Der Kraftlackl im falschen Trikot. GOLD UND SILBER / Schade, dass er für Deutschland startet: Matthias Steiner eilt von Erfolg zu Erfolg.

Erstellt am 04. Oktober 2010 (00:59)
NOEN, SEFA KARACAN (ANATOLIAN AGENCY)
VON BERNHARD SCHIESSER
„An der Copacabana und am Wörthersee, starke Männer sind nie passé“, sang die EAV einst. Für Österreichs Sportszene gilt diese Textzeile nur bedingt. In den Siebzigerjahren machte sich mit dem Steirer Arnold Schwarzenegger bereits ein Kraftlackl auf, um fern der Heimat Karriere zu machen. Drei Jahrzehnte später wird einem weiteren Muskelmann erst im Ausland jene Anerkennung zuteil, die ihm in Österreich versagt blieb. Den Obersulzer (Bez. Gänserndorf) Matthias Steiner zog es 2005 nach einem Streit mit Funktionären des Gewichtheberverbandes nach Deutschland. Nach seiner Einbürgerung holte er 2008 Olympisches Gold in Peking und vor wenigen Tagen Gold im Stoßen und Zweikampfsilber bei der WM in Antalya. „Wäre ich in Österreich geblieben, hätte es wahrscheinlich keinen Olympiasieger Steiner gegeben“, meinte der Weinviertler damals.

Ein Weinviertler wurde zu Deutschlands Sportliebling
Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Gewichtheber aber nicht nur durch seine sportlichen Leistungen, sondern dadurch bekannt, wie er sein Leben trotz eines schweren Schicksalsschlags stemmte. Seine erste Frau Susann starb 2007 bei einem Verkehrsunfall. Ein Jahr später nahm er Olympiagold unter Tränen und mit einem Bild seiner verstorbenen Frau in Empfang.
In Interviews hört sich Steiner mittlerweile an wie ein waschechter Deutscher. Mutter Michaela muss darüber schmunzeln: „Es ist doch völlig normal, dass man sich seiner Umgebung anpasst. Mit mir redet er aber nach wie vor im Weinviertler Dialekt.“
Das Gewichtheben wurde Matthias in die Wiege gelegt. Vater Friedrich (Seniorenweltmeister) traute seinem Junior zunächst keine große Karriere zu, wie sich Michaela Steiner erinnert: „Mein Mann meinte immer, Matthias halte die Hantel wie einen Besenstiel und dass aus ihm nie ein Gewichtheber werde.“ Wie man sich doch täuschen kann …
Nicht nur sportlich, auch privat läuft bei Matthias Steiner alles wunderbar. Im Winter heiratete er die TV-Moderatorin Inge Posmyk. Wenige Monate später kam Sohn Felix zur Welt. Sehr zur Freude von Oma Michaela. In den nächsten Tagen wird sie zum Babysitten nach Deutschland reisen. Matthias und Inge gönnen sich Urlaub.
Seine Freunde hat der gelernte Installateur nicht vergessen, wie Jugendfreund und Fanklubobmann Rene Boyer bestätigt: „Via Internet und Skype haben wir jetzt fast mehr Kontakt als früher. Matthias ist ja auch Taufpate meines Sohnes.“