Thiem nach Sieg über Nadal im Halbfinale. Dominic Thiem hat am Mittwoch wieder einen Meilenstein in seiner Karriere gesetzt. Der 26-jährige Niederösterreicher besiegte den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal in seinem ersten Viertelfinale bei den Australian Open mit 7:6(3),7:6(4),4:6,7:6(6).

Von APA, Redaktion. Update am 29. Januar 2020 (14:56)
Riesenmatch von Dominic Thiem gegen Nadal
APA (AFP)

Es war ein besonders wichtiger Sieg für Thiem, hat er doch Superstar Nadal erstmals bei einem Major bezwungen.

"Das Match war die ganze Zeit auf Messers Schneide. Ein zwei Bälle mehr oder weniger und wir wären jetzt im fünften Satz. Aber so ist das, wenn man gegen einen der größten Spieler aller Zeiten spielt. Unglaublich, dass es im Tiebreak im vierten reicht", freute sich Thiem unmittelbar danach im ServusTV-Interview.

Thiem steht als zweiter Österreicher nach Thomas Muster im Melbourne-Halbfinale. In diesem trifft Thiem am Freitag auf den als Nummer 7 gesetzten Deutschen Alexander Zverev. Für Thiem ist es die erste Vorschlussrunde bei einem Major-Turnier abseits der French Open (zuletzt viermal en suite) und das insgesamt fünfte Grand-Slam-Semifinale. Thiem feierte zudem den vierten Sieg über eine aktuelle Nummer 1 der Welt bzw. den fünften Erfolg im 14. Duell mit Nadal. Der Schützling von Nicolas Massu hat Nadal im sechsten Duell auf Grand-Slam-Ebene erstmals bezwungen.

"Es ist unglaublich für mich"

"Es fühlt sich unglaublich an. Es ist natürlich das Halbfinale, aber es ist auch ein Sieg über Rafa bei einem Grand-Slam-Turnier, mein erster", erklärte Thiem und fügte hinzu: "Nach einem sehr guten Match, nach 4:10 Stunden, nach einigen schwierigen Situationen auch und vor allem im vierten Satz. Ich bin echt froh, dass ich das Tiebreak dann gewonnen habe. Es ist unglaublich für mich."

Thiem wusste freilich auch, dass er in den ersten beiden Sätzen schon jeweils mit einem Break zurückgelegen war. "Er hat auf den ersten Satz serviert, wo ich genau zum richtigen Moment zurückgebreakt habe. Im zweiten war er früh Break vorne. Das kriegt man nicht oft gegen ihn, dass man sich zweimal zurückkämpft. Die Tiebreaks habe ich wirklich gut gespielt", erklärte der Weltranglisten-Fünfte. Für ihn war es "keine Überraschung", dass Nadal dran bleibt und "von seiner Intensität her null nachlässt. Das war mir klar."

Der erste Durchgang bot Powertennis von Beginn weg. Nach zwei Aufschlagspielen zu Null für Thiem fand dieser im fünften Game bei 2:2 den ersten Breakball im Match vor. Doch Nadal wehrte diesen ab. Bei 4:3 für Nadal gab es neue Bälle und Aufschläger Thiem musste sein Service nach einigen Fehlern zu Null zum 3:5 abgeben. Ein Rückstand, der normalerweise bei Nadal schon fatal sein kann. Nach 35 Minuten hatte Nadal auch schon einen Satzball zum 6:3, aber Thiem zog den Kopf aus der Schlinge. Er nutzte seinen dritten Breakball zum 4:5 und egalisierte auf 5:5. Der Satz ging ins Tiebreak, in dem Thiem ein 0:2 nach 67 Minuten mit dem ersten Satzball noch in ein 7:3 verwandelte.

Auch im zweiten Satz musste Thiem kurioserweise wieder als Aufschläger mit neuen Bällen das Break zu Null und zum 2:3 hinnehmen. Doch auch diesmal ließ sich Nadal diesen Vorteil nehmen bzw. nahm er ihn sich selbst. Bei 4:3 unterlief dem 19-fachen Major-Sieger ein schwaches Aufschlag-Game, das er gar mit einem Doppelfehler abgab. Thiem war neuerlich zurück im Satz, der Lichtenwörther drehte ein 2:4 zum 5:4. Bei 30 beide war Thiem schon nur zwei Punkte vom zweiten Satzgewinn entfernt. Beim Stand von 6:5 hatte Thiem Satzball, doch nach 2:06 Stunden ging es ins zweite Tiebreak. Thiem vergab eine 4:0-Führung, erarbeitete sich bei 6:4 aber zwei weitere Satzbälle. Nach 2:15 Stunden stellte der Österreicher auf 2:0-Sätze.

Nadal gab sich nicht geschlagen

Im dritten Durchgang ging es bis ins zehnte Game ohne Break. Diesmal machte Nadal neuerlich das erste, allerdings diesmal entscheidend nach 2:57 Stunden zum 6:4. Nadal pumpte sich mit der Faust nach dem 1:2 in Sätzen und unter dem Jubel der Zuschauer das Adrenalin förmlich in den Körper.

Ein Nadal "on fire", eine Gefahr für Thiem? Drei Breakbälle zum 2:0 für Nadal zeugten davon, doch Thiem rettete sich und schaffte bei 1:1 dann selbst das erste Break im vierten Satz. Bei 5:4 hatte Thiem die Chance auszuservieren, doch wieder mit neuen Bällen beging Thiem neuerlich Fehler, Nadal gelang das Rebreak im letzten Moment. "Es ist eine spezielle Situation gewesen, auf das erste Halbfinale hier aufschlagen, meinen ersten Sieg gegen Rafa bei einem Grand Slam", erklärte Thiem seinen Aussetzer.

Nadal stellte von 3:5 auf 6:5. Thiem erspielte sich nach 3:55 Stunden schon das dritte Tiebreak. "Das war wieder extrem eng. Heute war auch das Netzband schwer auf meiner Seite", lachte er. Bei 6:4 hatte Thiem seine ersten beiden Matchbälle, doch Nadal wehrte beide ab. Nach 4:10 Stunden verwertete Thiem aber den dritten zum 8:6. "Zum Glück hat er die Vorhand dann verschlagen bei 7:6."

Thiem tritt in die Fußstapfen von Muster

Thiem trat 23 Jahre später in die Fußstapfen von Muster, der 1989 und zuletzt 1997 im Halbfinale des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres gestanden war. Er überbot den Steirer allerdings mit nunmehr fünf Major-Semifinali (Muster vier). Gegen Zverev hat Thiem eine 6:2-Bilanz. Der 16-fache Turniersieger spielt gegen Zverev um sein drittes Major-Endspiel nach zuletzt zwei French-Open-Finali 2018 und 2019. Für das Halbfinale kassierte Thiem 1,04 Mio. Australische Dollar (638.400 Euro) brutto und 720 ATP-Zähler.

Zum insgesamt neunten Duell mit Zverev meinte Thiem: "Das erste Mal, dass ich in einem Grand-Slam-Halbfinale gegen einen Jüngeren spiele. Das ist eine neue Situation für mich." Aber man kenne sich sehr gut. "Wir haben acht Matches schon auf allen Ebenen gespielt, darunter bei den London ATP Finals, zweimal bei den French Open. Wir werden beide alles geben, dass wir da in unser erstes Finale einziehen."

Der Sieger des Duells Thiem-Zverev am Freitag (9.30 Uhr MEZ/live ServusTV) bekommt es im Endspiel am Sonntag mit dem Gewinner des Krachers Novak Djokovic (SRB-1) gegen Roger Federer (SUI-3) am Donnerstag zu tun.