So reagieren unsere Handballklubs auf den Liga-Abbruch. Die Meisterschaft wird abgebrochen. Krems kann jetzt als Titelverteidiger den Umbruch angehen, bei den St. Pöltner Vereinen herrschen gemischte Gefühle.

Von Claus Stumpfer und Bert Bauer. Erstellt am 01. April 2020 (19:58)
Das vorzeitige Meisterschaftsende ist für Krems-Obmann Josef Nussbaum (l.) aus sportlicher Sicht leichter verkraftbar als für Hollabrunns Manager Gerhard Gedinger, denn die Corona-Krise bereitete den Aufstiegsambitionen der Weinviertler nun ein jähes Ende.
Bert Bauer

Die Corona-Krise zieht nun auch vorzeitig einen Schlussstrich unter die heimischen Handball-Bewerbe. Erstmals, generell seit der Gründung der Handball-Liga Austria im Jahr 1961, wird es keinen Meister, keinen Absteiger und keinen Aufsteiger geben. Für Krems-Obmann Josef Nussbaum geht diese Entscheidung des ÖHB völlig in Ordnung: „Die Gesundheit der Spieler und des gesamten Umfelds hat Vorrang. Darüber gibt es keine Diskussion. Natürlich ist diese Maßnahme besonders bitter für die Fivers oder Hard, Teams, die auf dem Weg zum Titel waren oder den Challenge-Aufstiegsaspiranten Hollabrunn.“

Ein europäischer Hoffnungsschimmer

Die Wachauer gehen somit in der kommenden Saison wieder als Titelverteidiger und Cupsieger ins Rennen, was gleichzeitig die Tür zu einer Europacup-Teilnahme öffnet. Die Absage im Vorjahr hatte im Kremser Lager für einigen Unmut gesorgt. „Wenn uns die Sponsoren weiterhin die Treue halten, werden wir diese Herausforderung heuer sicher annehmen“, legt sich der UHK-Klubchef in dieser Sache vorzeitig fest.

Krems vor Umbau

Der Verein hat nach dem vorzeitigen Saisonende nun mehr Zeit, den großen Umbruch der Mannschaft vorzunehmen. Nussbaum: „Mit einem Tormann und einem linken Rückraumspieler stehen wir kurz vor dem Abschluss. Da in Deutschland einige Klubs in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, könnte sich das eine oder andere Schnäppchen für uns herausschauen.“

Gemischte Gefühle in St. Pölten

Dass der ÖHB aufgrund der Coronavirus-Pandemie den vorzeitigen Abbruch aller österreichischen  Handballbewerbe am Mittwoch bekanntgegeben hat, stieß bei  den Herren und Damen der St. Pöltner Union auf unterschiedliche Resonanz. Es gibt keine Auf- und Absteiger, was die Herren (Sportunion Die Falken Bachner-Bau St. Pölten), die tief im Abstiegskampf der spusu-Challenge (2. Liga) verstrickt waren, sehr begünstigt. Die Damen dagegen hatten im Titelkampf gute Chancen, weshalb sie diese Entscheidung jetzt naturgemäß sehr benachteiligt.

Kögl atmet auf

Die Herren um Obmann Michael Kögl waren mit den steirischen Klubs aus Bruck und Leoben schon länger in whatsapp-Gruppen für die Beendigung der Meisterschaft eingetreten. „Für mich kam die Entscheidung vom Verband um Wochen zu spät“, sagt Kögl, der aber auch betont, dass die schlechte Tabellenposition nicht ausschlaggebend für sein diesbezügliches Engagement war. „Wir sind nach dem Grunddurchgang am letzten Platz gelegen, hätten daher vielleicht sogar absteigen können, wenn der Verband so entschieden hätte, aber es war ja wohl für alle klar, dass die Sporthallen in den Schulen nicht mehr rechtzeitig für unsere Bedürfnisse, nämlich die Saison vor dem Sommer zu beenden, aufgemacht werden können.“  Dieses Argument unterstrich übrigens jetzt auch der ÖHB bei seiner Ankündigung, die Saison vorzeitig zu beenden. 

