im Rennen.“ Nach einer einstündigen Unterbrechung in der auch der gebrochene Auflieger am Rennrad ausgetauscht wurde, ging es bei 36 Grad weiter. Und die „Jesolo-Sturmfront“ war erst so richtig im Anzug. Gewitter und Starkregen erzwangen nach kaum einer Stunde die nächste halbstündige Pause.

„Aber kaum hatten wir dann das Burgenland erreicht, ging es in Siegendorf richtig los“, schildert Reiterits. „Orkanartige Sturmböen von 130 km/h und ein ungeheures Gewitter ließ alle Crewmitglieder selbst im Pace-Car bange werden, da Plakatwände und armdicke Äste quer über den Parkplatz und auf das Auto gefegt wurden!“ Reiterits versuchte die 2½-stündige Zwangspause unter diesen Umständen mit mäßigem Erfolg als Schlafpause zu nutzen. Und auch die Weiterfahrt gestaltete sich wegen Umleitungen, bedingt durch eine Straßensperre wegen umgefallener Bäume, als schwierig. Auf eine Abfahrt der Passstraße vom Geschriebenstein um 4.45 Uhr und Finsternis verzichtete Reiterits. „Die nasse und stark verschmutzte Fahrbahn war einfach zu gefährlich.“ Wieder verlor Reiterits gut eine Stunde.

Steigungen mit 14 Prozent

Nach mehr als 43 Stunden Fahrzeit und 864 Kilometern war dann endlich das „Katastrophengebiet“ Steiermark erreicht. Und es warteten noch 10.000 Höhenmeter! Zumindest mit den Wetterkapriolen war es dann aber vorbei und Reiterits spulte Soboth (Steigung mit 14 Prozent) und Iselsberg problemlos ab. Doch ausgerechnet bei der Auffahrt zum Großglockner via Heiligenblut mit Hochtor und Fuschertörl (gesamt 1.930 Hm auf 45 km Streckenlänge schlug nach einem sonnigen Tag erneut das Wetter um. Vor allem der starke Gegenwind machte den Glockner extrem beschwerlich, sodass Reiterits mit der Auffahrzeit von 2 ½ Stunden unzufrieden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aber bereits 1.280 Kilometer in 74 Stunden zurückgelegt, und jeder im Team war nun felsenfest davon überzeugt, dass ihn jetzt nichts mehr bis ins Ziel aufhalten konnte.

Auf den letzten 150 Kilometern wurde Reiterits tatsächlich immer stärker: „Bei Kilometer 1334 habe ich noch einen Konkurrenten überholt und bis ins Ziel über Filzen- und Dientner-Sattel am Hochkönig, den Vorsprung auf elf Kilometer ausgebaut!“

Am Sonntag um 2.50 Uhr war es dann soweit, nach fast 1.500 Kilometern und über 17.000 Höhenmetern überquerte Reiterits in der Zeit von 83 Stunden, 30 Minuten und 29 Sekunden (Nettofahrzeit: 66:20:22) die Ziellinie. In den sozialen Medien hatte er sich da längst den Spitznamen „magic machine“ erworben.