Katrin Beierl: NÖ-Komet im Eiskanal. Als „Flachländerin“ mischt Katrin Beierl in der Zweierbob-Weltklasse mit. Die Himbergerin will nach dem überraschenden Podestplatz bei der EM weiter durchstarten.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 29. Januar 2019 (01:51)
Die Chemie stimmt im Team: Katrin Beierl mit Anschieberin Jennifer Onasanya.
Gepa Pictures/ Hans Osterauer

Der Schmäh darf nicht zu kurz kommen. So ziert das Konterfei von Katrin Beierl die Socken von Anschieberin Jennifer Onasanya. „Kati ist mein Schutzengel, also trag‘ ich sie immer bei mir“, grinst die ehemalige Speerwerferin. Auch Beierl kommt aus der Leichtathletik, ehe sie in Innsbruck-Igls der „Bobvirus“ packte. Mit Bronze bei der Europameisterschaft in Königsee hat sie 2019 ihr bisheriges Karriere-Highlight gesetzt.

„Das war ein unglaublicher Moment“, schwärmt die 25-Jährige, die als „Flachländerin“ im Eiskanal für Furore sorgt. Seit 2014 ist die einstige Hürdensprinterin im Bob unterwegs. Und das verflixt schnell! Das Jus-Studium brachte die Himbergerin nach Innsbruck. Die Premierenfahrt im Monobob, die sie auf der Olympia-Bahn in Igls absolvierte: „So etwas wie Liebe auf den ersten Blick!“

Beierl fuhr in ihrem ersten Weltcuprennen gleich auf Platz fünf, im Gesamtweltcup der laufenden Saison rangiert die Niederösterreicherin ebenfalls unter den Top 5. Hatte sie im Vorjahr als Olympia-17. in Pyeongchang noch Lehrgeld zahlen müssen, zeigt heuer die Formkurve nach oben. Trotz Schnupfen und Husten („die Verkühlung hatte keine Auswirkungen aufs Rennen“) behielt sie bei der EM die Nerven.

Das „Sportler-Gen“ liegt in der Familie

Eine Zehntelsekunde fehlte nach dem ersten Lauf auf Edelmetall. „Wir wussten, dass wir das aufholen können“, lieferte Beierl mit ihrer Teamkollegin im zweiten Lauf eine Topleistung ab. „Die schwierige Kurve S4 bin ich so gut wie noch nie gefahren. Im Kreisel haben wir erneut Zeit liegen gelassen, aber es hat zu Bronze gereicht!“ Der Podestplatz gibt Kraft, um auch mal Rückschläge zu verdauen. Wie am Samstag in St. Moritz, als der „NÖ-Bob-Komet“ disqualifiziert wurde. Weil eine der Kufen zu warm war, damit dem Reglement nicht entsprach.

„Schlichtweg unsportlich“, giftet sich Österreichs Sportdirektor Christian Auer, sieht ein Versäumnis des Veranstalters bei der Lagerung der Schlitten. Beierl lässt sich davon nicht aus der Bahn werfen, schließlich liegt das „Sportler-Gen“ in der Familie. Papa Michael war Hammerwerfer, gründete für seine Tochter in Himberg einen eigenen Bobklub. Mama Ulrike (unter ihrem Mädchennamen Kriendl) startete 1988 bei Olympia im Weitsprung. So schließt sich der Kreis …