Tennis: Pläne für Spielbetrieb sind am Weg. Ab 1. Mai darf wieder der Filzkugel hinterhergejagt werden. Eine ÖTV-Expertengruppe erarbeitet mit dem Ministerium die Rahmenbedingungen für das Verhalten auf den Anlagen. Bei einer Telefonumfrage unter allen 38 Mannschaftsführern aller Bundesliga-Teams der Herren und Damen hat sich in allen vier ÖTV-Bundesligen eine Mehrheit für die Austragung der ÖTV-Bundesliga 2020 ausgesprochen – sofern ein Spielbetrieb möglich ist. Die 2. Bundesligen haben mehrheitlich den Zeitraum Juni/Juli bevorzugt, die 1. Bundesligen Juli/August.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 25. April 2020 (10:36)
Wie in Kaumberg werden allerorts die Tennisplätze derzeit in Topzustand gebracht. Manfred Reinthaler, Johann Reischer, Obmann Martin Lampel und Christoph Seitlinger (v. l.) freuen sich auf den Saisonstart am 1. Mai.
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Bald ist es soweit und alle können das Tennisspielen wieder aufnehmen.
Der ÖTV hat in Zusammenarbeit mit den neun Landesverbänden und dem ÖTV-Lehrreferat, dem Bundesministerium für Sport am Freitag einen Vorschlag über allgemeine Verhaltensregeln auf Tennisplätzen ab dem 1. Mai 2020 übermittelt. Dieser Vorschlag wird derzeit im Gesundheitsministerium evaluiert.

Im täglichen Vereinsbetrieb (outdoor) sind demnach die allgemeinen Vorgaben der Bundesregierung natürlich jederzeit einzuhalten (Mindestabstandsregel, Beschränkung von Personenansammlungen). Restaurant, Klubräume, Garderoben, Tennishallen und weitere Räumlichkeiten bleiben bis auf weiteres geschlossen, WC-Anlagen sind aber offen zu halten.

Das Betreten der Klubräumlichkeiten/Tennishallen ist nur dann gestattet, wenn die WC-Anlagen nicht anders erreichbar sind. Wenn Getränkeverkauf erwünscht ist, kann ein Getränkeautomat oder Kühlschrank mit Geldeinwurf auf Vertrauensbasisaufgestellt werden (kein persönlicher Getränkeverkauf!). Das Bereitstellen von Desinfektionsmitteln an stark frequentierten Stellen der Anlage sowie auf den Plätzen ist genauso notwendig wie das Tragen von Gesichtsmasken auf der Anlage. Ausgenommen sind davon freilich die Spieler auf dem Platz. Es wird empfohlen, ein elektronisches Tennisplatzbelegungssystem einzurichten. Jedenfalls ist eine Dokumentation des täglichen Spielbetriebes verpflichtend für jeden Klub.

Es werden zunächst nur Einzelspiele gestattet sein. Eine Erweiterung auch auf Doppelbegegnungen wird mit der Bundesregierung laufend evaluiert. Der Trainingsbetrieb bei Erwachsenen soll als Einzeltraining oder in Kleinstgruppen (2-4 Personen plus Coach) als Stationsbetrieb durchgeführt werden. Bei Kindern (bis zehn Jahre) und Jugendlichen (11 – 18 Jahre) sind bis vorerst Mitte Mai nur Einzeltrainings möglich. Jeder Verein und jeder Spieler wird selbst dafür verantwortlich sein, sich über die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltensregeln auf dem Laufenden zu halten. Sobald vom Bundesministerium für Gesundheit Grünes Licht für die eingereichten Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen erfolgt, werden der ÖTV und die neun Landesverbände die Vereine informieren.

Meisterschaften auf freiwilliger Basis?

 „Ich bin überzeugt, dass wir bis nächste Woche ein Paket schnüren, das alle Vereine — von Bundesliga bis unterste Kreisliga — zufriedenstellen wird“, gibt sich Stefan Hirn vom dreiköpfigen ÖTV-Wettspielausschuss zuversichtlich, dass heuer auch ein Meisterschaftsbetrieb möglich sein wird. Und er verspricht, auf Wünsche der Vereine Rücksicht zu nehmen. Obwohl es noch nicht beschlossen sei, laufe unterhalb der Bundesliga alles auf eine Meisterschaftsteilnahme der Vereine auf freiwilliger Basis hinaus.

„Aufsteiger und Absteiger soll es keine geben, auch nicht in der Bundesliga“, gewährt Hirn Einblick in die Überlegungen. Als Fixpunkt wird der 1. Mai als jener Tag ins Auge gefasst, an dem bei den Vereinen mit dem Spiel auf den Anlagen und natürlich auch dem Training begonnen werden darf. Spitzenspieler mit einem WTA- oder ATP-Ranking (nur Einzel) dürfen schon seit 20. April mit ihrem Trainer beziehungsweise anderen Spitzensportlern im Freien trainieren.

