Die Karriere danach. Studierende Fußballprofis /  Die SC Wiener Neustadt-Kicker Mattias Sereinig und Christoph Freitag büffeln neben Profiverpflichtungen an ihrem Fernstudium – und haben Spaß dabei.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 27. Oktober 2014 (06:16)
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Ja, Fußballprofis haben viel Freizeit. Immer noch, auch wenn sich der Alltag eines Kickers mehr und mehr dem eines „normalen“ Jobs annähert.

„Viele spielen stundenlang auf der PlayStation. Das ist mir zu blöd“, schmunzelt Mattias Sereinig. G’scheid ist eher, sich als Fußballprofi in Österreich über die Zeit nach der Karriere Gedanken zu machen, ausgesorgt haben nach dem Profidasein nämlich die wenigsten.

„Viele spielen stundenlang auf der PlayStation. Das ist mir zu blöd!

Mattias Sereinig weiß Besseres mit seiner Freizeit anzustellen.

Die zwei SC Wiener Neustadt-Kicker Sereinig und Christoph Freitag dachten also nach. Über die Fußballergewerkschaft, Vereinigung der Fußballer, wurden sie auf die Möglichkeit eines Fernstudiums aufmerksam. Seit einigen Wochen lauschen sie zum Thema Sport-Managment online Vorlesungen und schreiben Arbeiten. „Eine tolle Sache“, findet Freitag, der zuvor auch schon versucht hat, auf normalem Weg zu studieren. „Das habe ich aber bald wieder sein lassen. Es war zeitlich einfach unmöglich“, erinnert sich der 24-Jährige.

Teamkollege Thomas Vollnhofer weiß, wovon Freitag spricht. Der 30-jährige Kirchschlager startete sein Sport-Studium noch als Regionalligatorhüter im Dress des SKN St. Pölten. Als die Wölfe aber in die Erste Liga, also in den Profifußball, aufstiegen, wurde es schwierig. „Wäre da nicht schon der Abschluss in Sicht gewesen, hätte ich es vermutlich sein lassen.“ Jetzt ist er froh, dass er sein Studium abschloss und auf die Karriere danach vorbereitet ist.

Wenige für danach ausgesorgt

Auf dieses Thema angesprochen, setzen Sereinig und Freitag einen besorgten Blick auf. „Bei vielen jungen Spielern wundere ich mich oft, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Viele leben einfach im Hier und Jetzt und denken nicht nach“, meint der 29-jährige Sereinig. Dabei muss Fußballprofis in Österreich klar sein, dass nur ganz wenige so viel Geld mit dem Fußball verdienen können, um finanziell ausgesorgt zu haben. Punkto Aufklärung sieht Freitag keinen Mangel: „Nein, nein. Das wird einem auch schon in den Fußball-Akademien gesagt. Vielleicht wollen es aber manche nicht wahrhaben.“

Übrigens, Sereinig und Freitag glauben nicht, dass die Zusatzbelastung ihrer Leistung auf dem Fußballplatz schadet. „Ich brauche einfach etwas für den Kopf. Nur Fußball reicht mir nicht“, findet Sereinig. Freitag hakt ein: „Das Gehirn ist ein Muskel, den man trainieren muss.“ Und ein fittes Gehirn schadet auch einem Fußballer nicht.

Bundesliga-Studenten

SC Wiener Neustadt

Christoph Freitag, Matthias Sereinig (beide Fernstudium Sport-Management)
Mario Ebenhofer (Sport)
Thomas Vollnhofer (Sport – abgeschlossen)

Admira Wacker

Daniel Toth (Wirtschaft)

SV Horn

Florian Sittsam (Geografie und Englisch), Mario Kröpfl (Sport und Geschichte)

SKN St. Pölten

Lukas Kragl (Wirtschaft)