Staraufgebot bei Aufbau-Meeting in St. Pölten. Topleistungen gab es am Mittwoch in St. Pölten bei einem Speerwurf- und Sprintmeeting zu sehen und am Ende gab es sogar einen neuen österreichischen Rekord zu bejubeln. Susanne Walli verbesserte in 37,92 Sekunden die Bestzeit von Gerda Haas aus dem Jahre 1987 (38,11) und siegte vor Lokalmatadorin Ivona Dadic. Die Siebenkämpferin der Union St. Pölten hatte zuvor den Speerwurf mit der Saisonbestleistung von 51,24 Meter gewonnen. Für die Schlagzeile des Tages sorgte trotzdem eine andere St. Pöltner Legende: Beate Schrott erklärte den Rücktritt vom Rücktritt, hängt noch ein Jahr an!

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 11. Juni 2020 (08:01)

Der Leichtathletik-Obmann der Union St. Pölten, Gottfried Lammerhuber, wollte vor seinem Hippolyt Athletics Meeting, das als 1. Austrian Top-Meeting der Saison am 27. Juni im Sportzentrum NÖ über die Bühne gehen wird, seinen Athleten in Absprache mit den Nationaltrainern Elisabeth Eberl (Speerwurf) und Philipp Unfried (Sprint) noch einen kleinen Aufbaubewerb gönnen. Dass sich dann alle österreichischen Sprintstars der österreichischen Leichtathletikszene um einen Startplatz reißen würden, war für ihn nicht absehbar gewesen. Am Ende kam es aber genau dazu. Und daher musste sich nach dem ersten ÖLV-Bewerb am Sonntag zuvor in Eisenstadt das „St. Pöltner Speerwurf- und Sprintmeeting“ keineswegs verstecken. Obwohl nur drei Laufbewerbe über „krumme“ Distanzen (60, 150 und 300 Meter) und ein Speerwurf angeboten wurden, versammelte sich fast die gesamte heimische Spitze in der Landeshauptstadt. Aufgrund der Covid-19-Verordnungen waren zwar nur hundert Zuschauer im schmucken Stadion erlaubt, das tat aber den Leistungen bei nahezu Windstille keinen Abbruch. Denn pünktlich um 15 Uhr, beim Start des ersten Rennens, war Schluss mit dem Dauerregen über St. Pölten, der bis dahin seit der Früh geherrscht hatte. Beim 60-Meter-Sprint der Damen war die als sehr schnell bekannte Tartanbahn auf der St. Pöltner Union-Sportanlage zwar noch nass, doch nach und nach wurden die Bedingungen auch für Österreichs Sprintasse, die sich eingefunden hatten, besser und beim glanzvollen 300-m-Finale strahlte am Ende sogar die Sonne mit Organisator Gottfried Lammerhuber um die Wette.

Beate Schrott hängt noch eine Saison an

Für die Meldung des Tages hat aber zuvor schon eine österreichische Leichtathletik-Ikone gesorgt, obwohl sie diesmal keinen Sieg davontragen sollte. Lokalmatadorin Beate Schrott erklärte im Zuge des Meetings auf jener Anlage, auf der sie groß geworden war, dass sie nun doch noch um ein Jahr ihre Karriere verlängern wird. Ursprünglich hatte Schrott, die 2012 bei den Olympischen Spielen in London sensationell ins Hürdensprint-Finale gestürmt war, ihre Karriere nach dieser Saison beenden wollen. „Doch Covid-19 ließ die Olympischen Spiele in Tokio ausfallen und mein Traum ist es, noch einmal an einem Großevent teilzunehmen und dafür trainiere ich in der Südstadt täglich hart“, erklärte sie. Auch ihr Lebensgefährte Christian Taylor, der US-Amerikaner ist Olympiasieger im Dreisprung, will seinen Titel nochmals verteidigen. Ob die Hochzeit der beiden wie geplant im September stattfindet, lässt Schrott noch offen. „Derzeit können wir uns wegen Covid-19 nicht einmal besuchen. Abgesagt haben wir die Hochzeit zwar noch nicht, doch der Termin wird schon knapp und es ist sicher kein ideales Jahr, um vor den Traualtar zu treten“, meinte sie. Da Taylor am 18. Juni Geburtstag hat, ließ sie aber schon mal das ganze Stadion (inklusive aller Athleten) das Geburtstagsständchen „Happy Birthday“ anstimmen und machte ein Handy-Video davon, welches sie ihm dann am Ehrentag übermitteln wird.

