"Special Needs“-Bewerbe: Barrieren abbauen . Menschen mit Behinderungen haben’s nicht leicht, wenn sie Sport im Verein betreiben wollen. Erste Schritte sind getan.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 27. November 2018 (00:31)
Emotion pur. Kapitän Patrick Steininger (r.) und seine Kollegen von den SKN Special Needs Wölfen erlebten beim Spielerpass-Cup ein ganz besonderes Fußballfest.
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Wenn Menschen mit Behinderungen Sport betreiben möchten, stehen ihnen nur selten alle Türen offen. Ganz im Gegenteil. Doch allmählich öffnet sich das Tor einen Spalt. Inklusion heißt das Zauberwort. Ein Miteinander, das von der Vielfalt der Einzelnen profitiert und niemanden ausschließt.

„Inklusion wird auch im Sport kommen müssen!“ Das hat Andreas Onea immer wieder betont. Der Deutsch-Wagramer verlor als Kind bei einem Autounfall den linken Arm. Seine Leidenschaft für den Schwimmsport gab ihm Kraft. Onea startete bei den Paralympics, holte insgesamt sieben Medaillen bei Welt- und Europameisterschaft. 2012 gewann er bei den Staatsmeisterschaften das B-Finale über 200 Meter – gegen nicht behinderte Sportler.

Für den 26-Jährigen eine Selbstverständlichkeit, schließlich schwimmt und trainiert er – trotz seines Handicaps – ganz normal mit seinen Kollegen der Schwimm-Union Wien. Normalität ist das aber noch lange nicht. Inklusion sei im Spitzensport noch leichter als im Nachwuchs- und im Breitenbereich, so Oneas Einschätzung. Gerade in Mannschaftssportarten haben es Sportbegeisterte mit Behinderung nicht leicht. „Special Needs“-Bewerbe können dabei helfen, Barrieren abzubauen.

„Andere Länder sind uns einen Schritt voraus“

Nikolas Karner organisiert mit den Spielerpass-Cups Österreichs größte Fußballturniere für Aktive mit mentalen und physischen Beeinträchtigungen. „Es hat Fortschritte gegeben, aber andere Länder sind uns einen Schritt voraus“, weiß der Niederösterreicher. So sind in Italiens höchster Fußballspielklasse, der Serie A, die Klubs verpflichtet, Special-Needs-Mannschaften zu stellen. In Österreich waren der SKN St. Pölten (Gründung im Herbst 2015) und Rapid Wien Vorreiter. Wenig später folgte das Special-Needs-Team Krems/Wachau, im Vorjahr hat Admira Wacker nachgezogen. Überall dort treffen sich die „speziellen“ Sportler regelmäßig zum Training wie zu Freundschaftsspielen.

Die ersten Hürden sind also in der Kickerszene schon abgebaut. „Es geht um’s Miteinander. Unabhängig von Behinderung, Religion, Hautfarbe“, ortet Karner noch „großes Potenzial“. Denn: „Überall wird über den Mangel an Ehrenamtlichen gesprochen. Menschen mit Behinderungen würden sich gerne einbringen – nicht nur als aktive Sportler, sondern vielleicht auch als Unterstützung in der Kantine. Oder auch als Zeugwart.“