Bad Vöslaus Handballer sind erstklassig. Die Thermalstädter gewannen in einem packenden dritten Halbfinalspiel gegen Hollabrunn mit 30:25 und spielen damit in der Saison 2021/22 in der heimischen Top-Liga.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 27. Mai 2021 (06:36)

Nach Spielende flossen auf beiden Seiten Tränen. Bei Bad Vöslau waren es Tränen der Freude, bei Hollabrunn Tränen der bitteren Enttäuschung. Bad Vöslau tanzte durch die Weinviertelarena, während die Hollabrunn-Spieler etliche Minuten fassungslos und mit leeren Blicken am Hallenboden oder den Ersatzspieler-Sesseln saßen. Wie es so weit kam? Hollabrunn ging als leichter Favorit in die Halbfinalserie, gewann im Saisonverlauf alle drei Spiele gegen Bad Vöslau.

In der ersten Partie verschenkten die Thermalstädter noch eine Führung, Hollabrunn hatte ein Bein im Semifinale, oder zumindest den psychologischen Vorteil auf seiner Seite. Was folgte, war eine überzeugende Leistung der Jags in ihrem Heimspiel. Spiel drei musste die Entscheidung über den Finaleinzug, und viel entscheidender über den Aufstieg in die höchste Spielklasse, bringen.

Bad Vöslau nach Traumstart ohne Schuster

In einer im Rahmen der Covid-Vorschriften gut gefüllten Weinviertelarena erwischten die Gäste den etwas besseren Start, erspielten sich rasch einen Zwei Tore-Vorsprung. Nach einem Treffer von Daniel Forsthuber (mit 9 Tore wieder Topscorer) führten die Jags sogar mit 6:3. Danach fand Hollabrunn aber besser rein, zog das Momentum auf seine Seite, glich zum 7:7 aus, ging mit 9:8 erstmals in Führung. Fast gleichzeitig gab es für Bad Vöslau den nächsten Nackenschlag. Spielmacher Philip Schuster blieb nach einem Angriff verletzt liegen, musste gestützt vom Feld und kehrte im weiteren Spielverlauf nicht mehr zurück.

Hollabrunn ohne Führung in die Pause

Bad Vöslau blieb dennoch dran. Die Führung wechselte hin und her, ehe sich Hollabrunn anschickte vor der Pause davonzuziehen. 15:12 stand es knapp drei Minuten vor der Halbzeit. Die Weinviertler verpassten es aber eine Vorentscheidung herbeizuführen. Routinier Augustas Strazdas und Julian Riedner vom Flügel verkürzten für die Gäste. Der kurz zuvor eingewechselte Bad Vöslau-Keeper Felix Friedel stellte mit einem Empty Net-Treffer aus der Distanz den 15:15-Pausenstand her.

Enges Rennen wird ab Minute 50 einseitig

Die zweite Hälfte wippte in der Anfangsphase hin und her. Hollabrunn ging dreimal in Führung, Bad Vöslau glich dreimal postwendend aus. Raphael Muck traf danach zum 19:18 für die Thermalstädter. Was nichts daran änderte, dass sich beide Teams auf Augenhöhe begegneten. Bis zur 50. Spielminute stand es entweder unentschieden oder die Bad Vöslauer führten mit einem Tor Vorsprung. Mit einem Treffer von Muck zum 24:22 führte in der zweiten Halbzeit erstmals eine Mannschaft mit zwei Toren Vorsprung. Die Bad Vöslauer Rückraum-Flügel-Kombo erhöhte prompt zum 25:22.

Hexer entzaubert Hollabrunn endgültig

Hollabrunn fehlte daraufhin die Energie der Partie in der Endphase noch einmal zu drehen. Jags-Tormann Friedel (unglaubliche 52 Prozent Abwehrquote) entschärfte beim letzten Aufbäumen einen freien Wurf aus kürzester Distanz. Spätestens da war klar, dass Hollabrunn die Aufholjagd nicht mehr gelingt. Der UHC, der neben Bruck/Trofaiach, als großer Aufstiegsaspirant galt, muss also zumindest noch ein weiteres Jahr warten. Bad Vöslau darf sich zukünftig mit den Top-Teams des Landes messen. Kein Wunder, dass Co-Trainer Max Holly da bei der Siegesfeier "der Meister kommt aus Bad Vöslau" anstimmte. Spitzfindig angemerkt: Bad Vöslau muss erst Meister werden, trifft in der Finalserie ab Sonntag auf Mitaufsteiger Bruck/Trofaiach. Vielleicht war es auch einfach eine Kampfansage an die Steirer, wer den Titel holt, ist in dieser Saison sekundär. Der Aufstiegskampf ist entschieden.

Stimmen:

Das erfolgreiche Trainerteam Bernhard Folta und Maximilian Holly: „Wir sind sprachlos und stolz auf die Jungs, die sich diesen Erfolg hart erarbeitet und auch verdient haben. Wir haben unser selbst gestecktes Saisonziel erreicht und nur wenige hätten uns das zu Beginn der Saison zugetraut. Das zeigt das Potential dieser jungen, aus Eigenbauspielern bestehenden Mannschaft.“

Das Vorstandsteam Sandra Barta und Thomas Schartel: „Ein unglaublich schöner Tag für den gesamten Verein, der auch ein Erfolg harter Arbeit ist und Lust auf mehr macht. Wir gratulieren dem Trainerteam und der gesamten Mannschaft zu dieser phänomenalen Saison, die damit vereinsintern Legendenstatus erreicht haben. Jetzt werden wir mit dem Einzug ins Finale und dem Aufstieg in die HLA einmal ausgiebig feiern.“