Ivona Dadic gewinnt den Speerwurf mit Topweite

Sportlich gab es dann einen gelungenen Saisoneinstieg für Schrotts Teamkollegin Ivona Dadic. Die Hallen-Vizeweltmeisterin im Mehrkampf von der Union St. Pölten benötigte im Speerwurf zwar ein paar Würfe, um richtig Fahrt aufzunehmen, aber im vierten Versuch schaffte sie mit 51,24 Meter den drittbesten Wurf ihrer bisherigen Karriere. Ein Ergebnis, das für den Schützling von Coach Unfried selbst überraschend kam. „Es war mein erster Wettkampf nach acht Monaten, dann verlief das Einwerfen auch recht hektisch, sodass die ersten Versuche nicht allzu vielversprechend waren“, habe sie sich davon aber nicht rausbringen lassen. „Und dann ist mir ein echt guter Wurf ausgekommen. Besser als so die Saison zu starten, kann gar nicht sein! Wir haben erst zweimal richtig Speer trainiert, aber ich kann jetzt auf einer stabilen und konstanten Technik aufbauen, das hilft enorm und gibt Sicherheit“, strahlte sie.

Mit dieser Weite stellte Dadic auch ÖLV-Siebenkampftalent Sarah Lagger (TGW Zehnkampf Union) in den Schatten. Österreichs Jungstar hatte in Eisenstadt noch mit einem Wurf über 50 Meter für Furore gesorgt, musste sich diesmal aber mit 47,92 Meter begnügen. Noem Luyer (Union Pottenstein) lag als Dritte mit guten 47,07 nur knapp hinter der Kärntnerin.

Der Scheibbser Olympionike Dominik Distelberger (ULV Purgstall) warf außer Konkurrenz und kam auf 52,37 Meter. „Das war heute ein gutes Training für mich. Ich war vom Maximalkrafttraining vorgestern noch etwas müde, aber es waren lauter solide Wurf“, meinte er und verkürzte dann noch den Zuschauern die Wartezeit auf die 300-Meter-Läufe, indem er noch eine Stadionrunde gegen/mit Beate Schrott zum Gaudium aller lief.

Strametz und Fuchs über 60 Meter eine Klasse für sich

Sportlich hatte schon Karin Strametz im ersten Lauf über 60 Meter für ein Highlight gesorgt. In 7,52 Sekunden verbesserte die Steirerin ihre bisherige Bestleistung auf dieser Distanz um gleich acht Hundertstel. Dabei wäre ihrer Meinung sogar noch mehr drinnen gewesen: „Am Anfang hätte ich ein wenig länger draufbleiben können, aber hinten raus war es dann sehr gut“, sprach sie trotzdem von einem „tollen Saisonstart“.

Auch bei den Herren gab es über diese Distanz beim Sieger keine Zweifel. Der Mödlinger Markus Fuchs war in 6,82 eine Klasse für sich. Kein Wunder: Er wäre auf dieser Strecke sogar für die Hallen-WM qualifiziert gewesen, doch dann kam ihm Covid-19 dazwischen. Von seiner Form zeigte er sich nach der langen Zwangspause positiv überrascht. „Leider war zu Beginn des Bewerbs die Temperatur noch zu kühl, das hat sicher ein gutes Zehntel gekostet“, meinte er. Der zweite Platz ging an Lokalmatador Daiyehan Nichols-Bardi. Der Schützling von Union-Sprintcoach Daniel Stehlik, der diesmal auch die Startschüsse abfeuerte, lief mit 7,14 um eine Hundertstel schneller als der drittplatzierte Wiener Andreas Unger, der in Eisenstadt noch gewonnen hatte.

