Lösch fast grenzenlos. Behindertensport / Claudia Lösch und Matthias Lanzinger waren die Stars der WM im spanischen La Molina – und rückten ihren Sport weiter in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Erstellt am 03. März 2013 (16:50)
NOEN, EPA/BONNY MAKAREWICZ
Von Peter Gruber

Es passt einfach, dass Claudia Lösch „Ohne Grenzen“ moderiert – das Behindertensport-Magazin im ORF. Beinahe grenzenlos scheinen nämlich auch ihre Erfolge: Paralympics-Gold, Gesamtweltcupsiege und mehrere WM-Medaillen in Silber und Bronze hatte sie schon vor der WM im spanischen La Molina. Dort kam zuletzt Gold hinzu – vierfach.

Mit Siegen im Super G, in der Super Kombi, im Riesentorlauf und mit dem Team war die 24-Jährige aus Neupölla im Waldviertel Star der WM. Neben Matthias Lanzinger, der drei Medaillen holte. „Es ist schon im Weltcup gut gelaufen, an vier Goldene hätte ich aber in 1.000 Jahren nicht gedacht“, meinte Lösch.

Infolge eines Autounfalls 1994 ist sie querschnittgelähmt. 1998 begann sie mit dem Skisport, seit 2002 fährt sie im Weltcup. Und hat miterlebt, wie sich die Wahrnehmung ihres Sports in den letzten Jahren entwickelt hat.

Die Leistung zählt, nicht der mitleidige Blick. „Die persönliche Geschichte gehört dazu. Aber sie soll nicht im Vordergrund stehen“, meint Lösch, die in Innsbruck Politik und Jus studiert. Lanzinger ergänzt: „Willentlich das Beste aus seinem Körper rauszuholen. Das macht den Leistungssport aus. Egal ob behindert oder nicht.“ Der Salzburger kennt beide Seiten: 2008 musste dem ÖSV-Weltcupläufer nach einem Super G-Sturz in Kvitfjell ein Unterschenkel amputiert werden, seit 2011 startet er im Behindertensport.

Die Änderung der Wahrnehmung hat Behindertensport auch immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gebracht. „Vom Hype um Skispringer und Alpine können wir natürlich nur träumen“, meint Lösch. Aber täglich wurde in den Medien von der Weltmeisterschaft in den Pyrenäen berichtet. Und längst nicht nur wegen Lanzingers Promifaktor. „Schwer zu sagen, ob das eine Rolle spielt. Die Entwicklung war vorher schon sehr positiv“, meint dieser selbst.

Die steigende Aufmerksamkeit bedeutet Anerkennung für die Athleten – aber nicht nur das. Behindertensport hat gesellschaftliche Relevanz. Ein Anliegen, das über den Kampf um Hundertstel hinaus geht. „Klar, die Zeiten sind vorbei, in denen man Behinderte weggesperrt hat“, erklärt Lösch, „aber wir wollen zeigen, wie facettenreich ein Leben mit Behinderung sein kann, was alles möglich ist.“

Auch dafür nehmen sie und ihre Teamkollegen die Strapazen auf sich. Und das trotz knapper Mittel – zur WM reiste das Team per Bus: zwölf Stunden. „Vorausgesetzt, er geht nicht wie bei der Rückfahrt ein“, seufzt Lösch, „aber der ÖSV hat auch nur 160 Autos …“