15-minütige Ladehemmung kostet Falken Aufstiegschance. Der UHC Hollabrunn dreht einen 8:10-Pausenrückstand in einen 20:16-Sieg und zieht damit als einziges Team nach nur zwei Viertelfinalspielen ins Halbfinale ein. Für die St. Pöltner Falken findet die Saison somit ein abruptes Ende. Das Spiel über die Flügel hat diesmal überhaupt nicht geklappt, zudem zog Matthias Meleschnig im Tor der Gäste diesmal Matthias Bruckner, der zuletzt immer einer der Topscorer der Falken war, völlig den Nerv. Auch Legionär Danijel Arapovic und Jan Neumaier konnten die Hollabrunner völlig neutralisieren.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 09. Mai 2021 (09:18)

Nach dem ersten Viertelfinalspiel, das nach viel Dramatik durch einen umstrittenen Siebenmeter für die Gastgeber aus dem Weinviertel entschieden wurde, ging es am Samstag in die Landeshauptstadt. Und UHC-Trainer Ivica Belas zeigte durchaus Respekt vor dem Derbykonkurrenten: "Ich habe in St. Pölten noch nie gewonnen, ein Remis war das beste bisher", war er selbst überrascht von der Entscheidung des Vorstands, die Truppe von Damir Djukic als Viertelfinalgegner selbst zu wählen. "Persönlich habe ich das Gefühl, das uns Vöslau etwas besser liegen würde, weil sie uns erlauben, in einem Spielfluss zu kommen. Die St. Pöltner sind sehr gut darin, das Spiel zu zerstören!", meinte der Coach. Und auch die St. Pöltner waren nach dem ersten Spiel, trotz der Niederlage in letzter Sekunde, guter Dinge. "Wir waren auswärts spielerisch die bessere Mannschaft", fand Trainer Damir Djukic. Und Obmann Michael Kögl war überzeugt: "Wenn wir wieder so spielen, gewinnen wir!"

Die Gäste erwischen dank Vuksa besseren Start

Doch zunächst schienen die Sorgen des Gästecoaches im Sportzentrum NÖ unbegründet zu sein und die Hoffnungen der Falken völlig überzogen. Die  Hollabrunner erwischten nämlich den klar besseren Start, führten gleich mit 4:0 und nach zwölf Minuten mit 7:3. Vor allem gegen ihren ehemaligen Teamkollegen Goran Vuksa am Kreis fanden die Falken kein Mittel. Jeden hohen Ball hoch an die Linie fischte er mühelos herunter und verwandelte zunächst gegen Marc Hübner im Falken-Tor mit schlafwandlerischer Sicherheit. Sechs Mal zog er in diesem Spiel ab und ebenso oft landete der Ball auch im Tor. Und als Antreiber war Vuksa sowieso wieder unbezahlbar für sein Team.

Nach fünfzehn Minuten dreht sich das Spiel erstmals

Trotzdem riss bei den Gästen Mitte der ersten Halbzeit plötzlich der Faden. Beim Stand von 6:7 hatten die St. Pöltner sogar bereits in Unterzahl die Chance auf den Ausgleich. Doch Matthias Bruckner scheiterte im Eins-gegen-Eins mit Hollabrunns Goalie Matthias Meleschnig. Und dabei sollte es nicht bleiben. Insgesamt sieben Mal parierte Meleschnig gegen den Außenspieler, der in den letzten Matches immer der sicherste Torschütze war. Diesmal klappte es aber von links und von rechts bei ihm nicht. Einen Siebenmeter verwandelte Bruckner und bei zwei Tempogegenstößen war er ebenfalls erfolgreich, sonst jubelte im Matthias-Duell jedes Mal Meleschnig. 

Falken gehen mit 2-Tore-Führung in die Kabine

Doch bis zur Pause blieben trotz der Blackouts von Bruckner die Falken am Drücker. Abwehrchef Martin Zettel war es, der für die 9:8-Führung sorgte. Und Marc Hübner hielt die Torsperre aufrecht, sodass es letztlich sogar mit einer 10:8-Führung für die Falken in die Kabine ging. Dabei hatte Zettel kurz vor der Pause seine zweite 2-Minuten-Sperre kassiert. Aber das Unterzahl-Spiel steckten die Hausherrn in dieser Phase gut weg.