Traumbesetzung über "krumme" 150 Meter

Eine ungeheure Dichte an Top-Athletinnen gab es im selten ausgetragenen 150-m-Lauf. Am Ende hatte mit Ina Huemer (SU IGLA long life) eine starke Nachwuchsläuferin die Nase vorn. „Ich bin über 200 Meter recht stark, aber 50 Meter weniger nehme ich auch ganz gerne“, lachte sie im Ziel. Huemer setzte sich in 17,88 Sekunden (-0,3 Wind) vor Hürden-Ass Karin Strametz (18,11) und Top-Mehrkämpferin Verena Preiner (Ebensee, 18,30) durch. Auf den weiteren Rängen folgten Lokalmatadorin Schrott (18,32) und deren Union-Vereinskolleginnen Lena Pressler (18,37) und Magdalena Lindner (18,56). Bei den Herren siegte Mödlings Andreas Meyer (16,42) vor Andreas Unger (DSG Wien, 16,70) und Daiyehan Nichols-Bardi (Union St. Pölten, 16,86). Mitfavorit Markus Kornfeld (DSG Wien) stieg nach rund 100 Metern wegen einer Muskelverhärtung aus dem Rennen aus.

Susanne Walli löscht Ösi-Rekord über 300 Meter aus

Einen österreichischen Rekord gab es dann noch über die selten gelaufene 300-Meter-Distanz bei den Damen. Susanne Walli (TGW Zehnkampf Union) schaffte damit das Highlight des Tages. Mit großartigen 37,92 Sekunden verbesserte sie den bisherigen österreichischen Rekord von Gerda Haas aus dem Jahre 1987, der mehr als 33 Jahre lang bei 38,11 gestanden war. „Ich wollte gleich relativ schnell anlaufen und bin auch gut durch die Kurve gekommen, musste hinten raus aber ziemlich beißen. Auf dieser Strecke ist das aber auch normal“, wäre sie auch mit einer 38er-Zeit zufrieden gewesen. „Aber der Rekord freut mich natürlich enorm. Da sieht man, dass das Training schon nach wenigen Wochen mit intensiven Läufen gut angeschlagen hat.“

Tolle Zeiten dahinter liefen auch Dadic, die sich mit 38,68 auf den dritten Platz der ewigen Bestenliste setzte, Verena Preiner (39,14) und Österreichs 400-m-Hürdenhoffnung Lena Pressler. Die 18-jährige St. Veiterin lief starke 39,15, nachdem sie kurz zuvor auch am 150-m-Lauf teilgenommen hatte.

Nach dem Ausfall von Favorit Kornfeld waren die 300 Meter dann eine klare Angelegenheit für Sprintass Fuchs. Nachdem er 34,39 gelaufen war, lag der 100-m-Spezialist aber minutenlang schmerzverzehrt im Ziel und stöhnte entkräftet: „Warum tue ich mir so etwas an“ Bei der improvisierten Siegerehrung, wo es für ihn dann eine zweite Tafel Schokolade gab (einziger Zweifachsieger des Tages), sah Fuchs die Sache aber schon wieder ganz anders, als kurz nachdem ihm das Laktat höllische Kopfschmerzen verursacht hatte. „300 Meter sind eine coole Distanz, nur dass sie halt saumäßig weh tun“, hofft er aber, dass sich diese Schmerzen heuer noch bezahlt machen werden. „Ab 250 Meter war es mit der Kraft aus, aber ich bin jetzt zuversichtlich, dass ich heuer noch einen sehr schnellen 200er absolvieren werde, und dafür bin ich heute hier diesen Bewerb gelaufen!“

St. Pölten bleibt Leichtathletik-Hochburg

Das nächste Topereignis der österreichischen Leichtathletik steigt  am 27. Juni erneut in St. Pölten. Beim Hippolyt Athletics Meeting ( Austrian Top-Meeting) warten als besondere Leckerbissen ein Hürden-K.o.-Bewerb der Frauen und der Diskuswurf der Männer auf die Fans, die dann hoffentlich schon zahlreicher im Sportzentrum NÖ erlaubt sein werden.
 

