Ein Leben am Limit. Sportklettern / David Lama landet einen Kino-Hit, NÖ-Top-Sportler dagegen am Stockerl: Kilian Fischhuber & Co. klettern als „Flachländer“ an die Spitze. Von Wolfgang Wallner

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 31. März 2014 (23:59)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
NOEN

Von Wolfgang Wallner 

Mehr als ein Berg, vielmehr ein Mythos in der Alpinisten-Szene: Der Cerro Torre in Patagonien. 3.000 Meter blanker Fels – und ein Österreicher hat den Schreckensberg erstmals freikletternd bezwungen. David Lama und die spektakuläre Kino-Doku über seinen Gipfelsieg sind in aller Munde. Die wahre Hochburg der Sportkletterer steht aber im Flachland. Niederösterreich mischt in der Szene ganz vorne mit – allen voran Kilian Fischhuber (31). „Klar, hab’ ich mir den Film angeschaut“, sagt der Waidhofener, der sich mit Lama auch schon im Weltcup-Zirkus duelliert hat. „Ich respektier’ seine Leistung, so wie ich Abfahrer respektiere, die sich die Streif hinunterstürzen. Nur hat das mit Wettkampfklettern nichts zu tun.“

Fischhubers Cerro Torre steht unterm Hallendach, baut sich Wettkampf für Wettkampf von Neuem auf. Schließlich gilt’s beim Bouldern darum, die optimale Route auszutüfteln, präzise zu bewältigen. Kurz und knackig eben – so mag’s der Waidhofener. „Der Reiz liegt darin, sich stets neu auf Routen einzustellen, die Lösung für einen Boulder zu finden.“

Das Klettern am Fels ist dabei unabdingbar („dabei kann man auch viel für die Halle mitnehmen“) – u. a. in Jordanien und Israel hat sich Fischhuber auf die bevorstehende Saison vorbereitet. „Wo ich stehe, weiß ich wohl erst beim Weltcup-Auftakt in China“, sagt Fischhuber. Fünf Mal hat er den Gesamtweltcup bereits gewonnen, mit Rang zwei am Samstag beim Austria Cup eine gelungene Premiere gefeiert. Großes Ziel bleibt „ein Podestplatz bei der WM in München“. Größter Gegner: Titelverteidiger Dimitri Scharafutdinow (Russland), den er bei der EM in Eindhoven bezwungen hat.

Nächste Generation steht schon am Start 

Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Wie Jessica Pilz (17), bereits dreifache Weltmeisterin im Jugendbereich, (Fischhuber: „Dass sie Riesenpotenzial hat, ist nicht zu übersehen.“) oder ihre Vereinskollegin beim OeAV Haag, Laura Stöckler (14). Bereits am Sprung in den Weltcup ist der Eichgrabener Georg Parma: „Zwei Starts sind für heuer geplant, zum Hineinschnuppern.“ Edelmetallchancen rechnet er sich dagegen bei der Jugend-EM wie auch bei der WM (Vorstieg-Klettern) aus.

Der Klettersport boomt. „Kilian Fischhuber hat viele inspiriert“, weiß Robert Parma, Vizepräsident des NÖ-Verbandes, „Wir haben viele kleine Gruppen an Standorten wie der Kletterhochburg Haag, Weinburg oder Neunkirchen, die ungemein engagiert arbeiten.“ Hallen sprießen wie die Schwammerl aus dem Boden, bald kommt auch in der Südstadt eine Kletter-Arena dazu. „Der Knackpunkt wird sein, genügend qualifizierte Trainer für alle Standorte zu finden“, sagt Parma. Wenn der „Cerro Torre“-Streifen dazu beiträgt, den Boom „weiter zu pushen, dann soll’s mir Recht sein.“

Klettern als Kino-Hit: „Cerro Torre“

Der Tiroler David Lama hat als erster Freikletterer die 3.133 Meter hohe Granitnadel des Cerro Torre im Süden Patagoniens bezwungen.

Seinen Kampf um den Gipfelsieg schildert die Dokumentation „Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance“, die in der vergangenen Woche in den österreichischen Kinos Premiere gefeiert hat.

Der Waidhofener Weltklasse-Mann Kilian Fischhuber (31) hat sich mit „Alpinisten-Wunderkind“ Lama lange im Boulder-Weltcup gematcht.