Melbourne ohne Melzer: "Tut weh". Wenn am Montag der erste Aufschlag zu den Australian Open in Melbourne erfolgt, fehlt ein Name in der Auslosung: Jürgen Melzer, seit 2003 immer "down under" dabei, muss wegen seiner Schulterverletzung passen.

Erstellt am 08. Januar 2014 (10:05)
Der 32-jährige Deutsch-Wagramer verlängerte seine seit 9. Oktober währende Pause und hofft, Anfang Februar in Zagreb auf die Tour zurückzukommen.

Sehne nicht als Problem bei Verletzung: "Eher eine Nervensache"

Melzer vermisst das Tennis. "Es ist die längste Pause meiner Karriere, klar freue ich mich darauf, wieder spielen zu können", sagte Melzer im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. "Mit Australien versäume ich ein großes Turnier. Dass ich da nicht dabei bin, tut weh. Es weckt aber trotzdem den Hunger, bald wieder zu spielen."

Doch vorerst muss sich Melzer zügeln und weiter seine lädierte Schulter therapieren. "Der letzte Stand ist, dass ich immer noch nicht schmerzfrei bin."

Die Diagnose einer eingerissenen Sehne in der linken Schulter habe sich in jener Form verändert, "dass die wahrscheinlich gar nicht das Problem ist, sondern, dass es eher eine Nervensache ist. Irgendein Muskel drückt einen Nerv ab."

Hoffen und Bangen auf Rückkehr Anfang Februar in Zagreb

Mit den Physiotherapeuten Patrick Hinterseer sowie in Innsbruck Heinz Prader arbeitet Melzer intensiv zusammen, mit manueller Therapie wird versucht, das Problem zu beheben.

In seiner Auszeit hat Melzer nur "zwei-, dreimal" Tennis gespielt. "Aber eben mit Schmerzen, das macht wenig Sinn", erläuterte der aktuelle Weltranglisten-29.

Trotzdem hofft Österreichs Nummer eins, dass er seine Rückkehr auf die ATP-Tour bis zum Turnier in Zagreb (ab 3. Februar) schafft. Dort ist er im Vorjahr im Endspiel gestanden.

Rumpf und Bauch stabil, aber "die Tennisbelastung ist natürlich eine andere"

"Das ist das nächste Ziel. Ich hoffe, dass sich das ausgeht. Körperlich bin ich, glaube ich, so weit. Es wird dann ein bis zwei Wochen dauern, bis ich turnierfertig bin", sagte Melzer, der in der Pause zumindest an den anderen Wehwehchen, die eine so lange Karriere mit sich bringt, arbeiten konnte.

In einem Programm wurde an seiner Stabilität in Rumpf und Bauch gearbeitet. "Das funktioniert im Moment ganz gut, die Tennisbelastung ist natürlich eine andere."

Arbeit mit Neo-Trainer Hipfl macht Lust auf Bewerbseinsatz

Die Arbeit mit seinem neuen Coach Markus Hipfl, dessen Verpflichtung er Mitte Dezember verlautbart hat, läuft gut. "Es passt menschlich sehr gut. Wir machen schon Sachen auf dem Platz, halt ohne Schläger und simulieren Dinge so gut wie möglich", erzählte Melzer.

"Sein Einsatz ist extrem hoch. Er ist topmotiviert und kann es auch kaum erwarten, bis ich den Schläger wieder in die Hand nehmen kann."

Mit vorsichtigen Eigengewichtübungen und diversen anderen konditionellen Übungen versucht Melzer, "so viel Power wie möglich aufzubauen". Denn schließlich hat der frühere Weltranglisten-Achte noch einiges vor. "Das Wichtigste ist es jetzt einmal, den Wiedereinstieg auf die Tour zu schaffen, und dann so viele Matches wie möglich zu bekommen."

Leistung auf Sand soll im neuen Jahr besser werden

Funktioniert die Regeneration nach Plan, dann möchte er "schon wieder unter die ersten 20". "Ich glaube, ich hätte letztes Jahr gute Chancen gehabt, wäre ich gesund geblieben", glaubt Melzer. Außerdem hat er sich eine weit bessere Performance auf Sand vorgenommen. "Da möchte ich wieder den Anschluss schaffen, die letzten zwei Sand-Saisonen waren ja fürchterlich."

Trotz der wohl zumindest vier Monate Pause gibt es bei Melzer keine Rücktrittsgedanken. "Nein, mein Ziel ist es, bis 2016 zu spielen. Für das vermisse ich es zu sehr. Ich könnte mir nicht vorstellen, aufzuhören."

Melzer weiß, dass er bis Miami viele Punkte zu verteidigen hat, doch derzeit sei das eher nebensächlich. "Jetzt muss ich einmal schauen, dass ich wieder spielen kann."

Überlegungen auf Anfrage zu "protected ranking"

Sollte es sich mit dem Comeback bis Mitte oder Ende Februar nicht ausgehen, dann will er auch über ein "protected ranking" nachdenken. Dann könnte er im Nachhinein sein Ranking vom Oktober einfrieren lassen, müsste aber zumindest sechs Monate pausieren. "Aber im Moment steht das nicht zur Diskussion."

Mitbekommen hat Melzer freilich auch die spektakulären Verpflichtungen von Boris Becker als Coach von Novak Djokovic bzw. Stefan Edberg für Roger Federer. "Becker war für mich sehr überraschend, Edberg jetzt weniger. Federer und Edberg passen sehr gut zusammen, aber die machen das nur rund zehn Wochen."

Daumen drücken für Bruder Gerald und Youngster Thiem

Inwiefern dies einem Topstar etwas bringen kann? "Es sind Nuancen, die so einen Spieler verbessern können. Der Respekt, den ein Federer und ein Djokovic auch vor solchen Persönlichkeiten noch haben. Da hört man vielleicht ein bisschen mehr zu und pusht sich vielleicht noch einmal mit zwei, drei Extra-Prozent. Bei Andy Murray (arbeitet mit Ivan Lendl, Anm.) hat man gesehen, wie so etwas funktionieren kann."

Aus österreichischer Sicht drückt er neben seinem Bruder Gerald natürlich auch Dominic Thiem die Daumen: "Die Top 100 sind eine Frage der Zeit, dafür ist er zu gut. Was dann kommt, wird man sehen."

Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass Thiem erst 20 ist. Woche für Woche auf ATP-Tour-Niveau zu spielen, dafür müsse man dem Youngster schon ein bisschen Zeit geben. So wie er das derzeit zu seiner Genesung tun muss.