Aufstiegstraum fast vorbei.... Österreich sammelte bei der EM in Frankreich bislang Erfahrung, aber keine Punkte. Handball-Legende Gunnar Prokop hätte sich von der jungen ÖHB-Mannschaft mehr erwartet.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 16. Januar 2018 (02:25)
Österreichs Torhüter Thomas Bauer trieb die Weißrussen beinahe zur Weißglut. Fast die Hälfte aller Bälle, die auf sein Tor flogen, wehrte der Badener ab. Im Handball ist das eine herausragende Quote.
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Das ÖHB-Team steht bei der EM in Kroatien nach Niederlagen gegen Weißrussland (26:27) und Weltmeister Frankreich (26:33) vor dem Aus. Nur noch ein Sieg gegen Vizeweltmeister Norwegen am Dienstag kann das Scheitern nach der Vorrunde noch verhindern.

Vor allem die knappe Pleite gegen Weißrussland schmerzt. „Enttäuschend“, seufzt Kapitän Thomas Bauer, „die Weißrussen waren sowohl in der Deckung als auch im Angriff sehr stark.“ Dabei erwischte der Badener im Tor des ÖHB einen wahren Traumtag. 44 Prozent aller Würfe, die auf seinen Kasten kamen, wurden zur Beute von Bauer.

Prokop über Keeper Bauer: „Unfassbar gut!“

Das ringt selbst dem bekannt kritischen Gunnar Prokop Respekt ab: „Unfassbar gut! Es ist ja fast ein Wunder, dass man ein Spiel mit so einer Torhüterleistung verlieren kann“, legt Niederösterreichs Trainerlegende aber prompt den Finger in die Wunde.

Für den Geschmack von Gunnar Prokop hätte Österreich gegen Weißrussland mehr aufs Tempo drücken müssen.
Heidlmair

Die Pleite kann Prokop aber erklären: „Wenn ein Tormann derart gut spielt, dann muss es normalerweise laufend Tore aus erster oder zweiter Welle geben. Wo waren die?“ Die Statistik wies tatsächlich nur ein einziges Kontertor für Österreich aus. „Wir haben das Spiel bewusst langsam gemacht, und das war leider die falsche Taktik“, ist Prokop mit dem Matchplan von Teamchef Patrekur Johannesson nicht einverstanden.

Am Sonntagabend folgte die erwartete Pleite gegen Frankreich. Der Weltmeister setzte sich früh ab und stellte schon vor der Pause die Weichen auf Sieg. Starspieler Nikola Karabatic – hat im Handball einen ähnlichen Status wie Messi oder Ronaldo im Fußball – blieb 60 Minuten lang auf der Bank sitzen. Seine Künste waren gegen die tapfer kämpfenden Österreicher nicht nötig.

Schopf mit zwei Toren gegen den Weltmeister

Nach der Pause kam auch der Kremser Tobias Schopf zu seinen Einsatzminuten. Und bedankte sich prompt mit zwei schönen Toren. Die Niederlage war aber längst besiegelt.

Sollte Österreich bereits nach der Dienstag-Partie wieder die Heimreise antreten müssen, beginnt die lange Vorbereitung auf die EM 2020, die wie schon 2010 in Österreich stattfinden wird.