Medaillen, Mut und Männerbeine. Die vier NÖ-EM-Starter im NÖN-Check: Ivona Dadic, Markus Fuchs, Andreas Vojta und Nada Ina Pauer sprechen über ihre Erwartungen vor der am Freitag beginnenden Hallen-Europameisterschaft in Glasgow.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 26. Februar 2019 (11:27)
Wallner
NÖ-Medaillenhoffnung Ivona Dadic und ihr Trainer Philipp Unfried: Zuversicht vor der am Freitag beginnenden Hallen-EM in Glasgow

Dort, wo die Herren im Kilt gerne Bein zeigen, wollen Österreichs Leichtathleten ihre Schokoladenseite präsentieren. Mit sechs Frauen und zwei Männern geht der Österreichische Leichtathletikverband von Freitag bis Sonntag (1. bis 3. März) in der futuristischen Emirates Arena von Glasgow bei den Hallen-Europameisterschaften auf Medaillenjagd. 

Ein NÖ-Quartett bildet das Korsett des Aufgebots. Angeführt wird die rot-weiß-rote Riege von Mehrkämpferin Ivona Dadic (Union St. Pölten), die in der Halle vor zwei Jahren in Belgrad im Fünfkampf EM-Silber und vergangenen Winter WM-Silber bei den Titelkämpfen in Birmingham gewonnen hat.

Dadic ohne schlaflose Nächte

Als Hallenspezialistin sieht sich Dadic aber nicht: „Die Disziplinen, die gegenüber dem Siebenkampf wegfallen, gehören eigentlich zu meinen stärksten – wie etwa der Speerwurf.“ 

60 Meter Hürden, Hochsprung, Kugelstoß, Weitsprung und zum Abschluss 800 Meter gilt’s für die Ladies an nur einem Wettkampftag zu bewältigen. „Dann gibt’s wenigstens keine schlaflose Nacht, weil du vor den entscheidenden Bewerben noch einmal Ergebnisse und Leistungen analysierst“, lächelt das Aushängeschild der Union St. Pölten. 

„In den Sprungbewerben gibt’s besonders viele Punkte zu holen, da haben wir in den letzten Wochen viel investiert“, gibt Trainer Philipp Unfried Einblicke in den Trainingsalltag. „Die Leistungen in der Halle waren okay. Nachdem ich schon qualifiziert war, konnte ich mich ohne Druck vorbereiten, habe bewusst nur Einzeldisziplinen absolviert“, sagt Dadic.

Mit einer Bestleistung von 4.767 Zählern gehört die 25-Jährige zum engsten Kreis der Medaillenanwärterinnen. „Was auf dem Papier steht, zählt vor Ort nicht“, winkt Ivona ab. „Ich will einen guten Wettkampf abliefern, in die Nähe meiner Bestleistung kommen. An Medaillen will ich vorher nicht denken.“

Österreichs frisch gekürte Leichtathletin des Jahres wird nach den Titelkämpfen in Glasgow eine Woche pausieren. „Dann beginnt eine diesmal sehr lange WM-Vorbereitung.“ 

Schließlich ist Dadic in Doha erst Anfang Oktober im Einsatz. Das heißt für die Saisonplanung: Das Mehrkampfmeeting in Götzis wird die Union-Athleten auch heuer auslassen. Wahrscheinlich ist dafür ein Start beim Liese-Prokop-Memorial in St. Pölten. 

Wie auch bei Alexandra Toth: Die u.a. in der Südstadt trainierende Grazerin hat gute Erinnerungen an die NÖ-Landeshauptstadt. „Dort hab ich voriges Jahr das Limit gelaufen, mich beim Meeting sehr wohl gefühlt.“ 

Dann ist Ivona im Einsatz: Sämtliche Bewerbe finden am Freitag statt. Los geht’s mit dem Hürdensprint (11.05 Uhr). Um 11.45 Uhr folgt der Hochsprung, dann die Versuche mit der Kugel (14.15), Weitsprung (20.04) und der 800m-Lauf (22.15 Uhr). ORF Sport+ überträgt die Entscheidungen live.

Das sagt ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler: „Ivona ist eine Weltklasse-Athletin. Auf sie konzentrieren sich unsere Medaillenchancen. Ohne Druck verbreiten zu wollen: Ihre Einzelleistungen in der Halle lassen Großes hoffen.“

Der schnellste Fuchs weit und breit

Für den ULC Riverside Mödling geht Österreichs flottester Sprinter an den Start. Das große Ziel: Der Einzug ins Semifinale von Glasgow über 60 Meter. „Nervös bin ich noch immer“, gibt der 23-Jährige zu, der heuer zum dritten Mal EM-Luft schnuppert. „Ich hatte eine gute Vorbereitung, jetzt will ich in Glasgow durchstarten.“ 

Mit 6,65 Sekunden (gelaufen bei den Staatsmeisterschaften im Wiener Dusika-Stadion) hat der Sprinter heuer schon ein Ausrufezeichen gesetzt, nur drei Österreicher waren in der Leichtathletikhistorie schneller.

ÖLV/Katzenbeisser
Markus Fuchs

Seit Herbst ist Fuchs in seiner Trainingsgruppe in der Südstadt der „Hahn im Korb“. Österreichs Spitzensprinterin Alexandra Toth trainiert an seiner Seite unter Coach Viktoria Schreibeis. „Wir ergänzen uns super. Die Trainerin ist der Ruhepol, Alex steckt voll Power und motiviert mich“, fühlt sich der Athlet des ULC Riverside Mödling „sehr wohl in der Mädelsrunde“.

