Michaela Polleres: Das Silber-Girl aus Ternitz. Michaela Polleres erkämpfte sich bei ihrem Olympia-Debüt die Silbermedaille. Das Judo-Ass aus dem Bezirk Neunkirchen im Porträt.

Von Wolfgang Wallner. Update am 28. Juli 2021 (19:13)

Große Worte sind ihre Sache nicht. Klare Ziele schon. „Ich will das gewinnen“, hatte Michaela Polleres vor wenigen Tagen im NÖN-Interview angekündigt. Voll fokussiert auf Olympia-Gold ging’s für die 24-jährige Heeressportlerin nach Tokio.

Dort war am Mittwoch nur die Japanerin Chizuru Arai einn Tick stärker als die Niederösterreicherin. „Wo andere die Nerven wegschmeißen, behält Michi einen kühlen Kopf“, weiß ihr Vereinstrainer beim JC Wimpassing, Adi Zeltner. In der aktuellen Weltrangliste wird die coole Ternitzerin auf Position acht geführt.

2014 hat Polleres erstmals international aufhorchen lassen – mit Bronze bei den Olympischen Jugendspielen in Nanjing. 2018/19 folgten jeweils Stockerlplätze bei der EM in Tel Aviv sowie bei den Europaspielen in Minsk (Mixed-Team).

Budapester Befreiungsschlag

Polleres holte heuer bei den Weltmeisterschaften in Budapest die erste Judomedaille für Österreich seit elf Jahren. "Die Medaille vor den Olympischen Spielen hat mir Motivation gegeben und gezeigt, dass ich ganz vorne mitkämpfen kann“, sagt die Ternitzerin. „Mir wurde eine Last von den Schultern genommen, ich habe neues Selbstvertrauen bekommen.“ Dass sie sich damit in den Favoritenkreis für Tokio katapultiert hat? Kein Problem: "Es freut mich, dass ich vorne dabei bin", hat Polleres die Rolle längst angenommen.

Judo nicht widerstehen können

Im zarten Alter von acht Jahren begann Michi mit dem Judosport. "Ich hab ein paarmal versucht, Tennis zu spielen, aber mit Judo konnte nichts konkurrieren. Bei einer Judovorführung in der Schule dachte ich mir, das schaut cool aus, das probiere ich."

Ganz so einfach war der Start dann aber nicht - und da kommt wieder die zurückhaltende Art der Niederösterreicherin ins Spiel. „Es ist ihre Ruhe, die mich manchmal aus der Ruhe bringt. Weil du dir als Trainer manchmal mehr Pepp im Arsch wünschen würdest", schmunzelt Nationaltrainerin Yvonne Bönisch.

Und so brauchte es auch zum Anfangen einen Schubser für die junge Ternitzerin. "Ohne meine Eltern wäre nichts gegangen. Mama hat mich regelmäßig hingebracht zum Training“, erzählt die 24-Jährige. „Ich habe einen kleinen Schubs gebraucht, weil ich so schüchtern war. Dann habe ich neue Freunde kennengelernt. Es hat so viel Spaß gemacht, dass ich dabeigeblieben bin.“

Ein langer Weg, der mit Silber in Tokio seine bislang erfolgreichste Zwischenstation gefunden hat…