Wachablöse ist perfekt. Die Bundesliga-Krone bleibt in Niederösterreich: Nach zwölf Jahren Neulengbacher Dominanz lachen heuer erstmals die St. Pöltner Frauen von der Spitze.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 18. Mai 2015 (04:10)
NOEN, Wallner
So jubeln Österreichs Fußballmeisterinnen! Die Ladies des FSK St. Pölten lassen Trainer Hannes Spilka hochleben. Am Samstag steigt die offizielle Meisterparty.
Mit Blumenketten um den Hals tobten sie übers Feld, die St. Pöltner Fußballfrauen. „Ein super Gefühl“, strahlt Marina Georgieva. Die Kickerinnen aus der Landeshauptstadt haben Geschichte geschrieben. Nach zwölf Titeln am Stück ist Neulengbach die Meisterkrone los.

Drei Runden vor Schluss haben sich die St. Pöltnerinnen ihren ersten Meistertitel gesichert. Und sie setzten am Wochenende noch einen drauf. Mit einem 9:1 bei Wacker Innsbruck zeigten Nadine Prohaska & Co., dass sie längst nicht genug haben. „Es geht um die perfekte Saison“, weiß Erfolgscoach Hannes Spilka. Einst Co-Trainer von Martin Scherb und Gerald Baumgartner beim SKN St. Pölten, wurde der ehemalige Stürmer im Winter 2014 zu den Frauen „abkommandiert“.

An seine Zeit beim SKN denkt der 45-Jährige nach wie vor gerne zurück: „Unter Martin Scherb war‘’s eine lässige Zeit. Ich hab viel mitgenommen und lernen können.“ Genug fürs Meisterstück.

Nur ein einziges Remis steht für den FSK St. Pölten-Spratzern zu Buche, die übrigen Partien wurden gewonnen. „Die Mädels haben viel investiert und sich selbst belohnt“, sagt Spilka, „auch für mich selbst hat dieser Titel einen extrem hohen Stellenwert. Wir wissen, wie schwer es ist, hinten nachzulaufen. Umso schöner ist’s, oben zu stehen.“

Auf dem Weg unter  die Top 16 Europas

Im Hintergrund zieht bei den St. Pöltnerinnen Wilfried Schmaus die Fäden. „Ich steh’ nicht gern im Rampenlicht“, gesteht der Manager. Und Schmaus hebt auch im Erfolg nicht ab. „Als ich damals bei Spratzern begonnen hab’, wollte ich immer in den Flieger steigen.“ Soll heißen: In der Champions-League spielen. „Im Sommer ist’s so weit“, atmet Schmaus durch. Sein Wunschlos: „Entweder Glasgow oder Barcelona.“

Den internationalen Trip werden zwei Leistungsträgerinnen der Meistersaison verpassen. Das Sturmduo Nicole Billa und Lisa Makas hat sich in den internationalen Fokus gespielt, wechselt im Sommer in die deutsche Bundesliga. Billa stürmt für Hoffenheim, Makas verstärkt den SC Freiburg.

„Der Wechsel nach Deutschland ist ein Traum, daran hab’ ich lange gearbeitet“, sagt die 23-Jährige. „Lisa hat den perfekten Zeitpunkt erwischt, sie wird sich in Freiburg etablieren“, pflichtet Trainer Spilka bei. Seinen Mädels traut er zu, unter die Top 16 Europas vorzustoßen. „Dass wir Qualität haben, wissen wir. Nun müssen wir beweisen, dass wir auch defensiv kompakt stehen können.“

Eine Aufgabe, die im Liga-Alltag zu kurz kommt. „Da haben wir oft 80 Prozent Ballbesitz. Wenn die Herausforderung fehlt, sind Spielerinnen wie Makas und Billa in Österreich nicht zu halten“, weiß Spilka.

Braucht mehr Fingerspitzengefühl beim Training

Der entzauberte Serienmeister aus Neulengbach fällt wohl als Herausforderer weg, im Wienerwald werden künftig kleinere Brötchen gebacken. „Dafür rüstet Sturm Graz auf, aus dem Frauenfußballzentrum in St. Pölten drängen die Mädels in die Bundesliga. Das hebt auf Sicht die Leistungsdichte!“

Was macht das Training eines Frauenteams besonders? „Man muss feinfühliger rangehen. Die Frauen hinterfragen mehr. Aber, wenn sie Vertrauen gefasst haben, gehen sie durchs Feuer!“