Ergebnisse

Speerwurf.

Damen: 1. Ivona Dadic (Union St. Pölten) 51,24 m (SB); 2. Sarah Lagger (TGW Zehnkampf-Union) 47,92 m; 3. Noemi Luyer (Union Pottenstein) 47,07 m (SB).

Herren: Dominik Distelberger (UVB Purgstall) 52,37 m (SB).

60-m-Sprint.

Damen: 1. Karin Strametz (SU Kärcher Leibnitz) 7,52 Sekunden (PB); 2. Leonie Springer (ULC Riverside Mödling) 7,87 (SB); 3. Antonia Kaiser (Sportunion IGLA long life) 7,92 (SB); 4. Isabelle Edlinger (Union St. Pölten) 7,99 (SB); 5. Moyo Bardi (Union St. Pölten) 8,17 (PB); … 8. Larissa Koberwein (Union St. Pölten) 9,07 (PB).

Herren: 1. Markus Fuchs (ULC Riverside Mödling) 6,82 (SB); 2. Daiyehan Nichols-Bardi (Union St. Pölten) 7,14 (SB); 3. Andreas Unger (DSG Wien) 7,15 (SB); 4. Tobias Weiser (Union St. Pölten) 7,37 (PB); 5. Sebastian Spitaler (Union St. Pölten) 7,38 (PB); … 8. Eduard Gonaus (Union St. Pölten) 7,82 (SB).

150 Meter.

Damen: 1. Ina Huemer (Sportunion IGLA long life) 17,88 Sekunden (PB); 2. Karin Strametz (SU Kärcher Leibnitz) 18,11 (PB); 3. Verena Preiner (Union Ebensee) 18,30 (PB); 4. Beate Schrott (Union St. Pölten) 18,32 (PB); 5. Lena Pressler (Union St. Pölten) 18,37 (PB); 6. Magdalena Lindner (Union St. Pölten) 18,56 (SB); … 15. Isabelle Edlinger (Union St. Pölten) 19,65 (PB); … 17. Moyo Bardi (Union St. Pölten) 20,03 (PB); … 24. Larissa Koberwein (Union St. Pölten) 22,53 (PB).

Herren: 1. Andreas Meyer (ULC Riverside Mödling) 16,42 (PB); 2. Andreas Unger (DSG Wien) 16,70 (PB); 3. Daiyehan Nichols-Bardi (Union St. Pölten) 16,86 (PB); 4. Sebastian Spitaler (Union St. Pölten) 17,44 (PB); 7. Tobias Weiser (Union St. Pölten) 17,56 (PB); … 10. Felix Bernauer (Union St. Pölten) 18,00 (PB); 11. Eduard Gonaus (Union St. Pölten) 18,21 (SB); … 13. Julian Hagmann (Union St. Pölten) 18,69 (PB).

300 Meter.

Damen: 1. Susanne Walli (TGW Zehnkampf-Union) 37,92 Sekunden (ÖLV-Rekord); 2. Ivona Dadic (Union St. Pölten) 38,68 (PB); 3. Verena Preiner (Union Ebensee) 39,14 (PB); 4. Lena Pressler (Union St. Pölten) 39,15 (PB); … 7. Magdalena Lindner (Union St. Pölten) 41,02 (SB).

Herren: 1. Markus Fuchs (ULC Riverside Mödling) 34,39 (PB); 2. Andreas Wolf (ULC Weinland) 36,23 (PB); 3. Julian Malischnig (DSG Wien) 37,09 (PB); 4. Niklas Kainrath (Union St. Pölten) 38,77 (PB); 5. Julian Hagmann (Union St. Pölten) 39,26 (PB); 6. Felix Bernauer (Union St. Pölten) 39,36 (PB); 7. David Königshofer (Union St. Pölten) 39,92 (PB).