Kögl betont weiters, dass für ihn Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit, keinen Sinn gemacht hätten. „Wir waren uns daher mit den Tullnern auch schon so weit einig, dass wir die Relegationsspiele gegen den Abstieg unter diesen Umständen auf keinen Fall absolviert hätten“, sagt Kögl, der dafür auch die große Verletzungsgefahr ins Treffen führt. „In den letzten Wochen war kein ordentliches Training mehr möglich, sondern jeder hat daheim irgendetwas gemacht. Dann bei Entscheidungsspielen plötzlich wieder mit hundertprozentigem Einsatz auf den Platz zu gehen, wäre einfach zu gefährlich gewesen.“

Tränenreiche Trennung

Die St. Pöltner Herren hatten sich übrigens auch schon von Chefcoach Janos Frey getrennt. „Das war ein tränenreiches Gespräch in meinem Büro, weil ich ihn als Mensch sehr schätze und ich so etwas auch noch nie machen musste. Aber leider haben vor allem die jungen Spieler mit den Kommandos von Janos  nicht mehr viel anfangen können, das wurde bei den letzten Spielen überdeutlich.“ Frey soll es gefasst aufgenommen haben. „Er hatte eigentlich nach dem Grunddurchgang schon damit gerechnet, aber nachdem wir Korneuburg bezwungen hatten, wollten wir ihm nochmals eine Chance geben“, erzählt Kögl.

Hoffen auf Wagesreiter

Nachfolger steht noch keiner fest, aber Kögl liebäugelt eventuell mit der Rückkehr von Max Wagesreiter zumindest in irgendeiner Form beim Klub. „Er ist St. Pöltner und gehört doch nicht nach Tulln“, meint Kögl, der ihn sich als Trainer aber auch Verbindungsmann zu den Sponsoren sehr gut vorstellen kann. Außerdem ist Wagesreiter zusammen mit Klaus Stachelberger erfolgreicher Trainer der Neigungsgruppe Handball in St. Pölten. „Der Nachwuchs ist unser Atout auch für die Zukunft“, hofft Kögl, der davon überzeugt ist, dass es einen großen Umbruch im österreichischen Handballsport nach der Coronakrise geben wird. 

Krise wird vieles verändern

„Viele Sponsoren werden ihr Engagement beenden und auch Großklubs werden sich Legionäre in diesem Ausmaß wie zuletzt nicht mehr leisten können, was uns mit unseren starken Jugend begünstigen könnte.“ Aber natürlich sieht Kögl auch die Gefahr: „Der starke Nachwuchs wird bei anderen Klubs extrem begehrt sein! So waren wir heuer mit Korneuburg als 2.-Liga-Klubs beim Future-Cup für U 14-Teams dabei und haben da auch etliche HLA-Teams alt aussehen lassen, was natürlich sofort Begehrlichkeiten geweckt hat!“

Über Zu- und Abgänge wurde aber noch nicht näher gesprochen. „Ich will das ungern via Telefon erledigen, sondern ziehe Gespräche von Angesicht zu Angesicht vor, doch die sind derzeit leider nicht möglich“, sagt Kögl, der vor allem Matthias Nikolic, der erst nach dem Grunddurchgang von den Fivers bis zum Saisonende ausgeliehen worden war, gerne behalten würde. „Ob er es sich bei seiner Klasse wirklich antut, bei einem zweiten Klasseklub zu spielen?“, hegt aber auch Kögl seine Zweifel.

Bei den Ladies überwiegt die Enttäuschung

Während St. Pöltens Herren das vorzeitige Saisonende also erfreut zur Kenntnis nahmen, überwog bei den Tabellenführerinnen in der Damenbundesliga (2. Liga) aus naheliegenden Gründen die Enttäuschung. „Wir haben zusammen mit Hollabrunns Herren bis zum Schluss versucht, den ÖHB dafür zu gewinnen, dass die Tabellenspitzenreiter aufsteigen dürfen, also aufgestockt wird, wenn es heuer keine Absteiger gibt, aber leider wird jetzt die komplette harte Arbeit dieser Saison annulliert“, bedauert Sektionsleiter Gerhard Halm. Er fürchtet einen Aderlass.

Wer bleibt, wer geht?

„Die Spielerinnen standen uns alle im Wort, im Falle des Aufstiegs bleiben zu wollen, doch das ist jetzt natürlich hinfällig“, befürchtet Halm vor allem die möglichen Abgänge der Nachwuchsnationalteam-Toptalente  „Lajla Alkic und Melissa Begovic  werden heuer mit der Handelsschule fertig und tendieren dazu, die externe Matura zu machen. Die Möglichkeit dazu gibt es aber nur in Wien, was ihren Wechsel in die Bundeshauptstadt befürchten lässt.“

Trainiert wurde bei St. Pöltens Damen bis zum Schluss nach Trainingsplänen von Coach Waltraud Wagner voll, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. „Es wurde auch regelmäßig mit den Mädels geskyped, um die Motivation hoch zu halten“, schildert Halm, der noch am Mittwochabend mit den Damen via Skype die Entscheidung des Verbands besprechen will. „Vielleicht gibt es ja eine ‚jetzt erst recht‘-Stimmung“, hofft er.