Absage am Semmering: Zu wenig Schnee. Erstmals in der 19-jährigen Geschichte müssen die Weltcup-Rennen am Semmering abgesagt werden. Rund 20 Zentimeter weiße Pracht, Temperaturen um den Gefrierpunkt – das war einmal.

Von Wolfgang Wallner und Bernhard Garaus. Erstellt am 22. Dezember 2014 (05:50)
NOEN, APA/HERBERT NEUBAUER

Der Zauberberg zauberte Franz Steiner nur kurz ein Lächeln aufs Gesicht. Die vorweihnachtliche „Hitzewelle“ mit Temperaturen um die zehn Grad hat mittlerweile für tiefe Sorgenfalten bei den Organisatoren gesorgt. Elf Tage lang konnte nicht beschneit werden – am Sonntag gab’s das endgültige Aus für den Weltcup am Semmering. Markus Mayr, FIS-Zuständiger für die Damen-Weltcup-Rennen: „Wegen der prekären Schneelage mussten die Rennen am Semmering gestrichen werden. Trotz moderner Beschneiungstechnik und des unermüdlichen Einsatzes der Veranstalter war es aufgrund der Wetterbedingungen nicht möglich, eine renntaugliche Piste zu schaffen.“ Die zwei Rennen sollen jetzt im Tiroler Kühtai stattfinden.

Schneekanonen konnten nicht eingesetzt werden

„Wir kämpfen“, versicherte Steiner noch am Freitag, „auch, wenn es nicht gut ausschaut.“ Die Schneekanonen können nicht eingesetzt werden. „Dafür ist‘s zu warm“, sagt der „Mister Semmering“. Ein kleiner Hoffnungsschimmer sei die Nacht auf Montag, wo die Quecksilbersäule knapp unter den Gefrierpunkt rutschen könnte.

Doch auch diese Hoffnung zerschlug sich bei der Begehung am Sonntag. Rennleiter Anton Zuser: „Leider lässt auch die mittelfristige Wettervorschau keine markante Änderung erwarten.“ Für Steiner natürlich eine große Enttäuschung: „Für uns ist es hart zu sehen, dass alle unsere Bemühungen umsonst waren. Mit den Vorbereitungen waren wir exakt im Zeitplan, alle Mitarbeiter waren noch motiviert, nur das Wetter hat dieses Mal nicht mitgespielt.“ Seit 19 Jahren ist der „Mister Semmering“ für die Weltcup-Läufe am Hausberg der Wiener verantwortlich, noch nie musste ein Weltcup-Event abgesagt werden.

Schneedepots reichten nicht

Entsprechend schwer fiel der Schritt. Die für Freitag geplante Pistenbegehung samt Entscheidung über die Weltcup-Bewerbe (Riesentorlauf, Nachtslalom) am 28. und 29. Dezember wurde verschoben. Vorerst auf Samstag. Auch der brachte kein klares „Nein“, dieses kam aber tags darauf.

Da halfen auch die besten Vorbereitungen nichts mehr. Auf 1,50 Meter angehäufte Schneedepots könnten recht flott aufgebracht und zur weltcuptauglichen Piste präpariert werden, aber nur im oberen Streckenteil. Rund 84.000 Kubikmeter fassen die Wasserspeicher am Semmering – doch im unteren Bereich, im Ziel und am Schlusshang ist bei deutlichen Plus-Graden an eine Beschneiung nicht zu denken. Dafür muss nämlich die Luft-Temperatur bei zumindest null Grad liegen. Die rund 300 Helfer standen bei den hohen Temperaturen auf verlorenem Posten.

Am Semmering stehen Millionen auf dem Spiel 

Rund 23.000 Fans waren beim letzten Semmering-Event 2012 an der Strecke, allein 15.000 beim Flutlicht-Slalom und spülten jede Menge Geld in die Kassen. Bei gut 1,5 Millionen Euro liegt der Werbewert, satte drei Millionen an direkter und indirekter Wertschöpfung bringt der Weltcup in den Süden Niederösterreichs.

Mit Kathrin Zettel als großes Zugpferd für die ganze Region: Die Lokalmatadorin bringt beste Erinnerungen mit auf den Semmering. Zwei Riesentorlauf-Heimsiege stehen für Zettel zu Buche, die Göstlingerin wäre als aktuelle Nummer drei im Gesamtweltcup in die blau-gelbe Heimat gekommen, um sich von den Fans zum nächsten Top-Ergebnis tragen zu lassen.

Bedauern über die Absage sprachen auch Landeshauptmann Erwin Pröll und Sport-Landesrätin Petra Bohuslav aus. Bohuslav betont: „Unser Dank und unsere Anerkennung gelten dem Organisationsteam und seinen vielen freiwilligen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz.

Viele von ihnen arbeiten seit Wochen ehrenamtlich, um diese große Veranstaltung vorzubereiten.“ Sie ist überzeugt davon, dass die Veranstalter alles versucht haben, um die Rennen durchführen zu können.