Johannes-Dürr-Buch: Das fehlende Kapitel. Der Lilienfelder Martin Prinz schrieb gemeinsam mit Johannes Dürr ein Buch über dessen sauberen Weg zurück. Der hat den Pfad der Unwahrheit aber nie verlassen.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 12. März 2019 (16:41)
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Das gemeinsame Buch von Autor Martin Prinz (r.) und Co-Autor Johannes Dürr (l.) liest sich nach den jüngsten Dopingenthüllungen ein wenig anders.

Seit einer Woche ist klar: Langläufer Johannes Dürr ist im aktuellen Doping-Skandal nicht Zeuge, sondern einer der Hauptprotagonisten. Der Göstlinger dopte während seiner zweijährigen Sperre weiter. Seine Läuterung war eine einzige Lüge.

Zurück bleibt ein Scherbenhaufen. Nicht nur bei Dürr, sondern auch bei jenen Menschen, die an ihn glaubten. Einer davon ist Martin Prinz. Der Lilienfelder Autor ist seit Jahren mit Dürr freundschaftlich verbunden.

Das Buch „Der Weg zurück“ sollte die Wandlung zum sauberen Sportler dokumentieren. Vorigen Dienstag wurde Dürr in Innsbruck verhaftet. Prinz setzte sich sofort in den Zug. „Ich wollte, dass er mich dabei anschauen muss“, war für Prinz eine andere Entschuldigung keine Option.

„Ich wollte, dass er mich dabei anschauen muss.“ Autor Martin Prinz fuhr nach der Verhaftung von Johannes Dürr extra nach Innsbruck.

Nicht nur der Vertrauensbruch eines Freundes setzt dem 45-Jährigen zu, er sieht auch seinen Ruf als Autor beschädigt. Zudem beklagt Prinz einen finanziellen Schaden. Der Buchverkauf selbst ist ein Minusgeschäft.

„Der Weg zurück“ ist im Jänner erschienen, der Verkauf lief langsam an. „Die Einnahmen waren überschaubar, und ich musste sie mit meinem Co-Autor Dürr teilen und versteuern. Und das alles für vier Jahre Arbeit“, beschreibt Prinz. An eine Klage gegen seinen Weggefährten will Prinz vorerst nicht denken: „Das ist nicht meine Art. Ich warte jetzt einmal ab, was von Johannes diesbezüglich kommt.“

Die Exemplare der ersten Auflage werden trotz der jüngsten Geschehnisse bald verkauft sein. Auf eine zweite Auflage verzichtet der Verlag. In zwei Wochen sollte Prinz mit Dürr in Traisen eine Lesung halten. Die will der Autor jetzt alleine durchziehen. Kostenlos, wie er betont: „Das ist meine Heimat. Ich will mich den Fragen der Leute stellen. Das wird eine Mischung aus Lesung und Diskussion.“

Zu diskutieren gebe es nämlich zum Thema Doping reichlich. Bei aller Enttäuschung, glaubt Prinz nämlich, dass es einen Grund dafür gibt, dass Johannes Dürr die Öffentlichkeit und vor allem die Menschen, die ihm nahe stehen, hinters Licht führte. Und das gleich zweimal.

„Man muss sich das System Hochleistungssport anschauen. Es gibt so viele verschiedene Perspektiven, die alle zeigen, dass da was falsch läuft.“ Prinz sieht im Leistungssport eine großteils geschützte Werkstätte, die weder Moral noch Schuldbewusstsein kenne.