Geisterspielprämie für Sportvereine in Niederösterreich. Klubs, die in "orangen Bezirken" ohne Zuschauer spielen müssen, können bis zu 3.500 Euro pro Match an Förderung beantragen.

Von Wolfgang Wallner. Update am 15. Oktober 2020 (15:02)
Wolfgang Wallner

Ein Aufschrei ging durch die Fußballszene, als Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner Geisterspiele in jenen Bezirken dekretierte, die auf der Corona-Ampel orange eingefärbt sind. Seit 5. Oktober gilt die Regelung. Am Donnerstag hat Sportlandesrat Jochen Danninger - gemeinsam mit den Klubobmännern Reinhard Hundsmüller (SP) und Klaus Schneeberger - einen "Schutzschirm für Sportvereine" vorgestellt. Mittels Geisterspielprämien will das Land die Einnahmenausfälle bei den Amateurklubs abfedern.

DIE FÖRDERSÄTZE

Man sei sich bewusst, "dass die notwendige Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und der Vermeidung eines Lockdown" die Klubs hart getroffen habe, sagt Danninger. "Das Land NÖ hat immer betont, man werde in Härtefällen unterstützen. Und deshalb haben wir jetzt einen wirkungsvollen Schutzschirm aufgespannt." Was für den Fußballbereich heißt: Gestaffelt nach Spielklassen wird's entsprechende Förderungen geben, sofern Pflichtspiele ohne Zuschauer bestritten werden müssen.

2. Klasse: 750 Euro

1. Klasse: 1.000

Gebietsliga: 1.250 Euro

2. Landesliga: 2.000 Euro

1. Landesliga: 2.500 Euro

Regionalliga: 3.500 Euro (jeweils pro Geisterspiel)

Unterstützt werden auch Bundesligen (die nicht im Covid19-Sportligen-Fonds gefördert werden; also alle Topligen außer Handball, Basketball, Eishockey, Volleyball, Hockey und Fußball) mit jeweils 1.000 Euro pro Geisterspiel sowie "sonstige Ligen" mit 500 Euro, sofern dort bislang Eintritt verlangt worden ist.

Damit könne man "den wirtschaftlichen Fortbestand der heimischen Sportvereine" sichern, zeigt sich Danninger überzeugt. "Gemeinsam wird es gelingen, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und die so wichtige Nachwuchsarbeit in den Vereinen weiter fortzuführen."

Beispiel: Ein Klub aus der 2. Klasse muss zweimal vor leeren Rängen antreten. Er kann 1.500 Euro beanspruchen. Beispiel II: Ein Verein der 1. Landesliga aus einem orangen Bezirk hat im Herbst vier Geisterspiele zu bestreiten. Er kann insgesamt 10.000 Euro an Prämie lukrieren.

DIE VORAUSSETZUNGEN

Der Verein muss seinen Sitz in Niederösterreich haben, in der laufenden Saison (2020/21) am Spielbetrieb teilnehmen, Nachwuchsarbeit leisten. Und: Der Klub muss beim NPO-Fonds des Bundes angesucht haben. "Der Antrag beim NPO-Fonds muss gestellt, aber noch nicht genehmigt worden sein", präzisiert Landesrat Danninger. "Unsere Unterstützung kommt sozusagen on top."

Außerdem muss der Klub nachweisen, 2019 Einnahmen aus Ticketverkäufen gehabt zu haben - egal, wie hoch diese waren. Die Prämie wird ja pauschal ausbezahlt.

Eine eigene Hotline für die Abwicklung wurde unter 02742/9005-12597 ins Leben gerufen. So will man die Klubs unterstützen und den Weg zu Mitteln aus dem NPO-Fonds und der Landesförderung erleichtern. Danninger: "Die Hilfe wird schnell und unbürokratisch kommen." Ab Anfang November können bereits Anträge gestellt werden.

Infos zum Fonds des Bundes für Non-Profit-Organisationen (wie z.B. Fußballvereinen): https://npo-fonds.at/

Über diesen Topf können Fixkosten (wie Strom, Heizung) usw. geltend gemacht werden. Um die Vereine zu motivieren, keine Bundesförderungen, die ihnen zustehen, liegen zu lassen, gibt's in NÖ das "Service Freiwillige". Unter 0810 00 10 92 steht ein direkter Draht zu einem Steuerberater zur Verfügung, der kostenlos die Einreichung/Abwicklung der NPO-Anträge übernehmen kann.

"DEM SPORT NICHT DIE GRUNDLAGEN ENTZIEHEN"

Die SP hat ein Auffangen des Einnahmenentfalls schon vor Wochen gefordert. Er begrüße daher die Maßnahmen, sagt SP-Klubobmann Reinhard Hundsmüller. "Wir dürfen dem Sport nicht die Grundlagen entziehen. Mit den Geisterspielprämien bekommen die ehrenamtlichen Funktionäre, die ja mit ihrem Vermögen haften, die notwendige Planbarkeit."

VP-Klubchef Klaus Schneeberger: "Es geht um die Existenz der Vereine. Es geht um die Ehrenamtlichen, die wir zu unterstützen haben." Mit den "punktgenauen Förderungen" könne man wirklich helfen: "Das ist der niederösterreichischen Weg, gemeinsam an einem Strang zu sehen."

Insofern appelliert auch Landesrat Danninger an die Sportklubs: "Worum es bei den Geisterspielmaßnahmen geht, liegt auf der Hand. Wir müssen einen Lockdown vermeiden. Und deshalb gilt's Umgehungsaktionen, die wieder zu Menschenansammlungen führen, zu vermeiden."

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: „Wir in Niederösterreich wissen um die Bedeutung unserer Vereine und das großartige Engagement unserer Tausenden von Ehrenamtlichen im ganzen Land. Und wir wollen sie daher vor allem auch in diesen schwierigen Zeiten begleiten und unterstützen, in denen Sport-Veranstaltungen mit Publikum nicht möglich sind. Aus diesem Grund gibt es jetzt einen Schutzschirm für unsere Sportvereine, um zumindest den finanziellen Schaden größtmöglich abzuwenden.“

SO REAGIERT DER NÖ-FUSSBALLVERBAND

NÖFV-Präsident Hans Gartner und Geschäftsführer Heimo Zechmeister haben am Donnerstagvormittag noch bei Landesrat Danninger vorgesprochen. Das erhoffte Ende der Geisterspiele gab's nicht. Aber: Durch die neue Förderung werde "zumindest die finanzielle Komponente dieser Thematik spürbar entschärft", sagt Gartner, der von "konstruktiven Gesprächen auf Augenhöhe" spricht.

NÖ-Verbandsgeschäftsführer Zechmeister begrüßt die Geisterspielprämien: "Die Fördersätze sind vernünftigerweise nach Ligazugehörigkeit gestaffelt. Damit sollte es möglich sein, gewisse Grundkosten wie etwa die Schiedsrichterausgaben abzudecken und einen Teil der entfallenen Einnahmen zu kompensieren."

Neben der Landeshotline stehe auch die Geschäftsstelle des NÖFV als Ansprechpartner für die neue Förderschiene zur Verfügung. Zechmeister hofft nun, dass mehr Klubs ihre Partien als Geisterspiele durchziehen...