Giovanni Lottspeich: En garde! In jedem Alter

Fechtmeister Giovanni Lottspeich spricht auch die reiferen Jahrgänge an.

Erstellt am 21. November 2021 | 04:56
Giovanni Lottspeich
Giovanni Lottspeich demonstriert mit Marco Grasso (re.) grundlegende Aktionen.
Foto: Gaby Schätzle-Edelbauer

Stolz, Eleganz, Schnelligkeit und Treffsicherheit sind Eigenschaften, die dem Fechten über Jahrhunderte die Aura einer zeitlosen Noblesse verliehen haben. Traf man sich einst auf einer Lichtung, um Satisfaktion zu verlangen oder die Ehre wieder herzustellen, so ist es heute die Planche, die 14 Meter lange, schmale Fechtbahn, auf der Treffer und Punkte über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Aus dem blutigen Duell im Morgengrauen ist eine faszinierende und beliebte Sportart geworden, die zu den ältesten olympischen Disziplinen zählt: 1896 in Athen standen die Disziplinen Säbel, Florett sowie Florett für Fechtmeister auf dem Programm.

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Gaby SchätzleEdelbauer

Die Zeitlosigkeit dieses Sports spiegelt sich auch im Alter derer, die ihn ausüben, denn die Klingen zu kreuzen ist keineswegs nur den Jungen vorbehalten. „Natürlich sind Schnelligkeit, Wendigkeit und Reaktionsvermögen wichtige Eigenschaften“, weiß Johann „Giovanni“ Lottspeich (72), seit Jahrzehnten Cheftrainer der Fechtunion Mödling, Vizepräsident, Ausbildungsreferent und Chef der Kampfleiterkommission des Österreichischen Fechtverbandes und einer der erfahrensten Trainer Österreichs, „aber es hängt auch sehr viel von Erfahrung, Taktik und Routine ab, und da kann man mit den Jahren immer punkten.“

Für jedes Alter geeignet

Lottspeich weiß von 80- und 90-Jährigen, die noch fechten: „Dieser Sport ist für jede Altersstufe geeignet, diese Leidenschaft lässt einen nicht los, es gibt Veteranen-Weltmeisterschaften und Europameisterschaften, die große Starterfelder zu verzeichnen haben, und die Teilnehmer kämpfen wie die Löwen.“

Lottspeich, von allen nur „Giovanni“ genannt, kann nicht nur auf eine äußerst erfolgreiche Trainerlaufbahn verweisen (er hat Mannschaften aufgebaut, die Olympiavierte wurden, und die Fechtunion Mödling ist seit Jahren der erfolgreichste Fechtclub Österreichs), er blickt auch auf eine schillernde Karriere als Leistungssportler zurück. Er war in der Nationalmannschaft (Säbel und Florett), mehrfach WM-Teilnehmer (Säbel) und 1972 sogar im Olympiakader (Säbel): „30 bis 40 war immer das beste Wettkampfalter.“ Er selbst begann im Alter von zwölf Jahren mit Florett.

Seine Trainertätigkeit erstreckte sich auch aufs Bühnenfechten. Niemand Geringerer als Herwig Seeböck animierte ihn dazu. Die Namen seiner Fechtschüler lassen vermuten, dass der Spaß nicht zu kurz kam: Alfred Dorfer, Roland Düringer, Andrea Händler, Mischa Fernbach und Monika Weinzettl waren nur einige von ihnen. Giovanni machte sich als Fechttrainer der Schauspielschule des Volkstheaters einen Namen und choreographierte heuer die Scharmützel in Bruno Max’ Inszenierung der „Drei Musketiere“ im Rahmen des Mödlinger Theatersommers.

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zVg

Nachdem Giovanni sich über Jahrzehnte dem Aufbau der Fechtjugend gewidmet hat, will er nun auch die reiferen Jahrgänge verstärkt ansprechen: „Ich habe schon vor Jahren einen Kurs gemacht für 40 plus und auch 60-Jährige, das lief sehr gut, und ich möchte so etwas wieder aufbauen.“

Alles, was dazu nötig sei, könne man auch im Alter lernen. Die Stärke der Älteren kann beispielsweise in der Taktik liegen: „Es geht darum, gedanklich Situationen zu erzeugen, die Treffer bringen. So kann ein ,alter Fuchs‘ durchaus einen jungen Heißsporn besiegen“, weiß Giovanni vom Mödlinger Gerd Margetich, der damals als 50-Jähriger einen sehr guten Junior (20) bei der Staatsmeisterschaft besiegte und diesen einigermaßen fassungslos zurückließ.

Aber auch die Zielgruppe, die nicht mit Wettkämpfen liebäugelt, soll angesprochen werden: „Jeder kann mit dem Fechten beginnen, bewegungstechnisch ist das kein Problem. Gut ist es natürlich, wenn man intakte Gelenke hat. Die Koordination ist recht anspruchsvoll, man braucht Distanz- und Rhythmusgefühl, es ist aber auch viel geistige Arbeit dabei, wenn es darum geht, den Gegner zu Aktionen zu verleiten. All das ist in jedem Alter erlernbar und jeder macht es so gut, wie er kann.“ Mit entsprechenden Aufwärmund Dehnübungen ist das Fechten zudem eine ideale Haltungsund Gleichgewichtsschulung. So kann es auch im reifen Alter heißen: „En garde!“

www.fecht-union-moedling.at

 

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