Luka Wraber tauscht Racket mit Stapler. Badminton-Ass Luka Wraber hilft im REWE-Verteilerzentrum mit. Ob er die Olympia-Quali in der Tasche hat ist unklar.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 25. März 2020 (01:03)
Heeressportler Luka Wraber ist derzeit im REWE Verteilerzentrum im Bezirk Mödling im Einsatz. Statt Badmintonracket bedient er dort den Stapler.
privat

Der Weltverband (BWF) entschied diese Woche, dass alle weiteren Olympia-Qualiturniere abgesagt werden. Was das für den Wiener Neustädter Luka Wraber bedeutet, ist aber noch unklar. Als Nummer 36 des bereinigten Olympia-Rankings wäre der 29-Jährige eigentlich für Tokio qualifiziert. Doch ob er die Olympia-Fahrkarte tatsächlich in Händen hält, ist in Zeiten der Coronakrise mehr als unsicher. „Australien und Kanada haben schon gesagt, dass sie ihre Athleten nicht nach Tokio lassen“, glaubt auch Wraber mittlerweile nicht mehr daran, dass die Olympischen Spiele zum geplanten Zeitpunkt (ab 24. Juli) ausgetragen werden.

Bei einer Verschiebung um ein Jahr, in den Sommer 2021 würde wohl erneut die Qualimühle warten. „Irgendetwas wird man sich in diesem Fall einfallen lassen müssen“, meint Wraber: „Bei uns waren zehneinhalb Monate der zwölfmonatigen Quali vorbei. Da hätte sich zu 99 Prozent nichts mehr geändert. Es kann nicht sein, dass das alles für den Hugo war.“

Was mit dem großem Karriereziel Olympia wirklich passiert, ist zur Zeit aber noch rein spekulativ. Angekommen ist Österreichs Nummer eins im Badminton aber bereits in seinem neuen Alltag ohne Training in der Halle. „Ich konnte mir aber vom BSFZ Südstadt ein paar Sachen ausborgen“, sieht sich der ehemalige Badminton Mödling-Akteur bei Kraft- und Ausdauertraining gut aufgestellt. Doch für das Spiel mit dem Federball ist auch das sportartenspezifische Training enorm wichtig. Anders als beim Radfahren oder Eislaufen verlernt der Mensch den Bewegungsablauf beim Badminton nämlich rasch. „Es geht leider nicht, dass man eine Woche diese Bewegung gar nicht durchführt. Das ist dann so, als würde man einen Fremdkörper bewegen, anstatt seines eigenen Körpers“, schildert Wraber, der sich mit dem sogenannten Schattenbadminton fit hält.

Dabei führen die Sportler ihren gewohnten Bewegungsablauf exakt so aus, wie bei einer richtigen Badminton-Partie, allerdings ohne Ball und Gegner. „Man stellt sich einfach vor, man spielt. Das macht man 40, 45 Minuten. Das ist eigentlich ein ganz gutes Workout“, erzählt Wraber. Einschränkungen gibt es natürlich. Der Untergrund ist zu Hause anders als in einer Sporthalle. Das Tempo wird beim Schattenbadminton deshalb etwas reduziert, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. „Zumindest ich mache das so“, hält Wraber fest.

Neben dem adaptierten Trainingsplan stellt sich der ASKÖ Neudörfl-Spieler, wie so viele Sportler dieser Tage, in den Dienst der Allgemeinheit. Als Heeressportler hilft Wraber aktuell im REWE-Verteilerzentrum aus. „Wir wurden gefragt, aber es gab keine Verpflichtung“, war es für das Badminton-Ass eine Selbstverständlichkeit anzupacken. Nach einer kurzen Einschulung ging es dann auch gleich auf den Stapler. „Zuerst hatte ich keine Ahnung, was ich eigentlich machen muss, habe es dann aber recht schnell gelernt.“ Und während Wraber Jetlag normal von Turnierreisen rund um den Globus kennt, reicht im Moment eine Fahrt ins Verteilerzentrum. Denn am Montag und am gestrigen Dienstag standen zwei Nachtschichten auf dem Dienstplan des Heeressportlers.