Erstellt am 16. Juni 2014, 06:56

von Wolfgang Wallner

Fischer führt Regie. Das Ballspektakel als großes Pressetheater: 19.000 Journalisten berichten aus Brasilien. Als Medien-Chefin behält Delia Fischer (39) aus NÖ den Überblick.

Top-Job beim Weltfußballverband: Delia Fischer (39) aus Willendorf bei Spitz.  |  NOEN, APA/FIFA/Getty/Vogel, zVg

Vom beschaulichen 300-Seelen-Örtchen Willendorf bei Spitz ins brodelnde Maracana-Stadion: An Delia Fischer führt bei der Weltmeisterschaft in Brasilien kein Weg vorbei. Als erste Frau fungiert die 39-jährige Niederösterreicherin als Medienchefin des Weltverbandes FIFA. Ob sich Spaniens Teamchef Vicente del Bosque für die historische 1:5-Pleite gegen Robben & Co. rechtfertigt, ob es gilt, die Proteste gegen die WM zu „relativieren“, oder die von der FIFA verhängte Funktionssperre gegen „Kaiser“ Franz Beckenbauer zu kommentieren – alles läuft über den Tisch der Willendorferin.

Bereits drei Wochen vor dem Anpfiff in Rio de Janeiro war die Österreicherin vor Ort. Ein Tag unterm Zuckerhut müsste mehr als 24 Stunden haben für Delia Fischer. Als „Head of Media“ leitet die Vollblutjournalistin, die schon mit 16 Jahren – damals noch Schülerin am Sacre Coeur in Pressbaum – bei Radio Wien an der Seite von Edi Finger junior moderiert hat, ein 14-köpfiges Team, das für die Weltmeisterschaft auf 50 Mitarbeiter aufgestockt wurde.

500 Anfragen pro Tag auf dem Schreibtisch 

Schließlich gilt es, rund 18.600 akkreditierte Medienvertreter mit Infos zu versorgen. „Das sind um ca. 3.000 mehr als 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika“, erklärt Fischer, „Der Zuwachs kommt vor allem aus dem TV-Bereich!“ Ihre Abteilung sieht Fischer als „One-Stop-Plattform für alle Medien, wo sämtliche Informationen zusammenlaufen.“

Bis zu 500 Medienanfragen langen Tag für Tag in ihrer Abteilung ein, täglich sind Konferenzen für Journalisten aus aller Welt im Maracana-Stadion zu leiten. Das kann die Niederösterreicherin, die nach Stationen bei heimischen Tageszeitungen über den deutschen Sportinformationsdienst (SID) vor zwölf Jahren zur FIFA gestoßen ist, in mehreren Sprachen. Den offiziellen FIFA-Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch, in denen die Meldungen topaktuell ausgeschickt werden. Und in Portugiesisch, der Amtssprache im WM-Land. Vor knapp drei Jahren hat das Sprachtalent einen Basiskurs absolviert und danach ihr Portugiesisch mit „learning by doing“ verbessert. „Ich spreche mit vielen Fehlern, kann aber kommunizieren. Das ist wichtig, um auf die Leute eingehen zu können“, weiß Fischer. Und eines ist schon jetzt fix: Nach der WM ist vor der WM. Dann wird nämlich Russisch gepaukt für das nächste Fußball-Großereignis im Jahr 2018.

Als Frau ist sie im Fußball-Weltverband keineswegs alleine. „In der Kommunikation gibt es fünf Abteilungen, dabei drei Frauen als Leiterinnen“, erklärt Fischer. „In der FIFA sind fast 50 Prozent Frauen. Ich hatte nie ein Akzeptanzproblem. Im Gegenteil!“

Fünfte WM-Teilnahme für Willendorferin 

Schließlich ist das Fußballspektakel in Südamerika bereits ihre fünfte WM. 1998 in Frankreich war Delia Fischer als Volontärin dabei, schrieb ihre Diplomarbeit über das Turnier. Am WM-Projekt in Südafrika (2010) hat sie vom Start weg mitgearbeitet. Traf Nelson Mandela und war sogar bei der großen Geburtstagsfeier zum 90er des südafrikanischen Präsidenten eingeladen. Erst vor wenigen Monaten referierte die Niederösterreicherin in Washington an der Seite von US-Vizepräsident Joseph Biden und Außenminister John Kerry.

„Delia ist bescheiden geblieben“, sagt ihre Mutter Maria Fischer. Und wenn zuhause im heimatlichen Willendorf der Fernseher läuft, dann wegen ihrer Tochter. „Sonst interessiert mich Fußball nicht unbedingt …“