Die Basketball-Hochburg Niederösterreich

Niederösterreich stellt mit Klosterneuburg, St. Pölten und Traiskirchen drei Aushängeschilder des österreichischen Basketballs. Gleich 19 Meistertitel wurden seit 1983 gefeiert.

Manuel Burger
Manuel Burger Erstellt am 28. August 2021 | 04:00
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1994 holte Möllersdorf unter Obmann Helmut Niederhofer den zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte.
Foto: privat

Der Niederösterreichische Basketballverband wurde 1954 unter Präsident Edmund Dworak gegründet. Zwei Jahre später übernahm Friedrich Koch für 25 Jahre dieses Amt. Damals wurde in St. Pölten, Eggenburg, Mistelbach und Bruck gespielt. Vor allem aber in Klosterneuburg, wo Basketball eine überaus lange Tradition hat.

Bereits 1952 wurde Basketball als Sektion des Klosterneuburger Sportvereins (KSV) gegründet. 1970 fusionierten die beiden Klosterneuburger Klubs „Asturia“ und „1. KBC“ zum heutigen „BK Klosterneuburg“. Im Jahr 1978 trug sich dieser unter Coach Gerd Höllerl als erster österreichischer Basketballmeister, der nicht aus Wien kam, in die Annalen ein. Besonders in Erinnerung blieb ein Auftritt im Europacup, in einem Freiluftstadion in Kairo vor fast 20.000 Fans.

BK auf Siegeszug

1983 begann schließlich die „goldene Ära“, in der der BK Klosterneuburg acht Mal in Folge den Meisertitel gewann. Sieben Mal Meister wurde auch der Spieler Franz Zderadicka, der 2021 als Trainer mit dem Double der BK-Damen für Furore sorgte. Erfolgreichen Damen-Basketball gab es in Klosterneuburg aber bereits um die Jahrtausendwende, als von 1998 bis 2003 sechs Meistertitel geholt wurden.

Im Klub freut man sich über den Rekordmann Franz Zderadicka: „Ich schätze Franz extrem. Neben seiner fachlichen Kompetenz hat er einen guten Charakter und strahlt Ruhe aus“, sagt Obmann Werner Sallomon. Neben Zderadicka glänzten aber auch der ebenfalls siebenfache Meister Werner Karasek und  Lucas Hajda, dem fünf Titel gelangen. Ebenfalls fünf seiner elf Meistertitel holte der Wiener Herbert Haselbacher mit dem BK, drei folgten als Trainer.

Klosterneuburgs Dominanz endete 1990 nach einem schweren Autounfall in Ungarn, in den fünf Spieler verwickelt waren. „Die Mannschaft ist auseinandergebrochen“, so Sallomon, der 2004 als Trainer und Obmann übernahm. Genau 60 Jahre nach der Gründung des Vereins führte Sallomon den Klub 2012 zurück an die Spitze, zur insgesamt zehnten Meisterschaft. „Der Titel war das große Highlight der ganzen Aufbauarbeit“, so der ehemalige Trainer. 2013 folgte dann der Cupsieg. Nach 500 Spielen machte der Meistermacher, der drei Jahre auch das Nationalteam trainierte, schließlich 2020 als Coach Schluss.

St. Pölten und die goldenen Neunziger

Im Jahr 1955 ging die „UKJ St. Pölten“ als Verein aus der „Union“ und „KJ Hippolyt“ hervor. St. Pöltens „Mr. Basketball“, Hubert Schreiner, war später langjähriger Spielertrainer und schaffte mit seiner Mannschaft den Sprung in die A-Liga. Was danach folgte, war eine Erfolgsgeschichte, die von sechs Meistertiteln und drei Cupsiegen gekrönt war.

„Es war eine großartige Zeit“, schwärmt Schreiner, der nach dem Aufstieg seine Spielerkarriere beendete, fortan als Trainer, später als Sportdirektor tätig war. Und damit St. Pöltens Basketball über mehrere Jahrzehnte prägte. „Ich denke mit großer Dankbarkeit und Freude zurück. Das Schönste war, dass wir die Erfolge großteils mit St. Pöltner Spielern erreicht haben.“

Dieter Nusterer, Dietmar Bauer und Co. schafften die Sensation und holten sich 1993 gegen die Profitruppe „SPI Wien“ die erste Meisterschaft. „Der erste Meistertitel war der schönste“, sagt Schreiner. Aber auch die drei Legionäre schlugen ein: Neno Ašceric´ wurde zum Leader, Serguei Orekhov und Valera Korolev zu genialen Weggefährten. „Sie alle sind zu St. Pöltnern geworden“, beschreibt Schreiner die einzigartige Entwicklung.

Aber auch international war die niederösterreichische Mannschaft sehr erfolgreich. Zum Beispiel bei einem Gastspiel in Istanbul vor 10.000 Zuschauern, wie sich Schreiner erinnert: „Da war die Halle schon eine Stunde vor Spielbeginn voll.“

Höhepunkte waren aber auch der klare 71:51-Auswärtssieg gegen das litauische Topteam „Zalgiris Kaunas“ oder das Heimspiel gegen Europacupsieger „Panathinaikos Athen“ vor 2.000 Fans. Nach dem Wegfall des Hauptsponsors „Süba“ musste man kleinere Brötchen backen, ist dann aber unter das Dach des „SKN“ zurückgekehrt.

