Beate Schrott zum Abschied: „Es sind gute Tränen“

Erstellt am 18. August 2021 | 03:35
Lesezeit: 3 Min
Beate Schrott
Ein Kuss vom künftigen Gemahl und gut war‘s: Beate Schrott lief in Andorf ihr letztes Rennen. Die 13,12 Sekunden über die 100-Meter-Hürden waren durchaus beachtlich.
Foto: ÖLV/Alfred Nevsimal
Hürdensprinterin Beate Schrott stand am Samstag zum letzten Mal am Start. Der Abschied fällt ihr schwer und leicht zugleich.
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Das Gefühl sei ein wenig mit jenem nach der Matura vergleichbar. „Mit dem Unterschied, dass ich das, was ich jetzt verlasse, über alles liebe“, lächelt Beate Schrott.

Die 33-jährige St. Pöltnerin bestritt am Samstag beim Meeting im oberösterreichischen Andorf ihr letztes Rennen. Schrott gewann in starken 13,12 Sekunden. Danach wurde es emotional. „Es sind gute Tränen. Das ist okay so.“

Nach dem Karrierehöhepunkt gefragt, muss die Hürdensprinterin nicht lange nachdenken. 2012 lief sie in London ins olympische Finale, wurde dort Siebente. Im selben Jahr stellte sie mit 12,82 Sekunden den heute noch gütigen Rekord über die 100 Meter Hürden auf. „Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden“, gibt Schrott der 23-jährigen Karin Strametz gute Chancen, ihre Bestmarke irgendwann zu knacken. Die St. Pöltnerin war es aber, die als erste Österreicherin die 13-Sekunden-Schallmauer durchbrach: „Das kann mir keiner nehmen.“

Danach wollte Schrott mehr. Sie verließ St. Pölten, schloss sich der Trainingsgruppe rund um Starcoach Rana Reider an. Aus ihrem großen Ziel, bei den Spielen in Rio 2016 noch einmal ins Finale und vielleicht gar zu einer Medaille zu laufen, wurde nichts. Übertraining zog Verletzungen und schlechte Laufform nach sich. Rio wurde zum Desaster. Sie wurde unter 47 Starterinnen Vorletzte. „Danach wollte ich hinschmeißen.“

„Es gab seit Jahren kein Training ohne Schmerzen.“ Beate Schrott

Heute ist sie froh, damals nicht aufgehört zu haben. „Weil ich die Leichtathletik mit einem schlechten Gefühl verlassen hätte“, bezeichnet es Schrott auch als einen Glanzpunkt ihrer Karriere, wieder Freude am Sport gewonnen zu haben. Heuer setzte sie noch einmal 13,04 Sekunden als Bestleistung in die Bahn, scheiterte knapp am Olympialimit für Tokio. Sie verlässt den Leistungssport deshalb mit einem guten Gefühl. Auch wenn er körperlich seine Spuren hinterließ. An ein Training ohne Schmerzen ist schon seit Längerem nicht mehr zu denken: „Mein Körper hat mir ganz deutlich signalisiert, dass es an der Zeit ist, aufzuhören.“

Und an der Zeit, um sich Neuem zu widmen. Privat steht die Hochzeit mit Leichtathletik-Star Christian Taylor an. Sie heiratet den Doppel-Olympiasieger und vierfachen Weltmeister im Dreisprung gleich zweimal. In wenigen Tagen in Österreich in kleinem Kreis. Ende August gibt sich das Paar in Christians Heimat Florida das Ja-Wort. Warum? Wegen Corona. Aufgrund der aufrechten Einreisebeschränkungen darf Schrott nur als Ehefrau von Taylor in die USA.

Ein Leben zwischen Österreich und Amerika

Vor zwei Jahren schloss Schrott ihr Medizinstudium ab. Ihre Facharztausbildung will sie vorerst nicht starten. „Weil ich damit wieder an Österreich gebunden und lange von meinem Mann getrennt wäre.“

Mit dem will sie fortan abwechselnd in Österreich und in den USA leben. Und Christian braucht die Unterstützung von Beate. Er verpasste die Spiele von Tokio aufgrund eines Achillessehnenrisses. Er will sich noch einmal zurückkämpfen.