Fuchs gibt Einblick ins „Finale“ der Vorbereitung: „Ich habe nicht mehr zu viel gemacht, habe eher darauf geschaut, gesund und voll fit zu bleiben. Wie die Staatsmeisterschaften gezeigt haben, bin ich super drauf.“ Die 5.000 Zuschauer fassende futuristische Halle in Glasgow ist allerdings Neuland für den Austro-Sprinter.

Dann ist Markus an der Reihe: Die Vorläufe starten am Samstag um 11.30 Uhr. Das vom Mödlinger angepeilte Semifinale ist am Samstagabend (20.20 Uhr) terminisiert. 

Das sagt ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler: „Markus steht in der bereinigten Europa-Rangliste auf Platz 20, hat hervorragende Läufe gezeigt. Ich sehe eine realistische Chance, dass er ins Semifinale kommt. Hoffentlich unterstützen die hochtechnisierten Startvorrichtungen in Glasgow gute Meisterschaft und verhindern sie nicht.“

Vojta und das gute Omen

Der Routinier im jungen ÖLV-Aufgebot heißt Andreas Vojta. Der 29-jährige Gerasdorfer geht zum fünften Mal in Folge bei einer Hallen-EM an den Start. Mit der Lockerheit, die er über die Jahre verinnerlicht hat. „Geht‘s nach den Zahlen, ist das Finale bei der Hallen-EM nicht realistisch“, sagt der Gerasdorfer, „aber ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass letzten Endes nur die schnellen Beine am Wettkampftag entscheiden.“

Am Montag gab’s noch mal Stoff im Training, in den Tagen vor Glasgow stehen „ruhige Dauerläufe am Programm, damit die Füße nicht einschlafen und ich frisch in den Lauf gehen kann, wenn’s dann zählt.“

privat
Andreas Vojta

Nachdem über 3.000 Meter 38 Athleten genannt haben, müssen Vojta & Co. durch die Qualifikationsmühle. Der Routinier erwartet sich einen schnellen Vorlauf: „Einige werden versuchen, sich über die Zeit ihren Finalplatz zu sichern.“ Er könne auf jeden Fall mithalten, sei auf dem gleichen Level wie bei den Titelkämpfen 2017. Damals lief Vojta als Zehnter sein Topresultat bei einer Hallen-EM. „Einmal einen einstelligen Platz einzufahren, wäre schon cool“, räumt Vojta ein.

Glasgow ist jedenfalls ein gutes Pflaster für den Olympiastarter. „2014 bin ich hier über 1.500 Meter meine Bestzeit gelaufen. Und: Da haben wir im gleichen Hotel übernacht wie nun bei der Hallen-EM“, schmunzelt Vojta. Wenn das kein gutes Omen ist? „Abergläubisch bin ich nicht. Ich denke auch nicht, dass es einen Unterschied macht, welchen Socken du als ersten anziehst …“

Dann ist Andreas im Einsatz: Die Vorläufe über 3.000 Meter sind am Freitag (13.30 Uhr) angesetzt. Das Finale findet am Samstag (20.47 Uhr) statt.

Das sagt ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler: „Die Ranglisten darf man nicht überbewerten, da bei Meisterschaften taktisch gelaufen wird. Andreas wird hier seine Routine ausspielen, um weiterzukommen.“

Pauers Niederlage war ihr schönster Sieg

Die drittbeste 3.000-Meter-Zeit in der ÖLV-Geschichte knallte Nada Ina Pauer (SVS Leichtathletik) beim Meeting im französischen Eaubonne auf die Bahn. Die 32-Jährige findet sich damit auf Position 17 im europäischen Vergleich der laufenden Hallensaison wieder. „Ich freu‘ mich schon sehr auf Glasgow!“ 

Die Juristin möchte ihre „persönliche Bestleistung weiter verbessern und wenn möglich sogar unter neun Minuten laufen.“ Betreut wird sie von ihrem Lebensgefährten, dem deutschen Weltklasseläufer Reinhard Ringer. Die Beiden lernten sich – solche Geschichten schreibt das Sportlerleben – bei einem Lauf-Event kennen. Der zweifache EM-Bronzemedaillengewinner eroberte bei einem Crosslauf in Tilburg ihr Herz. Pauer vergeigte das Rennen und verlor ihr Herz…

Jean Pierre Durand
Nada Ina Pauer

Starke 9:01,87 Minuten stehen für die SVS-Athletin zu Buche. Sie steht fix im Finale, da es bei den Frauen über 3.000 Meter keine Vorläufe geben wird. Ein Hexenkessel ist garantiert, schließlich ist mit Linda Muir die große Lokalmatadorin am Start. Die 25-Jährige hält den Europarekord über 3.000 m in der Halle. „Ich werde ins Risiko gehen. Das Rennen wird sehr schnell werden, ich werde versuchen an dem Zug dran zu bleiben.“

Dann ist Nada an der Reihe: Zum Abschluss des ersten Wettkampftags. Der 3.000-Meter-Lauf ist für 22.40 Uhr angesetzt.

Das sagt ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler: „Nada Pauer fährt mit einer tollen persönlichen Bestzeit im Gepäck nach Glasgow, kann durch den bereits fixierten Finallauf befreit ihr Leistung auf die Bahn bringen.“