Westwien zieht sich zurück: Das sagen die NÖ-Clubs

Erstellt am 24. März 2023 | 11:00
Lesezeit: 3 Min
Bad Vöslau Jags
Sportlich hatte Westwien gegen die Bad Vöslau Jags rund um Philip Schuster (M.) alles unter Kontrolle. Doch im Sommer gehen bei den Bundeshauptstädter zumindest in der HLA Meisterliga die Lichter aus.
Foto: Malcolm Zottl
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Schock im heimischen Handball: Traditionsverein Westwien zieht sich mit Saisonende aus der HLA-Meisterliga zurück. Die NÖN fragte bei den blau-gelben Oberhaus-Vereine Krems und Bad Vöslau nach. Die Thermalstädter könnten vom Aus sogar profitieren.

Die ersten Gerüchte gab es bereits im vergangenen Sommer. In den letzten Tagen und Wochen verdichteten sich die Hinweise. Seit Mittwoch ist es Gewissheit: Westwien, aktuell Zweiter der heimischen HLA Meisterliga, wird in der kommenden Saison kein Team mehr in der höchsten Spielklasse stellen. Was für die sportinteressierte Öffentlichkeit überraschend kam, war für Insider abzusehen. „Diese radikale Entscheidung hat sich angekündigt. Das Szenario ist bereits seit Monaten herumgegeistert. Ich selbst habe es lange aber auch nicht für möglich gehalten, dass es so weit kommt“, kommentiert Bad Vöslau-Präsident Thomas Schartel gegenüber nön.at: „Es ist natürlich schade um Westwien. Der Weg, den sie in den letzten Jahren gegangen sind, ist beeindruckend und auch Vorbild für uns. Das muss man schon sagen.“

Tolle Nachwuchsarbeit, aber keine Halle

Ins gleiche Horn stößt Alexander Hofmann, Obmann des UHK Krems: „Es ist für den österreichischen Handball wirklich traurig, wenn Westwien endgültig die Pforten schließen sollte. Dabei hat der Klub mit einer tollen Nachwuchsarbeit und seinen engagierten Funktionären in letzten Jahren viel richtig gemacht.“ Den Hauptgrund für die aktuelle Schieflage des Clubs sieht Hofmann in der fehlende Heimhalle (West Wien trug die Heimspiele in der Südstadt aus), wodurch nie ein generationsübergreifendes gemeinsames Umfeld zustande kam. „Der Westwien-Nachwuchs trainiert in acht verschiedenen Hallen.“

UHK Krems
Krems-Obmann Alexander Hofmann bezeichnet das Aus von Westwien in der HLA-Meisterliga schlichtweg als Katastrophe.
Foto: Bert Bauer

Kein Absteiger? Bad Vöslau darf hoffen

Das Aus der Bundeshauptstädter gibt dem Abstiegskampf in der HLA Meisterliga eine neue Facette. Die naheliegende Lösung: Es gibt einen Auf-, aber keinen Absteiger. Damit wären die Bad Vöslau Jags, aktuell Vorletzter (drei Punkte vor Bärnbach), gerettet. Schartel steht auf der Bremse, weiß: „Für diesen konkreten Fall steht nichts in den Statuten.“ Die Folgen für die kommende Saison in Liga eins und zwei sind nun auch beim ÖHB oberstes Thema. Eine Entscheidung wird zeitnah erwartet.

Spieler-Karussell nimmt Fahrt auf

Die Vereine werden bald Gewissheit haben, anders die Spieler, die derzeit bei Westwien unter Vertrag stehen. Leistungsträger wie Wilhelm Jelinek (Krems), Franko Lastro (Göppingen) und Marko Katic (Leon) haben für die kommende Spielzeit bereits neue Clubs gefunden, andere stehen plötzlich ohne Arbeitgeber da. Die meisten wollen weiter in der HLA bleiben. Im Osten sind die Optionen limitiert: Krems oder die Fivers sind Anlaufstellen, genauso wie Bad Vöslau: „Die Telefone laufen seit Mittwoch heiß. Es haben auch Spieler angerufen, mit denen ich bisher noch nie gesprochen habe“, erzählt Schartel. Eine echte Option wären die Jags für diese besagten Akteure aber nur, wenn sie fix in der Meisterliga bleiben. Und da braucht es zuerst eben einmal eine Entscheidung vom ÖHB.