Fitnessstudios im Bezirk Neunkirchen in Not. Die Geschäftsführer des Fit & Fun und der Martin-macht-fit OG schildern, wie sie die Pandemie erleben, welche Herausforderungen es bis jetzt gab und wie die Lage heute aussieht.

Von Julian Widermann. Erstellt am 17. Februar 2021 (01:22)
Resignation Fehlanzeige. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten kämpfen die Geschäftsführer des Fit & Fun in Ternitz, Reinhard Tarkus sowie Werner Warscha, weiterhin um ihr Unternehmen und ihre Kunden.
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Die Fitnessbranche im Bezirk wurde durch die Folgen der Lockdowns stark in Mitleidenschaft gezogen. Von März bis Mai 2020 gab es, sofern Mitgliedsbeiträge nicht weiterhin verlangt oder aus freien Stücken gezahlt wurden, überhaupt keine Einnahmen mehr zu verzeichnen. Gebildete Rücklagen waren noch dazu schnell aufgebraucht, Mitarbeiter jedoch weiter zu bezahlen und alltägliche private Rechnungen zu begleichen. Selbst als die Fitnessstudios ab Juni für fünf Monate wieder öffnen durften, wurden nur noch Verluste gemacht bzw. sank der Umsatz sehr stark. Die Finanzspritzen der Regierung konnten nur für wenig Entlastung sorgen. Im Gespräch mit der NÖN geben die Geschäftsführer des Fit & Fun aus Ternitz und der Martin-macht-fit OG aus Pitten Einblick in die aktuelle Situation.

Das Fit & Fun in Ternitz wird seit 1996 von Reinhard Tarkus und Werner Warscha als Familienbetrieb und GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) geführt und beschäftigt 15 bis 20 Mitarbeiter. Spezialisiert haben sich die beiden auf gesundheitsbewusste Menschen, die in erster Linie ihren Körper und Geist fit halten möchten. Mit Cheftrainer und Bodybuilder Alexander Englitsch hat das Fit & Fun auch einen erstklassigen Ansprechpartner rund um Fitness. Bis zum Frühjahr 2020 führten die Unternehmer ihren Familienbetrieb auch erfolgreich, als plötzlich und unerwartet düstere Zeiten anbrachen: „In den ersten zwei Monaten konnten wir mit unseren Rücklagen noch die Fix- und Gehaltskosten decken. Dann war alles aufgebraucht, woraufhin wir im Mai dann sofort zur Sparkasse Neunkirchen gegangen sind und einen Kredit aufnahmen. Da der Ausfall der Einnahmen außerdem beinahe 100 Prozent betrug, da wir die Mitgliedsbeiträge ruhend gestellt haben, konnten wir als Geschäftsführer auch kein Gehalt beziehen (wenige zahlten die Beiträge freiwillig weiter). Somit haben wir als selbstständige Unternehmer den Härtefall-Fond beantragt. Schließlich gibt es auch von privater Seite Rechnungen, die zu bezahlen sind“, berichten Tarkus und Warscha über den ersten Lockdown. Im Juni durften die Fitnessstudios den Betrieb dann wieder für fünf Monate aufnehmen.

Jedoch fiel die Kundenpräsenz viel schwächer aus: „Die Angst und die Unsicherheit waren groß. Es sind dann Risikogruppen ferngeblieben oder Personen, die mit solchen beruflich oder privat vermehrt zu tun haben“, so die Betreiber. Auch in den Monaten, wo das Fit & Fun offen hatte, konnte kein Gewinn erzielt werden. Es mussten auch bereits Reinigungskräfte sowie geringfügig Beschäftigte vorerst gekündigt werden. Die finanzielle Lage ist auch heute noch prekär: „Die Regierung hat uns in den Lockdowns zwar unterstützt, dennoch bleiben wir aber auf 50 bis 70 Prozent aller Kosten selbst sitzen. Die beantragten Fixkostenzuschüsse sind auch noch in der Schwebe. „Wir schauen dennoch positiv in die Zukunft und da es uns schon so lange gibt, wird es uns auch ewig weiter geben“, geben sich Tarkus und Warscha kämpferisch.

„Die Regierung hat uns in den Lockdowns zwar unterstützt, dennoch bleiben wir aber auf 50 bis 70 Prozent aller Kosten selbst sitzen!“ Die Fit & Fun-Betreiber Reinhard Tarkus sowie Werner Warscha über die schwierige Lage.

Martin Theuer und Harald Reisenauer betreiben seit 2013 die Martin-macht-fit OG. Den Schwerpunkt hat das Duo auf Gesundheitstraining gelegt. Die Kundschaft ist bunt gemischt, von Jung bis Alt. Da die Geschäftspartner keine Mitarbeiter beschäftigen, war für sie die Corona-Krise von Anfang an leichter zu bewältigen, da keine Gehälter gezahlt werden mussten, doch auch sie bekamen die Folgen der Lockdowns zu spüren. „Besonders nach dem ersten Lockdown war vor allem bei den Senioren die Unsicherheit groß. Das hat sich aber relativ schnell wieder stabilisiert. Mit den Umsätzen liegen wir aber natürlich trotzdem hinten, geht selbstverständlich nicht anders“, beschreiben Theuer und Reisenauer die Lage.

Wie schon das Fit & Fun hat auch die Martin-macht-fit OG den Härtefallfond sowie die Vorjahresnettoumsätze von November, Dezember und Jänner zu 80, 50 und 30 Prozent erhalten. Privat sowie geschäftlich gab es Rücklagen, auf die zurückgegriffen werden konnte, welche aber demnächst alle aufgebraucht sein werden. Und wie schon die Ternitzer haben auch Theuer und Reisenauer die Mitgliedsbeiträge während der Lockdowns ruhend gestellt: „Unsere Kunden sollen nicht für etwas zahlen, das sie nicht erhalten oder nutzen können. Diese Entscheidung bereue ich keinen Tag, da sie auch bei den Kunden gut ankam, sodass viele Mitglieder weiterhin freiwillige Zahlungen zur Unterstützung leisteten!“ Nach dem ersten Lockdown gab es eine Regelung, wonach sich nur eine gewisse Anzahl an Kunden im Studio aufhalten durfte. „Mit passenden Konzepten und entsprechenden Vorgaben wäre ein Betrieb mit Sicherheit wieder möglich“, hoffen die Unternehmer auf baldige Veränderungen.