Ein Meisterschaftsstart vor dem Juni ist ausgeschlossen, dann wird es viele Auflagen geben, auch für Hobbyspieler. Es wird überlegt, dass jeder nur mit seinen eigens gekennzeichneten Bällen aufschlägt, auf Handshakes ist definitiv zu verzichten. Innenanlagen wie Kabinen, Duschen, Kantine bleiben wohl geschlossen. Dass es möglicherweise keine Doppel geben wird, erachtet Hirn nicht als Problem. „Es gibt in der Bundesliga sechs Einzel, im Falle eines Remis wird das im Grunddurchgang als solches gewertet, und fürs Play-off muss man sich einen anderen Entscheidungsmodus ausdenken“, sagt er. Aus Kostengründen könnte überhaupt das Untere Play-off ausfallen.

Ohne Zuschauer ist Spielbetrieb nur schwer zu stemmen

Für Harlands Bundesligateam mit Riccardo Bellotti und Co. ist jedenfalls bis 1. Mai noch Heimtraining ohne Schläger angesagt, dabei ist die Anlage eigentlich schon lange fertig. „Wir haben ab 7. März bereits gespielt, bis dann Mitte März das Betretungsverbot gekommen ist“, erzählt Obmann Dietmar Sedletzky. Auf den Start für die Vereinsspieler am 1. Mai freut er sich daher umso mehr. „Alle fiebern diesem entgegen und online kann man sich schon für die Plätze anmelden, die auch dringend bespielt werden müssen, um Bundesliga tauglich zu werden.“

Für einen Bundesligastart sieht Sedletzky die finanzielle Frage an erster Stelle. „Der Verband sollte nicht krampfhaft eine Meisterschaft erzwingen, denn bei Geisterspielen ohne Einnahmen werden die meisten Vereine vom Verband finanzielle Unterstützung benötigen, um überleben zu können“, erinnert Sedletzky daran, dass er vor zwei Jahren bei einem Spiel sogar über 400 Zuschauer hatte. „Von solchen Einnahmen lebt ein Verein!“ Auch könne man Sponsoren derzeit nicht einfach Rechnungen vorlegen. „Es wollen uns zwar alle weiterhin unterstützen, aber auch die Firmen kämpfen mit Problemen!“

Hirn ist sich dessen bewusst. „Auch daran denken wir und suchen nach Möglichkeiten, die Mannschaften finanziell zu unterstützen“, sieht Hirn aber sogar eine Chance fürs Tennis in dieser Zeit. „Wir zählen zu den ersten Sportarten, die wieder aktiv sein dürfen, und Fernsehanstalten suchen beispielsweise händeringend nach Sport-Content“, hofft Hirn, dass  der Verband Tennis auch entsprechend vermarkten kann.

Ursprünglich hatte Sedletzky auch heuer wieder mit einem Platz im oberen Play-off geliebäugelt, doch nun will er lieber kleinere Brötchen packen. „Das untere Play-off wäre günstiger, speziell wenn es entfällt!“
Die Frage ist überhaupt, ob alle Mannschaften teilnehmen können. Hinsichtlich der Legionäre sieht Hirn aber keine Probleme. „Wir haben zum Glück heuer bereits vorgeschrieben, dass vier Inländer in jeder Mannschaft aufgestellt werden müssen, es sollte daher kein Problem sein, sechs Mann aufzubieten, auch wenn Ausländer nicht anreisen können.“ Für Harlands Chancen könnte es sogar ein Vorteil sein, da man sogar fünf Inländer in der Stammformation hat, denn mit Bellotti wohnt auch die Nummer eins in Wien.

Auch die kleinen Vereine sind gerüstet

„Da die Kreismeisterschaften heuer in Traisen stattgefunden hätten, wollten wir bestmögliche Platzbedingungen schaffen und haben die Platzarbeiten an eine Firma ausgelagert, der Platzwart und ich haben die Arbeiten dann finalisiert“, erzählt Heinz Zebenholzer vom TC Traisen. 
Wie praktisch alle Klubs ist man auch in Traisen für einen Ansturm am 1. Mai gerüstet und Zebenholzer verspricht, die Auflagen einzuhalten. „Natürlich kann ich als Obmann nicht Tag und Nacht kontrollieren, mache mir bei unseren Spielern aber keine Sorgen, dass sie eigenverantwortlich alles umsetzen.“ 

Tennismeisterschaft für "arbeitslose" Kicker

Auch Ramin Madaini vom Sportzentrum NÖ, der heuer mit seinen Damen nach dem Abstieg im Vorjahr heuer eigentlich den sofortigen Wiederaufstieg in die Landesliga A schaffen wollte und diesen Angriff nun abblasen muss, will die Chance fürs Tennis nutzen. „Viele Kicker sind auch leidenschaftliche Tennisspieler und vermissen den Wettkampf im Fußball“, lautet seine Überlegung. Diese hat auch Petra Schwarz, Präsidentin vom NÖ Tennisverband, gleich sehr gut gefallen. In einer Telefonkonferenz wurde am Freitag beschlossen, dass man Kontakt mit NÖFV-Präsident Johann Gartner aufnehmen wird, um eventuell eine Kooperation für eine Tennismeisterschaft für Kicker ins Leben zu rufen.