Fußball-Entwicklungshelfer in Brasilien. Der Niederösterreicher Markus Schruf betreibt im WM-Gastgeberland 25 Fußball-Schulen.

Von Redaktion APA. Erstellt am 14. Juni 2014 (11:05)
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Dass Brasilianer im Vergleich zu Europäern die besseren Fußballer sind, ist laut Markus Schruf kein Klischee. "Die Kinder spielen jahrelang jeden Tag mehrere Stunden lang Fußball. Dreimal wöchentlich das beste Training kann acht Stunden täglich unstrukturiertes Spielen nicht ersetzen", sagte der Niederösterreicher.

Schruf weiß, wovon er spricht – er betreibt in ganz Brasilien 25 Fußball-Schulen mit 6.000 Junioren-Kickern im Alter zwischen sechs und 17 Jahren. Ziel dieser Einrichtungen ist es, die Kinder und Jugendlichen weg von der Straße zu holen und ihnen eine fundierte fußballerische und schulische Ausbildung zu ermöglichen.

Schruf hilft mit Fußball-Schulen

In der Hoffnung auf eine glanzvolle Karriere als Profi-Kicker investieren viele junge Brasilianer keine großen Anstrengungen in einen Schulabschluss. Schruf will diesem Trend entgegenwirken. "Wenn sie bei uns im System sind, müssen sie auch die schulischen Aufgaben ernst nehmen und können nicht einfach nur Fußball spielen."

Rund 75 Spieler sind von den Fußball-Schulen des 49-Jährigen schon zu großen Vereinen transferiert worden. Ablösesummen hat Schruf dabei keine kassiert. "Das wäre nicht moralisch", meinte der Österreicher. Seine Einrichtung ist zwar privat finanziert, kassiert aber auch öffentliche Förderungen und profitiert zudem von finanziellen Zuwendungen diverser Unternehmen, die dafür weniger Steuern zahlen müssen.

"Haben bei Vereinen guten Ruf"

 Für kommenden Herbst plant Schruf einen nächsten Schritt und will mit Partnern einen eigenen Club in Sao Paulo gründen, um Spieler anmelden zu können. Aus dem Talentepool dieses Vereins sollen dann die Spitzenclubs versorgt werden. "Der Vorteil ist, dass wir jetzt bei den Vereinen schon einen guten Ruf haben."

Schruf, der die A-Lizenz besitzt, begann seine Trainerkarriere beim Nachwuchs von VÖEST Linz, wurde später noch in der Zeit vor Frank Stronach Akademie-Leiter bei der Wiener Austria und ging danach in die USA.

Dort arbeitete er von 2001 bis 2004 in San Diego an Talentesichtungen und Sozialprojekten für Inter Mailand. 2009 kam er mit marginalen Spanisch- und ohne Portugiesisch-Kenntnisse als Technischer Direktor zum Red-Bull-Club Brasil in der Nähe von Sao Paulo und führte den Verein nach zwei Aufstiegen in zwei Saisonen in die 2. Profiliga von Sao Paulo.

Das Engagement beim Energy-Drink-Konzern ist mittlerweile beendet, Freundschaften sind aber geblieben –
zum Beispiel jene mit Andre Ramalho, den Schruf mit wärmsten Empfehlungen nach Salzburg schickte.

"Er hatte körperlich und fußballerisch schon immer gute Anlagen und war sehr zielorientiert, vor allem aber im Kopf sehr weit", sagte der Niederösterreicher über den von der Palmeiras-Jugendabteilung übernommenen nunmehrigen Leistungsträger bei den "Bullen".

"Man hat dem Land gegenüber soziale Verantwortung"

Bis vor kurzem fungierte Schruf als Trainer des in einer Vorstadt von Rio de Janeiro beheimateten Clubs Boavista. In dieser Funktion trat er vor bis zu 20.000 Zuschauern gegen namhafte Clubs wie Flamengo, Fluminense und Vasco da Gama im neuen Maracana an, wo am 13. Juli das WM-Finale steigt.

Mit der Endrunde verbinden Schruf zwiespältige Gefühle. "Es wurde sehr viel Geld für Stadien ausgegeben, die man nachher nicht mehr braucht und dafür auf infrastrukturelle Verbesserungen verzichtet", sagte der Niederösterreicher und kritisierte die FIFA.

"Man kann nicht einfach kommen, nehmen was geht und sich dann wieder verabschieden und keine Steuern zahlen. Man hat dem Veranstalterland gegenüber eine gewisse soziale Verantwortung und muss überdenken, was man ihm abverlangt."