Lowscore-Game auch nach der Pause

Und auch im zweiten Durchgang sollte es ein Lowscore-Game bleiben, wie man es nur noch ganz selten sieht, seit im Handball schnelle Tempogegenstößen über die Mitte zum Standard gehören. Einerseits waren die beiden Goalies überragend, aber auch die Abwehrreihe der St. Pöltner mit Zettel und Danijel Arapovic agierte sensationell. Ganze sechs Mal konnten Würfe der Gegner geblockt werden, stets auf spektakuläre Weise.  Trotzdem haftet ein Makel an der Leistung des Legionärs der Falken: Offensiv übernahm Arapovic keinerlei Verantwortung und war ein Totalausfall. 

Gal-Verletzung reißt Hollabrunn aus Lethargie

Trotzdem schien es zu Beginn der zweiten Halbzeit zunächst weiter zugunsten der St. Pöltner zu laufen. Bei den Hollabrunnern blieb nach einem Schlag im Zweikampf gegen den Solarplexus mit Kristof Gal der Ballverteiler Hollabrunns nach Luft ringend liegen. Gal konnte erst ganz zum Schluss wieder ins Spielgeschehen eingreifen. Sein Ausscheiden setzte im Team der Gäste aber nochmals Kräfte frei. "Es ist dann ein Ruck durch die Mannschaft gegangen", bestätigt Kevin Wieninger, St. Pöltner in Diensten der Weinviertler. Sebastian Burger durchbrach als erster die Torsperre im zweiten Durchgang und erzielte den Anschlusstreffer für die Gäste aus einem Tempogegenstoß und ließ wenig später einen zweiten Folgen. Die Hausherrn hingegen blieben 15 Minuten am Stück ohne Torerfolg. Viermal trafen die St. Pöltner in diesem Spiel nur Latte oder Pfosten. Erst beim Stand von 10:14 war es Zettel, der mit seinem dritten Tor zum 11:14 die Hoffnungen der Falken am Leben ließ. Doch postwendend zog Hollabrunn wieder auf 15:11 davon. Dann war es Jan Hübner der mit drei Toren, zwei davon aus Kontergegenstößen, St. Pölten nochmals  heranbrachte - insgesamt war der Bruder des St. Pöltner Tormanns mit vier Toren erstmals bester Werfer der Falken - doch Burger aus einem Siebenmeter stellte die Weichen endgültig auf Sieg für die Gäste. Zehn Sekunden vor dem Ende nahm Belas beim Stand von 19:16 für seine Farben und Ballbesitz nochmals eine Auszeit, die St. Pöltner verzichteten danach nochmals Aufstellung zu nehmen und die Gäste scorten zum Endstand von 20:16.  

Schlechte Wurfquote St. Pöltens entscheidet

"Bei uns hat heute vor allem über die Seiten gar nichts geklappt und wenn das Außenspiel ausfällt, tut sich der Gegner leicht, dass er die Mitte zustellt", machte Falken-Trainer Djukic aber keinem seiner Spieler einen Vorwurf. "Bruckner hat eine super Saison gespielt heuer, aber solche Tage gibt's einfach", meinte er in Richtung seines Topscorers in der Qualirunde. Letztlich war es die insgesamt außerirdisch schlechte Wurfquote, die den St. Pöltnern das Genick brach. Von 46 Würfen fanden nur 16 ihr Ziel, das sind 36 Prozent Trefferquote, ein Wert, der einfach nicht spusu-Liga-tauglich ist.

Glanzlose Gäste im Semifinale

Die Hollabrunner glänzten zwar nicht, aber sie haben die Viertelfinalhürde gemeistert. Egal auf wen sie im Semifinale treffen,  werden sie sich aber steigern müssen, um ins Finale einzuziehen und damit den Aufstieg zu schaffen. Vuksa mit sechs Toren war ihr auffälligster Feldspieler, aber Meleschnig im Tor zog den St. Pöltnern den Nerv, und wurde somit zurecht zum Man of the match  gewählt. Und wie es sich für ein Spiel mit nur 38 Toren gehört, wurde auch bei den Falken am Ende der Schlussmann geehrt.

Statistik

SU DIE FALKEN Bachner Bau ST. PÖLTEN -  UHC HOLLABRUNN 16:20 (10:8).

Werfer St. Pölten: Jan Hübner (4), Martin Zettel (3), Matthias Bruckner (3), Alexander Pils (2), Paul Posset (2), Jan Neumaier (1), Paul Pirkfellner (1).

Werfer  Hollabrunn: Goran Vuksa (6), Sebastian Burger (4), Anze Kljajic (4), Franz-Josef Fidesser (2), Kevin Wieninger (2), Patrick Prokop (2).