Unweit von St. Pölten wurde auch beim „UBBC Herzogenburg“ Geschichte geschrieben. Die Damen holten zwei Meistertitel – 1996 als erstes NÖ-Team überhaupt – und zwei Cupsiege.

Traiskirchen im Rampenlicht

Unter Pfarrer Friedrich Tscherney war 1966 die Geburtsstunde der „UKJ Möllersdorf“ (später UBM Traiskirchen), der 1983 der Aufstieg in die Bundes- liga gelang. Ab 1992 übernahm Helmut Niederhofer, der für den Klub 420 Mal als Spieler aufgelaufen war, das Amt des Obmanns und fungierte als solcher bis 2016. Als Niederhofer (aktuell NBBV-Präsident) schließlich auch als sportlich Verantwortlicher Schluss machte, konnte er auf eine 46 Jahre lange Periode beim Klub zurückblicken. Einer erfolgreichen Epoche mit drei Meisterschaften und ebenso vielen Cupsiegen.

„Der erste Meistertitel war der überraschendste, der zweite im fünften Spiel gegen den Dauerrivalen St. Pölten und der dritte in der neuen Halle. Alle drei waren schön und herausragend“, erinnert sich Niederhofer. Auf der Wall of Fame hängen im Lions Dome die Trikots der damaligen Helden: Killian, Hajda, Maticky, Fritz, Graf und Lutz. Die Meistermacher waren Ersek, Nance und Payton. Beim ersten Cupsieg hatte Zderadicka das Sagen und somit auch abseits Klosterneuburgs Erfolg.

Aber auch internationale Topstars machten in Traiskirchen halt. Wie der Serbe Nemanja Bjelica, später Euro-League-MVP- und NBA-Star bei Minnesota, Sacramento und Miami mit über 350 Partien. Und der Kroate Aramis Naglic, der zuvor bei den Olympischen Spielen 1992 im Finale gegen das legendäre US-Dreamteam um Jordan und „Magic“ Johnson auf dem Feld gestanden war. Das Engagement von Naglic verlief kurios. Vom Kärntner Präsidenten erfuhr Niederhofer, dass Naglic einem seiner Spieler kundgetan hatte, nächste Saison in Traiskirchen zu spielen. „Nur hatte ich noch nichts davon gehört“, schmunzelte Niederhofer, der den Sensationsdeal dann nur mehr vollenden musste. „Er wollte unbedingt in die Nähe von Wien.“

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In St. Pölten bereitete sich Österreichs erster US-Export Jakob Pöltl (l.) auf die Länderspiele vor. Und taufte gleich mal St. Pölten um ...
Claus Stumpfer

Eine ganz besondere Geschichte weist der St. Pöltner Thomas Schreiner, Sohn von Hubert Schreiner, auf. Der Guard schaffte es nämlich nach Spanien, in die zweitstärkste Basketball-Liga der Welt, und er ist weiterhin auf dem besten Weg, sich weiter in Österreichs Basketball-Geschichte zu verewigen. Das Talent wurde ihm von seinen Eltern in die Wiege gelegt. Schreiner war schon in frühen Jahren ein Leistungsträger in St. Pölten. Wer ihn auf dem Feld sah, wusste um seine besonderen Fähigkeiten. Und es entstand eine große Karriere. Nach Stationen in St. Pölten, Fürstenfeld und Kapfenberg wechselte der Guard 2012 nach Spanien. Mit Andorra stieg Schreiner 2014 in die erste Liga Spaniens auf, nach der NBA in den USA die zweitstärkste Liga der Welt. Und machte dort, in Burgos und Bilbao, 160 ACB-Partien.

Auf Rekordjagd

„Ich habe viele schöne Erinnerungen. Man kann sich hier gar nicht vorstellen, welchen Stellenwert der Basketball in Spanien hat“, schwärmt Thomas Schreiner. Ein Karriereende in seiner Geburtsstadt sei dennoch nicht ausgeschlossen: „Mir liegt St. Pölten am Herzen.“

Schon mit 18 Jahren debütierte Schreiner im österreichischen Nationalteam. Noch hält der 1985 aufgestellte Rekord von Peter Wolf mit 155 Länderspielen. Doch Schreiner, der in Kürze die 150er-Marke knacken wird, ist auf dem besten Weg zum österreichischen Rekordnationalspieler.

Wenn es die NBA zulässt, trifft der St. Pöltner im Nationalteam auf einen Wiener, der 2013/14 für eine Saison als 18 Jahre alter Center in Traiskirchen aufschlug, um dann in den USA durchzustarten: Jakob Pöltl. „Ich hatte ihn schon lange beobachtet und versucht zu holen. Er hatte damals schon einen herausragenden Charakter. Er hat jeden Tag dazugelernt, alles aufgesaugt, was für ihn gut war. Das war seine größte Stärke. Seine Grenzen waren nicht sichtbar“, so der damalige Obmann Helmut Niederhofer. Mittlerweile hat Pöltl 371 Spiele seit seinem NBA-Start 2016 in Toronto und San Antonio absolviert.